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Endlich auf Deutsch: Debüt von "Stoner"-Autor Williams

19.09.2017, 15:08 Uhr | dpa

Literatur - Endlich auf Deutsch: Debüt von "Stoner"-Autor Williams. Seit dem Erfolg mit "Stoner" werden nach und nach die Werke des Amerikaners John Williams wiederentdeckt.

Seit dem Erfolg mit "Stoner" werden nach und nach die Werke des Amerikaners John Williams wiederentdeckt. Foto: Special Collections-University of Arkansas Libraries/dtv. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Die Literatur von John Williams entspringt einem Trauma. Im Zweiten Weltkrieg in Südostasien als Aufklärungsflieger eingesetzt, kommt der damals gerade einmal Anfang 20-Jährige anders als einige seiner Kameraden bei einem Einsatz gerade so mit dem Leben davon.

Der Tod bringt den jungen Mann aus Texas, der im vergangenen Jahrzehnt postum zum Publikumsliebling avancierte, zum Schreiben.

Williams' Debüt "Nichts als die Nacht", das fast 70 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung nun auf Deutsch vorliegt, kommt als düstere Novelle daher. Die Straßen, Restaurants und Bars in San Francisco sind die halbdunkle Kulisse für das Leben des blassen Arthur Maxley. "Ihn schien eine innere Ruhelosigkeit zu plagen", heißt es einmal über den Studenten, als er ohne Beachtung am Rande eine Party sitzt. Blonde Strähnen, teigige Haut, Brille - das Äußere des Protagonisten gewinnt erst im Laufe des Textes seine Konturen. Williams interessiert von Anfang an eher das Innere.

Der US-Autor macht es seiner Hauptfigur nicht leicht: ein bisschen Boheme, ein bisschen Schmuddel, ein Leben von Tag zu Tag, von Nacht zu Nacht. Doch dann trifft ein Brief seines Vaters ein, den Arthur seit drei Jahren nicht mehr gesehen hat, und dessen Fürsorge sich in beiderseitigem Einverständnis zuletzt auf das regelmäßige Übersenden von Geldschecks beschränkt. Die Kehle wird heiß und trocken, der Atem geht hastig. Er wolle ihn treffen, mit ihm reden, schreibt der alte Maxley. "Warum musste er all das wieder heraufholen", fragt sich der Sohn. "Es ist so lange her, seit ich mich erinnert habe."

Als sie im Restaurant beieinander sitzen, besteht lange kein Bedarf an Worten. Als der Vater seine Rastlosigkeit beklagt (ein schönes Bild: wie ein Flößer, der auf einem sich immer schneller im Wasser drehenden Baumstamm rennen muss, damit er nicht herunterfällt) breitet sich eine gewisse Wärme zwischen den beiden aus. Doch unerwartet erscheint die Freundin des alten Maxley - und löst lange in die Ecke geschobene Gefühle des Sohnes aus.

Dieses Nicht-vergessen-können treibt den jungen Mann fortan vor sich her. Als er einmal verschlafen in seinem unaufgeräumten Zimmer erwacht, sagt er: "Hier sieht es aus wie in meiner Seele." Doch alles, was Arthur im Äußeren tut: Das Innere bleibt Chaos. "Wer könnte das schon, die Seele säubern?" Bald zieht er durch die Stadt, in Bars, schließlich in die Arme einer Frau. Als er sie nach Hause begleitet, bricht seine Vergangenheit mit Gewalt an die Oberfläche.

"Nichts als die Nacht" ist ein Buch in Schwarz-Grau. Williams findet genau die richtigen Orte einer Halbwelt, die dem Gemüt seiner Hauptfigur angemessen sind. Einmal heißt es über einen schmarotzenden Bekannten, seine Augen glichen "Seen aus flüssigem Schmerz". Sprachlich schlägt bei Williams zuweilen das Pathos durch. Doch muss es einem 22-jährigen erlaubt sein, sich auszuprobieren, manchmal über die Stränge zu schlagen. Williams' Novelle ist ein Rohdiamant.

"Nothing but the Night", wie das Werk im Original heißt, ist nach seinem Erscheinen 1948 ein Misserfolg. Wie alle anderen Bücher des späteren Literaturprofessors gerät auch dieses zunächst in Vergessenheit. Williams' Universitäts-Roman "Stoner" wird erst 2006 nach einer Neuauflage zum Bestseller. Seitdem erhalten auch seine anderen Bücher vermehrt Aufmerksamkeit, zuletzt die Übersetzung seines Briefromans "Augustus" über den ersten römischen Kaiser. So erhält Williams (1922-1994) schließlich nach seinem Tod die Lorbeeren, die ihm zeit seines Lebens versagt blieben.

- John Williams: Nichts als die Nacht. dtv, München, 160 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 978-3-423-28129-4.

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