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Millionen Ideen: "Collection" von Ricardo Tobar

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Millionen Ideen: "Collection" von Ricardo Tobar

12.05.2015, 07:06 Uhr | dpa

Millionen Ideen: "Collection" von Ricardo Tobar. Detailversessener Musikarbeiter: Ricardo Tobar mit seinem zweiten Album "Collection".

Detailversessener Musikarbeiter: Ricardo Tobar mit seinem zweiten Album "Collection". Foto: Cocoon. (Quelle: dpa)

Hamburg (dpa) - Der in Chile geborene und in Frankreich lebende Elektronik-Produzent Ricardo Tobar hat auf dem Frankfurter Cocoon Label sein sehr empfehlenswertes Album "Collection" herausgebracht.

Bereits die ersten Veröffentlichungen von Ricardo Tobar aus den Jahren 2007 und 2008 auf den Labels Border Community und Traum Schallplatten hoben sich mit ihrer eigenwilligen Produktionsweise aus der Masse hervor, die ein "nebenbei Konsumieren" seiner Musik schwierig machte aber trotzdem außerordentlich effektiv in den Clubs funktionierte.

Der Titel-Track "With You" auf seinem Traum-Schallplatten-Debüt überzeugte beispielsweise mit einer souveränen Basslinie, einer einfachen und sägenden Melodie, deren drängender Sound entfernt an verzerrte Gitarren erinnerte und einem selbstvergessenen Break, der dem Hörer aber nur eine kurze Verschnaufpause von dieser atemlosen und rockenden Nummer gönnte. Das war damals eigentlich schon mehr Post Rock beziehungsweise Shoegaze als Tech House und klingt heute noch so frisch wie bereits vor knapp sieben Jahren.

Ricardo Tobar hat in den darauffolgenden Jahren auf verschiedenen Labels seine Ideen elektronischer (Tanz-)Musik weitergesponnen und war schließlich auch mit dem Track "Gambetta" auf der 2014er Cocoon Compilation "N" vertreten. Dort scheinen ihn die Label-Macher liebgewonnen zu haben und geben ihm nun mit seinem Album "Collection" die Möglichkeit, einen recht speziellen Longplayer zu veröffentlichen.

Laut Pressetext bezieht Ricardo seine Inspiration für dieses Album aus dem sogenannten "Post-Punk-Electronic-Movement", also der ganzen experimentierfreudigen Vielfalt der elektronisch orientierten New Wave Bands und Projekte der 80er und 90er Jahre. Zugegeben ein weites und recht nebulös umrissenes Feld, das der Chilene mit seinem zwischen allen Stühlen sitzenden Tracks aber doch wiedererkennbar bedient.

Eine Gemeinsamkeit hat er dabei besonders mit vielen Veröffentlichungen dieses Zeitraums: Ricardo Tobar will nicht unbedingt gefallen und er geht bei seinen Produktionen nicht den einfachsten und bequemsten Weg, ganz im Gegenteil.

Dass es sich um einen Hörgenuss der etwas anderen Art handelt, macht bereits das gerade mal zwei Minuten lange Album-Intro "Pasaje" mit seinen schleifenden Beats und den an My Bloody Valentine erinnernden Gitarrensound deutlich. Beim pulsierenden und auf der Stelle stampfenden Nachfolger "Brittle" kreischt dann erneut bedrohliches (Gitarren-)Feedback, das im letzten Drittel des Tracks unerwartet durch wie zufällig generiert wirkende Synthesizer-Tonsequenzen ergänzt wird. Das passt eigentlich gar nicht, hört sich aber trotzdem gut und stimmig an und lenkt etwas von der eigentlichen Heftigkeit dieses Tracks ab.

Das dritte Stücke "Invierno" ist dagegen schon fast ein lupenreiner New-Wave-Hit, der mit seinen wummernden Bässen und seinem verhallten und verzögerten Gesang an Produktionen von Jake Fairley erinnert. Interessant und typisch auch hier: Der eigentliche Track endet nach knapp vier Minuten und läuft dann noch eine unwirkliche Minute lang mit rückwärts abgespielten Sounds Richtung Nirgendwo aus. Auch eine Möglichkeit, die ursprünglich vermittelte Gefälligkeit und Berechenbarkeit eines Songs kurz vor der Ziellinie zu unterlaufen und den Hörer irritiert auf sein Abspielgerät blicken zu lassen.

Weitere Anspieltipps auf "Collection" sind die Tracks "Angora" und "Blue Mint", die beide im Kern echtes Hitpotenzial haben, aber Schicht für Schicht mit den unendlich vielen Ideen des Produzenten regelrecht überladen und zugekleistert wurden. Das gilt auch für den recht simpel und glückselig beginnenden Track "There Is Pop", bei dem während der fortschreitenden Laufzeit erneut der Eindruck entsteht, Ricardos Computer und Musikmaschinen haben ein ungestümes und wildes Eigenleben, das der Produzent kaum bändigen kann.

Mit "Collection" beweist Ricardo Tobar erneut seine breites musikalisches Wissen und sein Können als Produzent von detailversessenen Tracks jenseits des Mainstreams. Das Album wird auch noch in vielen Jahren als tatsächlich relevanter und hart erarbeiteter musikalischer Beitrag wahrgenommen werden. Cocoon erinnert uns mit diesem außerordentlichen Album daran, für welche Bandbreite der elektronischen Musik das Frankfurter Label tatsächlich steht.

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