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Literatur  

"Bella Block"-Erfinderin Doris Gercke wird heute 80

07.02.2017, 08:35 Uhr | dpa

"Bella Block"-Erfinderin Doris Gercke wird heute 80. Doris Gercke schreibt mit 80 munter weiter.

Doris Gercke schreibt mit 80 munter weiter. Foto: Daniel Reinhardt. (Quelle: dpa)

Hamburg (dpa) - "Es ist so schade, dass viele Menschen im Laufe ihres Lebens vergessen, was sie in ihrer Jugend eigentlich gewollt haben", sagt Doris Gercke nachdenklich auf dem Biedermeier-Sofa ihrer mit viel Kunst ausgestatteten Hamburger Wohnung.

Auf sie, die preisgekrönte Schriftstellerin und geistige Mutter der burschikos-sensiblen Ermittlerin Bella Block ("Weinschröter, du musst hängen"), trifft solches Vergessen ureigener Träume nicht zu. "Ich wusste immer, dass ich schreiben will", erinnert sich die Tochter einer Arbeiterfamilie. Ihren Erfolg hat sie sich auf Umwegen erkämpft.

Am Dienstag (7. Februar) wird Gercke 80 Jahre alt. Ihr jüngstes Buch hat sie im Herbst vorgelegt: "Wo es weh tut" (Haymon Verlag), den dritten Band ihrer Milena-Proháska-Krimis. Für die komplexe, in Kiew angesiedelte Geheimdienstgeschichte um eine vorgeblich emanzipierte Antiheldin auf Selbstsuche hat die Autorin auch in der Ukraine recherchiert. Dagegen verlief die erste Hälfte ihres Lebens relativ normal. Im vorpommerschen Greifswald geboren, machte Gercke in Hamburg eine Ausbildung zur Verwaltungsbeamtin, heiratete mit 20, bekam zwei Kinder und war 15 Jahre lang Hausfrau.

Im Zuge der 68er-Bewegung politisiert, trat sie dann jedoch der DKP bei, nahm an Ostermärschen teil, verband sich mit der Frauenbewegung. Und engagierte sich gegen Neofaschismus - nicht zuletzt als Reaktion auf die über die Vergangenheit schweigende Elterngeneration. Mit 40 legte Gercke ein Begabtenabitur ab und studierte danach Jura, um als Strafverteidigerin sozial Schwachen zu helfen. "Ich hatte früh bemerkt, dass wir zumindest damals eine Klassengesellschaft waren", erklärt die Autorin, die durchaus im Ruf steht, auch schroff auftreten zu können. Schmerzlich erinnere sie sich etwa an Situationen in ihrer Schule in Greifswald, wohin die Familie 1949 geflüchtet war.

"Meine Geschwister und ich waren eben Flüchtlinge, hatten nicht die Klamotten der anderen Kinder. Einige von denen spielten sich sehr auf", sagt Gercke. "Für mich war das prägend." Schon zu der damaligen Zeit habe sie viel gelesen - "das ist eigentlich meine Ausbildung als Schriftsteller". An ein eigenes Buch habe sie sich aber lange nicht getraut. "Ein Schlüsselerlebnis war, als ich mit fast 50 Tolstois Novelle "Der Tod des Iwan Iljitsch’ las. Der Titelfigur fällt es schwer zu sterben, weil sie nie getan hat, was sie wirklich wollte", erzählt Gercke, "da habe ich mir gedacht, wenn du jetzt nicht anfängst, dann wird es nie was."

Gleich ihr erstes Werk, der Bella-Block-Roman "Weinschröter, du musst hängen", wurde 1988 ein Riesenerfolg. Einschließlich der noch immer laufenden Fernsehkrimireihe "Bella Block", deren Drehbücher allerdings längst andere verfassen. Gercke hat, um sich finanziell abzusichern, die Rechte verkauft. Ihre politischen Auffassungen, die sich in ihren Büchern spiegeln, findet sie in den ZDF-Filmen kaum mehr wieder. Doch immerhin die feministische Widerborstigkeit der Titelfigur, mit deren Darstellerin Hannelore Hoger sie längst befreundet ist. Die Autorin erklärt aber auch: "Mit meinen Block-Romanen habe ich 2012 aufgehört, weil sie am Ende den Leserinnen ein Selbstbewusstsein vorgaukeln, das die meist gar nicht entwickelt haben. Ich wollte niemals Illusionen verkaufen."

Und wie sieht es mit ihrem eigenen Selbstbewusstsein aus? "Außerordentlich schwankend", meint Gercke trocken, "ich glaube nicht, dass ich in dieser Frage vorbildlich bin." Ironisch merkt sie an: "Immerhin habe ich mir meinen Mann - schon den zweiten - selbst ausgesucht." Wie viel ist ihr von ihren Überzeugungen geblieben? "Die ganze Welt ist so im Umbruch. Man weiß ja nicht mehr, was links ist", sagt die Schriftstellerin und resümiert: "Ich bin bei der unteren Schicht, aus der ich ja komme, und bei den Frauen." Ihre Arbeit gehe ihr inzwischen langsamer von der Hand. Doch über ein nächstes Projekt denkt sie schon nach: eine ausgiebige Roman-Recherche in Spanien.

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