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Literatur  

Unity Mitford und die Rendezvous mit Adolf Hitler

14.02.2017, 12:04 Uhr | dpa

Literatur: Unity Mitford und die Rendezvous mit Hitler. Eine Biografie mit langem Titel: "Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an" von Michaela Karl.

Eine Biografie mit langem Titel: "Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an" von Michaela Karl. Foto: Hoffmann und Campe Verlag. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Sollte das Hitler-Groupie Unity Mitford (1914-1948) als mögliche englische Spionin aus dem Weg geräumt werden? In ihrer neuen Biografie "Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an" äußert Michaela Karl Zweifel an der gängigen Version, die "Führer"-Begleiterin habe im September 1939 in München einen Selbstmordversuch begangen.

Danach schoss sich die 25-jährige Britin aus Verzweiflung über den Kriegsausbruch in Münchens Englischen Garten eine Kugel in den Kopf. Sie überlebte, war aber fortan behindert.

Ihr aufsehenerregendes Rendezvous mit Hitler und Deutschland war zu Ende. Karl hält die Zeugenaussagen für diese Version zumindest für dubios und widersprüchlich. Tatsächlich habe Unity Mitford wenig Anlass gehabt, sich umzubringen, während ihre Gegner allen Grund gehabt hätten, "die englische Einflüsterin" loszuwerden.

Zu diesen Gegnern zählt die Autorin den NS-Außenminister Joachim von Ribbentrop, der Unity Mitford für das Scheitern der deutsch-englischen Beziehungen mit verantwortlich gemacht habe. Auch ein Eintrag im Goebbels-Tagebuch gibt zu denken: "Der Führer bedauert sehr das Schicksal von Lady Mitford, die durch ihren Selbstmordversuch halbseitig gelähmt ist. Aber trotzdem muss der Führer sich natürlich auch gegen jede Spionagemöglichkeit sichern. Und das hat er in diesem Fall getan."

Die Worte bleiben nebulös, tatsächlich aber wurde Unity Mitford überwacht. Zwar gingen die Gestapoakten verloren, doch findet sich auf einer Einwohnermeldekarte vom 2. September 1939 der Hinweis "z.Z. in Haft bei Gestapo, Brienner Str.50". Denkbar wäre auch ein Verzweiflungsakt Unitys, um einer dauerhaften Internierung zuvorzukommen. Doch auch für diese Theorie gibt es keine Beweise. Ein möglicher theatralischer Selbstmordversuch passt im Übrigen gar nicht so schlecht zu Unitys exaltiertem Charakter.

Das Upperclass-Girl entwickelte noch in England eine schwärmerische Neigung zum Faschismus. Ihre schöne Schwester Diana war da bereits mit dem britischen Faschistenführer Oswald Mosley liiert. 1933 war Unity erstmals auf einem NS-Parteitag. Die Begegnung mit dem Nationalsozialismus wurde für sie zu einer Art religiösen Erweckung. Zwei Jahre später wird sie Hitler in einem Münchner Lokal persönlich vorgestellt. Sie verfällt in teenagerhafte Ekstase: "Ich glaube, ich bin das glücklichste Mädchen der Welt. Ich habe nichts getan, um eine solche Auszeichnung zu verdienen."

Hitler ist von der jungen Frau sehr angetan, die schon rein äußerlich so vollkommen dem "arischen" Ideal entspricht: blond und blauäugig, schlank und hochgewachsen. Gerne lässt der "Führer" sich an der Seite der ihn anhimmelnden eleganten Aristokratin sehen. Mehr als 140 Mal sollen Hitler und Unity Mitford sich in den Jahren 1935 bis 1939 getroffen haben - im Schnitt alle zehn Tage. Andere "Führer"-Bewunderinnen wie Winifred Wagner wurden da neidisch: "Unity sah aus wie ein Baby, so unschuldig. Aber irgendwie war sie furchtbar lästig." Noch bissiger war der NS-Auslandspressechef "Putzi" Hanfstaengl. Für ihn war die Mitford eine "schöne, blonde Kuh mit einem Quantum Bösartigkeit".

Hitlers Architekt Albert Speer dagegen sah in der Engländerin im Gegensatz zu Eva Braun eine "ziemlich intelligente Frau" mit "Mumm". Doch war Unity keineswegs nur eine fehlgeleitete jugendliche Schwärmerin, die Hitler wie einen Popstar verehrte. Sie war auch eine in der Wolle gefärbte Faschistin, die das rassistische und judenfeindliche Programm der Nazis aus vollem Herzen unterstützte. Ihre Kommentare in dieser Hinsicht sind erschreckend.

So rechtfertigte sie Hitlers Angriffskrieg mit der Rassentheorie. Die Polen und die Tschechen seien "keine höherwertige Rasse und deshalb müssten sie bedauerlicherweise von anderen Nationen beherrscht werden". In einem Leserbrief an das Nazi-Hetzblatt "Der Stürmer", erklärte sie sich einmal rundheraus zur "Judenhasserin".

Nach dem Krieg versuchten Unitys Schwestern, diesen unerfreulichen Aspekt vergessen zu machen. Unity wurde auf die Rolle der unpolitischen Schwärmerin reduziert. Michaela Karl ist sich jedoch sicher: Die Erlösungsideologie des Nationalsozialismus war für die junge Britin weit spannender als der Mann Adolf Hitler.

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