Musik
Daughn Gibson: Grusel-Folk vom Düstermann06.08.2013, 08:07 Uhr | dpa
Berlin (dpa) - All die großen Düstermänner kommen in den Sinn, wenn man die mächtige Baritonstimme von Daughn Gibson hört. Johnny Cash, Lee Hazlewood, Stan Ridgway und Nick Cave haben auf seiner zweiten Soloplatte ihre Spuren hinterlassen.
"Me Moan" (Sub Pop/Cargo) heißt das - unpassenderweise im Hochsommer erschienene - Gothic-Folk-Album, auf dem der Mann aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania (mit bürgerlichem Namen Josh Martin) seinen Tieftöner-Gesang ins Zentrum rückt. Die Musik könnte fast nebensächlich sein, so dominant wirkt Gibsons Desperado-Stimme. Aber insbesondere die hallenden Twang-Gitarren von Jim Ekington und John Baizley sind von so beeindruckender Präsenz, dass man hier nie der One-Man-Show eines allzu selbstbewussten Sängers beiwohnt.
Sein Label Sub Pop sieht in den Songs von Daughn Gibson die musikalische Entsprechung der Romane eines Cormac McCarthy oder der Filme von Robert Altman. Soweit muss man nicht gehen, beide Vergleiche wirken etwas willkürlich gewählt. Gleichwohl haben Lieder wie das elektronisch treibende "Phantom Rider" oder die Neo-Country-Ballade "Franco" lyrische Qualität und cineastische Weite, die gewiss nicht jeder Ex-Trucker, Ex-Lagerarbeiter und Ex-Schlagzeuger (all das war Gibson schonmal) so souverän hinbekommt.
Weitere Höhepunkte dieses wunderbar atmosphärischen Longplayers sind das tieftraurige "Won't You Climb", das lässig-eingängige "Kissin' On The Blacktop" (mit tollem Bottleneck-Solo) und die herrliche Crooner-Schnulze "All My Days Off". Hier darf eine Pedal-Steel-Gitarre mitweinen, andere Songs werden durch Dudelsack, Cello, Kneipenklavier oder Posaune akzentuiert. Dadurch wirkt "Me Moan" weitaus organischer und auch zugänglicher als Gibsons Debüt "All Hell" (2012) mit seinen teils jazzigen Elektronik-Texturen.
Dass der beeindruckende 100-Kilo-Mann mit dem stechenden Blick - ein etwas anderer Filmstar-Typ - trotz schönerer Melodien weiterhin gern den Bürgerschreck gibt, verdeutlicht das Cover-Foto von "Me Moan". Darauf treiben zwei Nackte obszöne Spielchen vor einem rötlich beleuchteten Kirchenaltar. Für den Durchschnitts-Amerikaner dürfte dies eine echte Zumutung sein. Der Rest sollte dem leicht gruseligen Alternative-Folkrock von Daughn Gibson umso mehr Aufmerksamkeit widmen.
06.08.2013, 08:07 Uhr | dpa
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