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Literatur - "Der zweite Reiter": Krimi aus dem Nachkriegs-Wien

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"Der zweite Reiter": Krimi aus dem Nachkriegs-Wien

09.05.2017, 15:06 Uhr | dpa

Literatur - "Der zweite Reiter": Krimi aus dem Nachkriegs-Wien. Das Cover des Krimis "Der zweite Reiter" von Alex Beer.

Das Cover des Krimis "Der zweite Reiter" von Alex Beer. Foto: Limes Verlag. (Quelle: dpa)

München (dpa) - Es ist das Jahr 1919: Österreich versinkt in Hunger und Elend. Der Krieg hat auch in der Hauptstadt Wien tiefe Spuren hinterlassen, an Mensch und Umfeld. Das ist der Status quo, in dem die in Bregenz geborene Autorin Alex Beer ihren Debütroman "Der zweite Reiter" ansiedelt.

"Der zweite Reiter" bildet den Auftakt einer ungewöhnlichen Krimi-Reihe. Denn während hier Rayonsinspektor August Emmerich diverse Fälle lösen wird, erfährt der Leser viel über eine Zeit, die er selbst nicht miterlebt hat: die schweren Wehen nach dem Ersten Weltkrieg, der aus der zumindest äußerlich glänzenden K.-u.-K.-Monarchie eine verunsicherte Republik gemacht hat, in der Zerstörung, Not und Trostlosigkeit an der Tagesordnung sind.

Dieser düstere Blick in die Vergangenheit wird nicht nur spannend, sondern auch lehrreich sein, denn die studierte Archäologin Beer hat sich für ihre Recherche intensiv mit der Historie ihres Landes und speziell Wiens befasst und so für Authentizität gesorgt. Und wohl auch ein wenig Milieustudie im Kultfilm "Der dritte Mann" (1949) betrieben - auch wenn dieser nach dem Zweiten Weltkrieg, also rund ein Vierteljahrhundert später, angesiedelt ist. Doch allein eine Polizeiaktion in der Wiener Kanalisation weckt Assoziationen.

Und wer will, kann durchaus auch im Titel des Buches eine Anspielung sehen: "Der zweite Reiter" (Apokalypse aus der Offenbarung des Johannes) kommt vor dem "Dritten Mann". Hier also muss sich der kriegsversehrte Inspektor mit Schleppern und Schiebern herumplagen, denn offenbar ist deren "Gewerbe" die beste Möglichkeit, um an Geld, Medikamente und Lebensmittel zu kommen. Die ganze Stadt ist unterwandert von diesem kriminellen Gesindel.

Emmerich, der viel darum geben würde, endlich in die Abteilung "Leib und Leben" (Mordkommission) versetzt zu werden, verfolgt mit seinem Assistenten Winter einen berüchtigten Schleichhändler und findet dabei eine Leiche. Offenbar hat der Mann sich selbst erschossen. Emmerich allerdings glaubt nicht daran und ermittelt gegen den Willen seines Vorgesetzten heimlich weiter. Es wird nicht die einzige Leiche bleiben, die nach Selbsttötung aussieht und nach Mord riecht - und Emmerich in seinem nicht nur instinktgesteuerten Argwohn bestärkt. Er sucht Gemeinsamkeiten und findet sich selbst plötzlich in größter Gefahr.

Damit nicht genug: Sein Vorgesetzter macht ihm das Leben schwer, und seine bis dato glückliche Beziehung bricht auseinander. Hinzu kommt seine schmerzende Kriegsverletzung, die bei seinen Ermittlungen mehr als hinderlich ist. Ja, der Inspektor wird arg gebeutelt vom Schicksal - wie viele Menschen in jenen Jahren. Interessant ist übrigens deren Einstellung zu Drogen. So wurde Heroin vor hundert Jahren durchaus als gängiges Schmerzmittel gehandelt. Das Zeitkolorit, das Elend und der tägliche Kampf der Menschen ums Überleben sind ganz starke Passagen des Romans, die allein schon für Spannung sorgen.

Die Krimi-Story ist auch alles andere als alltäglich, weil sie vor einem recht bizarren Hintergrund abläuft, dem Krieg und seinen Folgen. Ein Indiz dafür ist bereits der Titel des Buches: Der zweite (apokalyptische) Reiter geistert nicht nur durch den Roman, sondern steht auch für Krieg.

Alex Beer hat ein prima Debüt geliefert und viel dafür getan, dass der Rayonsinspektor Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter für weitere Ermittlungen willkommen sind. Nicht zuletzt ist es immer gut, sich angesichts des weltweit wieder erstarkten Nationalismus‘ an eigenes Unrecht der Vergangenheit und die daraus resultierenden verheerenden Kriegsleiden zu erinnern. Und sei es in Form eines bemerkenswert recherchierten Kriminalromans.

- Alex Beer: Der zweite Reiter, Limes Verlag, München, 384 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-8090-2675-4.

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