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Literatur: Neuer Roman von Dave Eggers geht "Bis an die Grenze"

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Neuer Roman von Dave Eggers geht "Bis an die Grenze"

14.03.2017, 12:06 Uhr | dpa

Literatur: Neuer Roman von Dave Eggers geht "Bis an die Grenze". Der US-Autor Dave Eggersliebt Extreme.

Der US-Autor Dave Eggersliebt Extreme. Foto: Chicago Tribune. (Quelle: dpa)

Stuttgart (dpa) - Der Tiefpunkt kommt gegen Mittag. "Wäre es nicht wunderbar, alles hinzuschmeißen?", fragt sich die Zahnärztin Josie. Und: Lebt sie wirklich "ihr bestes Leben"? 

Damals ist die Mutter zweier Kindern 40, von deren Vater Carl getrennt - und hoch verschuldet. Ihre Praxis muss sie schließen. Als Carl auch noch darum bittet, den gemeinsamen Nachwuchs seiner Neuen vorstellen zu dürfen, hat Josie eine Lösung für ihre Misere: Flucht.

Mit den Kindern Paul (8) und Ana (5) - und einem alten gemieteten Wohnmobil - verlässt sie Ohio und fährt "Bis an die Grenze", nach Alaska. Aber ist ein Leben ohne Verpflichtungen und ohne Zivilisation wirklich das glücklichere?

Der Autor Dave Eggers liebt die Extreme. Zuletzt stellte der US-Schriftsteller das mit seinem Bestseller "The Circle" unter Beweis, in dem er eine schaurige Version der digitalen Zukunft beschreibt, inklusive der totalen Überwachung durch Gesichtserkennung und eingepflanzten Chips. "Bis an die Grenze" zeigt das andere Extrem: Einsamkeit und Anonymität.

Einen anderen Menschen macht das aus Josie zunächst nicht. Sie trinkt zu viel Wein, blättert in alten Zeitschriften und weiß nicht recht, wie es weitergehen soll - im Grunde alles wie zu Hause. Auch die erhoffte Einsamkeit und Selbstbestimmung bleibt aus: Auf ihrem Parkplatz darf sie nicht stehenbleiben, ein Polizist erwischt sie dort mitten in der Nacht. Ziellos fährt Josie also durchs Land.

Wohnmobilparks, Begegnungen mit anderen Menschen - und immer wieder Rückblenden an die Zeit mit Carl - folgen. Josie tanzt auf einer fremden Hochzeitsparty, wird beim Sex im Wohnmobilpark von ihrem Sohn erwischt und irgendwann hat sie plötzlich auch noch einen Hund. Nur eines ist immer klar: Sie gehört nirgendwo dazu. 

"Ich bin müde", sagt Josie einmal. Und meint damit, dass sie müde ist, von der Welt getrennt zu sein. Und das gilt wohl nicht nur für die Trennung von der Zivilisation. "Es gab keinen Ort, der sich wie ein Zuhause anfühlte", heißt es im Buch. Oder fast schlimmer: Josie beobachtet immer wieder Menschen, die im Gegensatz zu ihr fest an einem Platz verwurzelt sind.

Zur Getriebenen wird sie nicht nur durch ihre eigene Rastlosigkeit, sondern auch durch die Naturgewalten, die ihr in Alaska widerfahren. Unwetter, Sturm - und vor allem Waldbrände zwingen sie schließlich wirklich zur Flucht.

Eggers beschreibt die innere Zerrissenheit seiner Hauptdarstellerin auf eindringliche Weise. Das hat oft etwas Bedrückendes, oft ist es aber auch überraschend witzig. Etwa ihre Erinnerungen an Carl, der "ständig pinkelt" und während seiner Klo-Sitzungen sogar Spielsachen der Kinder repariert.

Am Ende steht die Frage: Wäre es besser gewesen, zu Hause zu bleiben? Josie kommt zumindest zu dem Schluss: Es ist nötig, dass "man sehr häufig fortgehen muss". Und: "In Bewegung liegt Sinn." So endet das Buch zunächst auch mit einem glücklichen Moment. Wäre da nicht das letzte Kapitel eine Seite weiter. Es besteht aus nur einem Satz - der alles wieder infrage stellt.

- Dave Eggers: Bis an die Grenze. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 496 Seiten, 23,00 Euro, ISBN 978-3-462-04946-6.

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