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Musik - Die Wucht der Farbe: "I See You" von The xx

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Die Wucht der Farbe: "I See You" von The xx

13.01.2017, 06:02 Uhr | dpa

Musik - Die Wucht der Farbe: "I See You" von The xx. The xx orientieren sich neu.

The xx orientieren sich neu. Foto: Laura Coulson. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Nach Schwarz und Weiß jetzt also spiegelnd Silber. Wer auf das Plattencover des neuen Albums der Indie-Lieblinge von The xx schaut, blickt in die eigenen, verschwommenen Augen. "I See You" heißt das Werk und soll wohl als eine Reflexionsmaschine gelten: Wer sind wir? Und wo wollen wir hin?

Nach dem überwältigenden schwarzen Debüt "xx" vor knapp acht Jahren und dem weißen Nachfolger "Coexist" setzen die Briten mit dem dicken X über der Hülle erneut auf schlichtes Design - und auf Wiedererkennung. Doch diesmal ist etwas anders: Durch die Spiegelung bekommt das Album - je nachdem, wo man steht - richtig Farbe.

Und das merkt man auch am Sound: Mit solcher Wucht hat selten ein Album-Opener die neue Attitüde einer Band eingeleitet. "Dangerous" steuert ohne Vorwarnung auf die Tanzrezeptoren im Ohr - dicker Bass, Fanfaren-Samples und ein Dubstep-Beat, der das Übermorgen schon in sich trägt. "Mich könnte es nicht weniger interessieren, wenn sie uns waghalsig nennen bis sie atemlos sind", singen Romy Madley Croft und ihr Kollege Oliver Sim, während Jamie Smith alias Jamie xx unglaublich mächtig an der Drum Machine tüftelt.

Ähnlich mitreißend ist "I Dare You", das seinen stoischen Clap-Beat wie einen Teppich unter Crofts und Sims Stimmen ausrollt, die hier besonders schnurrend und warm daherkommen. Der Song scheut sich nicht vor Liebesplattitüden ("meine Gefühle müssen entflammt werden") und ist doch neben "Dangerous" eines der Zuckerstücke des Albums.

Schon 2014 hatten The xx eigentlich eine neue Platte in den Startlöchern, doch dann - so erzählt es kürzlich Bassist und Sänger Sim dem "Zeitmagazin" - hätten sie das frustrierende Gefühl gehabt, dass etwas fehlte. "Man will ja raus an die Öffentlichkeit mit der neuen Musik, und es schlägt einem auf die Laune, wenn das nicht so läuft wie geplant." Nichts sollte mehr nach den Anfängen klingen.

Die Anfänge: Da waren The xx noch zu viert. Was sie damals austüftelten, waren atmosphärische Beats untermalt mit Piano oder Orgel - und seinerzeit genau der nüchterne Zeitgeist in Sachen Musikgeschmack. Noch Jahre später bezeichnet der in Indie-Fragen tonangebende "NME" aus Großbritannien das fulminante "xx" als die "großartigste Platte unserer Zeit", die "den Soundtrack zu innerstädtischen Zersiedelungen und nächtlichen Heimfahrten im öffentlichen Verkehr neu definierte".

Der Nachfolger "Coexist" war 2012 schon polierter, strukturierter und mehr auf Erfolg gebürstet. Immerhin sprangen die Londoner damit auf Platz drei der deutschen Charts. Die beiden ersten Alben wurden nach Angaben der Plattenfirma weltweit 2,7 Millionen Mal verkauft.

Nach dem Erfolg von "Coexist" war es um The xx etwas ruhiger geworden, jedes Bandmitglied hatte einiges für sich selbst auf der Agenda: Bassist Sim modelte für die Herrenlinie von Dior und Jamie xx begab sich mit seinem bravourösen "In Colour" auf Solopfade und arbeitete nebenher für R&B-Musiker wie Alicia Keys und Drake sowie das Alterswerk von Soul-Jazzer Gil Scott-Heron.

Die von ihm produzierten Arrangements unterwerfen sich auf "I See You" nun vollends den beiden Sängern. Im wunderbar zurückgenommenen "Performance" etwa zupft und tönt es wie in einer warmen Sommernacht. Im tropfenden "Brave For You" sind Crofts Worte an ihre verstorbenen Eltern voller Hall. Und im sanften letzten Song "Test Me" geht es um die schwierige Phase, durch die die Band in den vergangenen Jahren gehen musste.

Das besondere an der Platte: The xx streifen zuweilen den klassischen Stil ihrer ersten Stunden - ohne ihn jedoch in irgendeiner Art zu kopieren. Das ist wie eine Autofahrt zu neuen Gestaden, bei der man manchmal in den Rückspiegel schauen muss, um zu wissen, wo es hingeht. Reflexion eben. Silbern, glänzend. Und wer weiß: Vielleicht wird die nächste Platte dann golden.

Tourdaten: Hamburg (12.2.), Basel/Schweiz (17.2.), Wien/Österreich (23.2.), München (24.2.), Berlin (25.2.), Frankfurt (26.2.) und Düsseldorf (28.2.)

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