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Literatur  

Andrea Camilleri und die Frauen

21.02.2017, 14:44 Uhr | dpa

Literatur: Andrea Camilleri und die Frauen. "Frauen" von Andrea Camilleri.

"Frauen" von Andrea Camilleri. Foto: Kindler/Rowohlt. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Der schönen Studentin Ingrid ist der Literaturprofessor einfach nicht gewachsen. Die Unverblümtheit und erotische Freizügigkeit der blonden Schwedin überfordert den distinguierten Herrn aus Italien ganz offensichtlich.

Das geplante Stelldichein im Elternhaus der Schönen macht den Professor nervös, er verfällt in Panik, bekommt Schweißausbrüche und schützt am Ende ein Unwohlsein vor, um die Flucht zu ergreifen.

"In dieser Woche muss der Index italienischer Manneskraft in Schweden steil abgefallen sein", kommentiert Andrea Camilleri trocken diese Geschichte, in der er wohl sich selbst in der unrühmlichen Rolle des Professors beschreibt. Doch später setzt er genau dieser Ingrid ein Denkmal - sie wird die ausländische Freundin seines berühmten Commissario Montalbano, 39 Frauenporträts hat Camilleri (91) verfasst und alphabetisch in seinem Buch geordnet - von Angelica bis Zina.

Manche dieser Frauen hat der Schriftsteller persönlich gekannt, von anderen hat er ihre Geschichte gehört. Auch historische oder literarische Frauenfiguren sind darunter wie etwa Desdemona, Nofretete oder Helena. Auf die eine oder andere Weise haben all diese Frauen Spuren in seiner Erinnerung hinterlassen - bisweilen sind es nur kurze Skizzen oder Szenen, dann wieder erzählt er auf wenigen Seiten ganze Biografien. Es sind schöne, traurige, anrührende und komische, vor allem aber erotische Geschichten.

Eine der wichtigsten Frauen im Leben Camilleris war seine Großmutter Elvira. Offensichtlich hat er von ihr seine Fabulierlust geerbt. Denn Elvira Capizzi pflegte mit Gegenständen zu sprechen, im Dialekt oder sogar in frei erfundenen Sprachen schimpfte sie mit Stuhl, Klavier oder Kochtopf. Wenn sie mit ihrem Enkel spazieren ging und sie unterwegs verschiedene Tiere entdeckten, gab sie jeder Grille und Eidechse einen Namen und erfand für sie eine eigene Lebensgeschichte. So wurde die Großmutter dem Enkel zur Komplizin einer fantastischen Welt, zu der nur sie beide Zugang hatten. Am Ende schreibt Camilleri: "Ich habe ihr kein einziges meiner Bücher gewidmet. Vielleicht weil ich weiß, dass sie sie alle mit mir geschrieben hat."

Einige der Geschichten sind ausgesprochen komisch. So Camilleris Begegnung mit einer betörenden Schweizerin an einem sizilianischen Strand. Helga ist die junge Frau eines Restaurantbesitzers, scheint es mit der ehelichen Treue aber nicht allzu genau zu nehmen. Jedenfalls macht sie dem jungen Mann eindeutige Avancen. Der lässt sich nur allzu gern auf ein abenteuerliches nächtliches Rendezvous ein. Doch für den jungen Liebhaber gibt es ein böses Erwachen, denn die Deutschschweizerin befiehlt einen pünktlichen, klinisch reinen und maschinenhaften Vollzug: "Ich machte mich ans Werk. Nach einer Viertelstunde wurde mir klar, dass eine Mumie mehr Reaktionen gezeigt hätte. Am Schluss fragte sie mich, was für einen Eindruck sie auf mich gemacht habe. "Du warst ein Orkan", sagte ich."

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Das unansehnliche Mauerblümchen, das sich in dem Moment zu einer Sex-Furie entfaltet, als ein junger Mann ihre vielen Sommersprossen berührt. In einer anderen Geschichte geht es um eine "Marchesa lieblicher Landstriche", eine kultivierte und respektable Blaublüterin, die bei einer kleinen Gesellschaft unversehens im wüstesten Fischweiberjargon lospoltert.

Schwüle Altmännerphantasien kann man da und dort besichtigen. Denn seit wann geben sich heißbegehrte, berückende Botticelli-Schönheiten wie das Mädchen Venere (Venus) unscheinbaren, tollpatschigen jungen Männern hin, und dann auch noch am Strand? Ein bisschen weniger Venere und mehr Elvira hätte den Geschichten ganz gut getan.

- Andrea Camilleri: Frauen, Kindler Verlag, Reinbek, 220 Seiten, 19,95 Euro ISBN 978-3-463-40669-5.

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