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Sinclair Lewis als Visionär: "Das ist bei uns nicht möglich"

04.04.2017, 11:53 Uhr | dpa

Literatur - Sinclair Lewis als Visionär: "Das ist bei uns nicht möglich". Sinclair Lewis schrieb bereits 1935 den Roman "Das ist bei uns nicht möglich".

Sinclair Lewis schrieb bereits 1935 den Roman "Das ist bei uns nicht möglich". Foto: Aufbau Verlag. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Seit Donald Trump im vergangenen Jahr zum US-Präsidenten gewählt wurde, machen sich viele Menschen Sorgen, welche Folgen das für das Land haben wird. Viele Menschen trauen dem Mann mit seinen populistischen Äußerungen und bislang alles andere als fortschrittlichen Entscheidungen so ziemlich alles Böse zu.

In den USA hat die Trumpsche Präsidentschaft unter anderem auch dazu geführt, dass Romane über totalitäre Herrschaft wieder stark nachgefragt sind. Neben George Orwells "1984" und dem "Bericht der Magd" von Margaret Atwood ist besonders ein älterer Roman wieder populär, der bislang in Deutschland eher wenig bekannt war: "Das ist bei uns nicht möglich" von Sinclair Lewis aus dem Jahr 1935. Jetzt ist er auch einem deutschen Lesepublikum zugänglich.

Die Ausgangssituation im Roman ähnelt ziemlich der des realen Jahres 2016. Im Amerika des Jahres 1935 sind viele Menschen stark verunsichert, fürchten um ihre wirtschaftliche Sicherheit, sehnen sich nach Ordnung und misstrauen dem Establishment.

In dieser Situation taucht ein Mann auf, der all diese Gefühle aufnimmt und für seine Zwecke nutzt: Berzelius Windrip, genannt Buzz, ein Populist wie aus dem Lehrbuch. Er setzt sich an die Spitze der "Liga der vergessenen Männer", in der sich die von der Politik enttäuschten Amerikaner organisiert haben. Gerissen, jovial, verschlagen und dummdreist zugleich lässt Windrip seinem Gegenkandidaten bei den Wahlen keine Chance und zieht zur allgemeinen Überraschung ins Weiße Haus.

Man könnte meinen, Sinclair Lewis hätte eine Zeitreise in unsere Gegenwart unternommen, bevor er den Roman in nur wenigen Monaten des Jahres 1935 schrieb. Hatte er natürlich nicht, aber er konnte seine schriftstellerische Fantasie mit erstklassigen Informationen aus einer entstehenden Populistendiktatur untermauern. Seine Frau, die Journalistin Dorothy Thompson, war in den frühen 30er Jahren Korrespondentin in Berlin und hatte sogar Hitler persönlich interviewt und ein Buch über ihn geschrieben.

Natürlich ist Buzz Windrip kein Hitler, er soll es auch gar nicht sein. Vielmehr ähnelt er sehr stark einem erfolgreichen amerikanischen Populisten jener Zeit: Huey Long, dem korrupten Gouverneur von Louisiana, der durchaus eine Chance bei den Präsidentschaftswahlen 1936 hätte haben können. Long fiel im September 1935 einem Attentat zum Opfer, aber die grundsätzliche Problematik war damit natürlich nicht verschwunden.

Dass gerade Sinclair Lewis einen Roman über dieses Thema schrieb, sorgte für zusätzliche Aufmerksamkeit. Lewis (1885-1951) war seit Anfang der 20er Jahre durch satirisch angehauchte Romane wie "Hauptstraße", "Babbitt" und "Elmer Gantry" zu einem der anerkanntesten Autoren seiner Generation geworden und hatte 1930 als erster amerikanischer Schriftsteller den Literaturnobelpreis bekommen.

Der Name Sinclair Lewis garantierte Aufmerksamkeit, ganz besonders bei einem so brisanten Thema. Da scheint es ihm weniger wichtig gewesen zu sein, abgerundete Figuren zu schaffen. Windrip ist in erster Linie eine Figur, die für einen Zweck hin- und hergeschoben wird, ebenso wie sein bösartiger Sekretär Lee Sarason.

Auch die Gegenposition wird von einer eher schablonenhaften Figur repräsentiert. Doremus Jessup ist ein traditionsbewusster Journalist, dem die Wahrheit wichtig ist und der an das Gute in Menschen glaubt. Wie viele Mitglieder des Bürgertums hat auch er anfangs durchaus Sympathien für Windrip und gerät erst in einen Wertekonflikt, als die neue Regierung die Zeitungen um ihre Unabhängigkeit bringen will.

In "Das ist bei uns nicht möglich" zeichnet Sinclair Lewis ein düsteres Bild einer Gesellschaft, die zulässt, dass ihr Staat zu einem faschistischen System wird. Vieles davon ist absolut glaubhaft, ganz besonders, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie viele Staaten besonders in Europa zur gleichen Zeit genau solche Entwicklungen durchmachten.

Natürlich wird man ständig daran erinnert, dass der Roman 80 Jahre alt ist. Dazu sind viele Details des alltäglichen Lebens einfach zu verschieden von heute. Aber die politischen und gesellschaftlichen Strukturen, die dem Ganzen zugrunde liegen, ähneln einander. Und auch die Neuerung, dass sich der Präsident direkt und ungefiltert an die Öffentlichkeit wendet, ist erhalten geblieben. Nur nutzte der Präsident damals das Radio, der heutige Twitter.

- Sinclair Lewis: Das ist bei uns nicht möglich. Mit einem Nachwort von Jan Brandt. Aufbau Verlag, Berlin, 442 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3-351-03696-6.

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