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Imany: Sommerhit-Queen mit Tiefgang

31.08.2016, 06:02 Uhr | dpa

Musik - Imany: Sommerhit-Queen mit Tiefgang. Imany hat den Sommer schöner und besser gemacht.

Imany hat den Sommer schöner und besser gemacht. Foto: Maciej Kulczynski. (Quelle: dpa)

Paris (dpa) - 27 Jahre war sie alt, als Imany mit dem Singen anfing. Für viele andere Künstler ist in dem Alter die Karriere schon wieder vorbei. Das gilt nicht für die schöne Französin mit komorischen Wurzeln.

Mit 37 Jahren ist ihr gelungen, wovon viele Musiker ein Leben lang träumen: Clubgänger auf der ganzen Welt tanzten in diesem Sommer zu ihrem Song "Don't Be So Shy" im Remix vom russischen DJ-Duo Filatov & Karas die Nächte durch. Jetzt ist mit "The Wrong Kind Of War" ihr zweites Album erschienen.

Eines Tages als Sängerin ihr Geld zu verdienen, war für Imany lange Zeit unvorstellbar. "Als kleines Mädchen war die Idee, Sängerin zu werden, wie zum Mond zu fliegen", sagt Imany, die eigentlich Nadia Mladjao heißt. Und ihre Biografie liest sich tatsächlich wie eine klassische Cinderella-Story: Mädchen aus einfachen Verhältnissen geht nach New York, um als Model durchzustarten. Als die Jobs ausbleiben, beginnt sie zu kellnern. Inspiriert von Freunden, entscheidet sie, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Und siehe da - der Mond war doch nicht so weit.

Ihre Musik ließe sich in keine Kategorie packen, sagt Imany selbst. Es sei ein bisschen was von allem mit dabei. Sie liebe Bob Dylans Musik, aber auch die Einflüsse von Tracy Chapman und Nina Simone seien wichtig für sie. Das hört man ihrem Album an. Wenn Imany mit ihrer tiefen, melancholisch-eindringlichen Stimme von einer verlorenen Liebe singt, erinnert sie doch sehr an Chapman, die Ende der Achtziger mit "Fast Car" und "Talkin' Bout A Revolution" ihre größten Erfolge feierte.

Und noch eine andere Gemeinsamkeit verbindet Imany mit ihrem Idol. Sie beide haben es sich zum Ziel gemacht, in ihrer Musik die Ungerechtigkeit in der Welt anzuprangern. "In meinem Album geht es um Emanzipation und Freiheit (...). Es geht um die Stärkung von Frauen, um die Stärkung aller Menschen. Ich versuche dieses Thema zur zentralen Fragestellung in allen meinen Songs zu machen."

Und das zeigt Imany auch auf dem Cover ihres Longplayers "The Wrong Kind Of War": Junge, dunkelhäutige Mädchen stehen auf einem Feld vor einfachen Hütten, die meisten hinter einem Stacheldraht. Eines von ihnen blickt selbstbewusst und herausfordernd mit gekreuzten Armen in die Kamera. Sie alle tragen ein geknotetes Kopftuch - genau wie Imany es bei den meisten öffentlichen Auftritten tut.

Beispielhaft für ihren künstlerischen Ansatz ist ihr Lied "Save Our Soul", in dem sie sich - begleitet von choralen Klängen - über die Grausamkeit der Nachrichten beklagt, die tagtäglich über die Medien verbreitet werden. In "There Were Tears" würdigt sie Nelson Mandela und fordert die Hörer auf, seinen Kampf für die Freiheit nicht zu vergessen: "Ihr müsst aufstehen und kämpfen, ohne einfach zu nicken und die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind."

Es scheint nicht viel übrig zu sein von der Sommerhit-Queen, die ihren Durchbruch in Deutschland eingängigem Elektro-Pop zu verdanken hat. Die GfK wählte den Song "Dont Be So Shy" sogar zum Sommerhit des Jahres. Obwohl sich Imany auf ihrem Album musikalisch den ganz großen Themen widmet, schaffte es - neben dem Erfolgs-Remix - auch eine Akustikversion ihres Hits auf den Longplayer.

"Ich habe erst spät mit dem Singen angefangen und hatte nie eine typische Stimme", sagt Imany über sich selbst. "Ich habe schon immer mit dem gearbeitet, was ich habe und das tue ich auch heute noch." Dabei sei es ihr vor allem wichtig, ehrlich zu sein - so wie sie schreibt, so wie sie singt. Und ihre Ehrlichkeit beweist sie auch durch ein ganz besonderes Geständnis: Zuhause tanzt Imany, die mit großen Worten und melancholischer Stimme die Welt ein bisschen besser machen will, zu Popstar Justin Bieber.

Tourdaten: 24.11.16 Köln, Kantine - 25.11.16 Hamburg, Große Freiheit 36 - 26.11.16 Berlin, Columbia-Theater

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