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Spannender Seiltanz: Rachael Yamagata

16.11.2016, 06:03 Uhr | dpa

Musik - Spannender Seiltanz: Rachael Yamagata. .

Gut ausbalanciert: Rachael Yamagata Foto: Frankenfish Records. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Der wohl berühmteste Seiltanz der Geschichte bildet den Hintergrund für das vierte Studioalbum von Rachael Yamagata. Eine Art Seiltanz - zwischen den Polen "rau" und "lieblich" - sind auch die zehn neuen Songs der 39-Jährigen.

Mit dieser Mixtur ist "Tightrope Walker" (Frankenfish Records/Thirty Tigers/Alive) das reifste, beste Werk der in Arlington/Virginia geborenen Sängerin und Pianistin, die vor zwölf Jahren mit ihrem Debüt "Happenstance" in der US-amerikanischen Singer/Songwriter-Szene auftauchte. In teils bedrohlich intensiven Rocksongs wie dem Titelstück, "Nobody" oder "EZ Target" erinnert Yamagata in der ersten Albumhälfte an Vorbilder wie Tom Waits oder Lou Reed, während später ihr edler Folk-, Soul- und Klavier-Pop die Oberhand gewinnt.

Beide Stilrichtungen passen zu dieser überragenden Altstimme, die im Laufe der Jahre immer ausdrucksstärker geworden ist. Zumal die stets einfallsreichen Arrangements mit Streichern, Loops, allerlei Soundeffekten, wuchtigen Drums und markanten Gitarren die Spannung in den zehn neuen Songs noch erhöhen.

Inhaltlich hat sich Yamagata an der Geschichte des französischen Hochseilartisten Philippe Petit orientiert, der 1974 in einem aufsehenerregenden Akt der Subversion zwischen den damals noch existierenden Türmen des New Yorker World Trade Centers hin und her tänzelte. Das Thema wurde literarisch verarbeitet - im wunderbaren Roman "Die große Welt" von Colum McCann -, ein Dokumentarfilm war für den Oscar nominiert, und zuletzt kam der Stoff auch als romantisch angehauchter Spielfilm "The Walk" in die Kinos.

Der Optimismus und Unternehmergeist des ganz in ihrer Nähe wohnenden Petit habe sie inspiriert zu einem neuen kreativen Anlauf nach drei Alben und privaten Veränderungen inklusive Mutterschaft. "Ich habe dadurch meine Kraft voll und ganz wiedergefunden", sagt die Singer/Songwriterin, die bereits mit Ryan Adams, Bright Eyes und Ray Lamontagne zusammengearbeitet hat.

Erstklassige Musiker aus der amerikanischen Indie-Szene halfen ihr gern dabei, ein perfekt klingendes, von lauter starken Liedern geprägtes Album einzuspielen. Wenn sich aus dieser Songsammlung überhaupt etwas hervorheben lässt, dann das mit Southern-Soul-Bläsern gewürzte "Let Me Be Your Girl", die sinnliche, wie für einen Film-Soundtrack geschriebene Pianoballade "I'm Going Back" und der Gospel-hymnische Closer "Money Fame Thunder". Well done, Rachael!

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