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Literatur: Von Hirschhausen über Folgen der "Wunderheilerindustrie"

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Von Hirschhausen über Folgen der "Wunderheilerindustrie"

08.11.2016, 16:25 Uhr | dpa

Literatur: Von Hirschhausen über Folgen der "Wunderheilerindustrie". Bekannt auch aus dem Fernsehen: der Mediziner Dr.

Bekannt auch aus dem Fernsehen: der Mediziner Dr. Eckart von Hirschhausen. Foto: Henning Kaiser. (Quelle: dpa)

Reinbek (dpa) - Als "Apple"-Gründer Steve Jobs 2003 an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte, rieten ihm die Ärzte zur sofortigen Operation. Jobs schwor stattdessen auf alternative Therapien und gesunde Ernährung.

Doch alle Smoothies dieser Welt erwiesen sich als machtlos gegen den Krebs. Als Jobs Monate später doch in die Operation einwilligte, war er nicht mehr zu retten. In seiner Autobiografie schrieb er, wie bitter er seine erste Entscheidung bereute. Die Geschichte von Steve Jobs ist für Eckart von Hirschhausen (49) ein fatales Beispiel für falsch angewandte Alternativmedizin.

"Krebs verschwindet nicht durch Aprikosenkerne", schreibt er. "Und wer das behauptet, soll Beweise liefern oder die Klappe halten, denn er gefährdet Menschenleben." In seinem Buch "Wunder wirken Wunder", das seit Wochen an der Spitze der Bestsellerlisten steht, nimmt der Mediziner und TV-Moderator eine durchaus differenzierte Haltung zu alternativen Heilmethoden ein. Doch bei schweren Erkrankungen wie Krebs hört für ihn der Spaß auf. Dubiose Wunderheiler, Handaufleger und Scharlatane erteilten verängstigten Patienten oft gemeingefährliche bis tödliche Ratschläge: "Es ist ein Spiel mit der Hoffnung und Angst, das selten ein gutes Ende nimmt." So viel zu den verhängnisvollen Folgen der "Wunderheilerindustrie".

Doch Wunder und Medizin müssen sich nicht unbedingt widersprechen. Ob Spontanheilungen, Placeboeffekte oder Musik als Überlebenskunst - es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die nicht immer gleich wissenschaftlich und rational erklärbar sind, aber doch erkennbar positive Effekte zeitigen. Neben vielen Nieten und faulem Zauber gibt es auch verblüffende Erkenntnisse jenseits der Schulmedizin, die wir uns im Alltag zunutze machen sollten, meint von Hirschhausen.

Auf humorvolle und hintergründige Art versucht er so, die Welt der Magie und der Wissenschaft miteinander zu versöhnen. Tatsächlich scheint er dafür wie prädestiniert. Denn was manche nicht wissen: Eckart von Hirschhausen ist nicht nur ausgebildeter Mediziner, er hat auch jahrelang nebenbei als Zauberer gearbeitet. Diese Seite seiner bewegten Biografie wird in dem Buch ebenfalls beleuchtet.

So schildert er in dem Kapitel "Wie mich das Zaubern verzauberte" von seiner ersten magischen Erfahrung im Alter von fünf Jahren. Auf einem Kindergeburtstag vollführte der Vater eines Freundes ein Zauberkunststück. Aus einem Ball machte er plötzlich zwei. Der kleine Eckart war fasziniert. Und seine Begeisterung für die Zauberei ließ auch dann nicht nach, als er Jahre später den plumpen Trick hinter diesem scheinbaren Wunder durchschaute.

In dem Buch steckt viel persönliche Lebenserfahrung und man merkt ihm an, dass es mit Herzblut verfasst wurde. Die immer unterhaltsam präsentierten Texte sind aufgelockert durch witzige Grafiken und Rätselspiele. Ein bisschen Show muss sein! Abgesehen davon dürfte der Autor schwerlich anecken. Denn obwohl er mit Kritik an der klassischen Schulmedizin nicht spart, stellt er ihren Stellenwert nicht in Frage. Und auch die alternative und naturheilkundliche Medizin hat in einem bestimmten Rahmen für ihn ihre Daseinsberechtigung.

Soweit können die Anhänger beider Seiten zufrieden sein. Nur mit den Globulijüngern, Verfechtern einer Stoffwechseldiät, geht von Hirschhausen wirklich hart ins Gericht. Seine Hauptbotschaft an den Leser und Patienten aber ist, die Augen immer offen zu halten, zwar wachsam zu sein, doch auch neugierig auf die Wunder dieser Welt.

- Eckart von Hirschhausen: Wunder wirken Wunder. Wie Medizin und Magie uns heilen. Rowohlt Verlag, Reinbek, 496 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-498-09187-3.

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