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Literatur  

Jo Nesbø: Talent zum Schreiben verpflichtet

19.09.2017, 09:20 Uhr | dpa

Literatur - Jo Nesbø: Talent zum Schreiben verpflichtet. Jo Nesbø will vor allem gute Bücher schreiben.

Jo Nesbø will vor allem gute Bücher schreiben. Foto: Britta Pedersen. (Quelle: dpa)

Oslo (dpa) - Jo Nesbø ist einer der erfolgreichsten Krimiautoren Skandinaviens, seine Bücher wurden bisher schon rund 30 Millionen Mal verkauft.

Sein neuester Roman "Durst" ist gerade auf Deutsch erschienen, im Oktober kommt mit "Schneemann" die erste Verfilmung seiner Harry-Hole-Reihe ins Kino. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht Nesbø darüber, wie es ist, wenn die Ideen nur so sprudeln.

Frage: Sie schreiben, Sie machen Musik, Sie verstehen etwas von Börsengeschäften - ist es ein Fluch oder ein Segen, so viele Talente zu haben?

Antwort: Also eine Bürde ist das nicht, und ich bin nicht sicher, dass ich so viel kann. Ich kann Geschichten erzählen, aber das ist wenig konkret, nicht wie Gewichte heben oder ein Hundert-Meter-Lauf. Für mich ist es ein kurzer Weg von der Idee bis zur geschriebenen Geschichte. Wenn ich Musik mache, höre ich sie in meinem Kopf, aber kriege sie nie genauso gespielt. Wenn ich schreibe, merke ich, dass ich der Idee viel näher komme.

Frage: Prasseln die Ideen einfach so auf Sie nieder?

Antwort: Ja, manchmal muss ich mich richtig blockieren. Es ist ziemlich frustrierend, wenn ich so eine Idee, für die ich mich richtig begeistere, genau dann bekomme, wenn ich gerade an einer anderen Geschichte arbeite. Ich bin 57 Jahre alt. Ich weiß, dass ich niemals die Zeit haben werde, all die Geschichten zu schreiben, die ich im Kopf habe.

Frage: War das schon immer so?

Antwort: Eigentlich schon seit ich ein Kind war. Es war immer normal für mich, mir Geschichten auszudenken. Geschichten zu erfinden ist ja eine Methode, Ordnung ins Chaos zu bringen. Als Kind ist man ja häufig verängstigt, und mit einer Geschichte kann man Muster, Zusammenhänge und Bedeutungen schaffen. Und sie enden meistens mit einem Happy End.

Frage: Und dann wurden Sie ausgerechnet Krimiautor. Passt das zusammen?

Antwort: Ich finde, das passt sehr gut zusammen. Ein Krimi beginnt ja mit Furcht und Chaos und endet mit Ordnung und einer Lösung.

Frage: Sind Sie allgemein ein ängstlicher Mensch?

Antwort: Ich habe eigentlich zu viel Fantasie, um nicht ängstlich zu sein. Ich kann zum Beispiel keine Horrorfilme sehen. Neulich habe ich aus Versehen in einen reingeschaltet. Ich habe mich wegdrehen müssen und - die Fernbedienung weit von mir gestreckt - umgeschaltet. Aber die zehn Sekunden waren schon zu viel. Selbst den schlechtesten Horrorfilm kann ich mir nicht anschauen. Aber ich habe keine Angst, im Dunkeln durch einen Park zu gehen. Ich habe mehr Angst vor meiner eigenen Fantasie.

Frage: Harry Hole ist zurück, und er ist immer noch besessen davon, diesen Mörder zu fangen, der ihm durch die Lappen gegangen ist. Kennen Sie auch so eine Besessenheit?

Antwort: Ja, ich kenne das Gefühl, dass man von einer Form von Pflicht angetrieben wird, dass man zu etwas beitragen muss, wenn man ein Talent hat. Harry Hole hat verstanden, dass er besser als andere darin ist, Mörder zu fangen. Auch wenn er dabei keine Freude hat, fühlt er, dass er eine Art Verpflichtung gegenüber der Gruppe hat. Obwohl er ein Außenseiter ist, ist Harry ein Gruppentier. Diese soziale Verpflichtung, etwas beizutragen, in dem wir gut sind, haben - glaube ich - die meisten von uns. Für Harry ist das ein Fluch, weil er seinen Job hasst. Für mich ist das ein Segen, weil ich meinen Job liebe.

Frage: Kommt Ihnen die Harry-Hole-Serie manchmal wie ein zu enges Korsett vor?

Antwort: Ich schreibe die Harry-Hole-Bücher freiwillig und bin nicht dazu gezwungen, um meine Miete bezahlen zu können. Klar habe ich Ideen, die da nicht reinpassen. Deshalb schreibe ich ja auch andere Bücher. Aber ich mag Harry Hole, sowohl den Charakter als auch die Serie. Ich mag dieses Serienformat sehr. Da hat man eine Geschichte, die nicht dem klassischen Aufbau folgt. Wir brauchen einen Bruch mit den traditionellen Formen. Und diese Möglichkeit gibt mir die Harry-Hole-Serie - oder auch wenn ich die Synopse für TV-Serien wie "Occupied" schreibe.

Frage: Im Oktober kommt die erste Verfilmung eines Harry-Hole-Romans ins Kino, "Schneemann". Ist das der Anfang von etwas?

Antwort: Nein, das habe ich hinter mir gelassen. Der Roman ist geschrieben, und daher bin ich fertig mit dem "Schneemann". Ob mehrere Verfilmungen geplant sind, weiß ich nicht.

Frage: Wie wichtig ist Ihnen die Reaktion von Kritikern und Lesern, wenn ein neues Buch herauskommt?

Antwort: Ich lese zwar nicht alle Rezensionen, aber ich finde, man kann eine Menge davon lernen. An dem Tag, an dem man als Schriftsteller an seine eigene Genialität glaubt, hört man auf, gut zu schreiben. Unzufriedenheit ist eine bessere Triebkraft als das Gefühl, sein Können perfektioniert zu haben.

Frage: Haben Sie ein Ziel im Leben?

Antwort: Ja, ich will gute Bücher schreiben. Das ist mein Ziel. Bücher die unterhalten. Wir haben das Bedürfnis, unterhalten zu werden, weil wir neugierig sind. Wir fliegen nicht zum Mond, weil das wichtig für die menschliche Zivilisation ist. Wenn wir ehrlich sind, ist es das Unterhaltungsbedürfnis, das uns zum Mond schickt.

ZUR PERSON: Jo Nesbø (57) war Finanzanalyst und Frontmann einer in Norwegen bekannten Popgruppe, ehe er 1997 mit dem vielfach ausgezeichneten Roman "Der Fledermausmann" seine Krimi-Reihe um den alkoholgefährdeten Mordermittler Harry Hole startete. Bisher erschienen darin elf Bände. Außerdem schreibt Nesbø unter anderem Kinderbücher und hat 2015 eine weitere Serie ("Blood On Snow") eröffnet.

Jo Nesbø: Durst. 624 Seiten. Ullstein Hardcover, 2017. ISBN-10: 3550081723, ISBN-13: 978-3550081729

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