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Musik: Philipp Poisel zeichnet sein eigenes Amerika-Bild

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Musik  

Philipp Poisel zeichnet sein eigenes Amerika-Bild

19.02.2017, 16:46 Uhr | dpa

Musik: Philipp Poisel zeichnet sein eigenes Amerika-Bild. Philipp Poisel ist weite Strecken geflogen und neue Wege gegangen.

Philipp Poisel ist weite Strecken geflogen und neue Wege gegangen. Foto: Britta Pedersen. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Er hat seine Fans lange warten lassen. Sechs Jahre veröffentlichte Philipp Poisel keine neue Musik. Jetzt ist das dritte Studioalbum des schwäbischen Songwriters erschienen.

Zunächst einmal: "Mein Amerika" ist kein typisches Poisel-Album, auch wenn es ganz klar dessen Handschrift trägt. "Das hat auch mit einer Reminiszenz an die 1980er Jahre zu tun", sagt der 33-Jährige. So gibt es weniger Akustisches zu hören. Stattdessen einen voluminösen Bandsound und etwas mehr elektronische Elemente.

War Poisel denn von sich selbst gelangweilt? "Ich wünsche mir auch mal, eine andere Heimat zu haben und nicht nur ewig dieses Wohnzimmer-Ding zu machen", sagt er. Grade mit Blick auf Konzerte wolle er "den Raum, der da ist, füllen". Mit einer lauteren Stimme, mit mehr Gitarren.

Aufgenommen wurden die meisten der zwölf neuen Songs in den berühmten Blackbird Studios in Nashville (Tennessee), wo bereits Poisels Vorbilder wie James Bay oder die Kings of Leon gewirkt haben. Für den Liedermacher, der unter Flugangst leidet, ein großer Traum - aber auch eine besondere Herausforderung. "Ich habe auch einen persönlichen Durchbruch damit verbunden, diesen Schritt zu wagen und so eine lange Distanz im Flieger zurückzulegen."

Das Skelett der Lieder sei bereits vor der Reise entstanden, das Fleisch und Blut dann in Amerika hinzugekommen. Das neue Album handelt vom Land der Mythen und Möglichkeiten, des Aufbruchs und der Freiheit. Es handle vom Amerika seiner Kindheit, so Poisel. Für den Künstler sind die USA nach wie vor ein Sehnsuchtsort, da kann auch der umstrittene neue US-Präsident Donald Trump nicht dran rütteln.

"Mein Amerika-Traum ist unabhängig vom aktuellen Zeitgeschehen", sagt er. Wenn er etwa in dem Lied "Mein Amerika" von dem Land singe, dann nehme er eher die Perspektive eines Vogels ein, "der über dieses Land fliegt, diese Weite und diese machtvolle Natur genießt, bei der man nur demütig werden kann".

Die Freiheit war schon immer ein Thema für Poisel. Der gebürtige Ludwigsburger reiste nach dem Abitur quer durch Europa und verdiente sich Geld als Straßenmusiker. 2008 nahm ihn Herbert Grönemeyer auf seinem Plattenlabel Grönland Records unter Vertrag. Im selben Jahr erscheint das Debüt "Wo fängt der Himmel an". 2011 wurden auch breitere Massen auf Poisel aufmerksam: Sein Album "Bis Nach Toulouse" erhält Platin-Status und mit "Eiserner Steg" liefert er den Song zu Matthias Schweighöfers Film "What A Man". Das Live-Album" "Projekt Seerosenteich" steigt ein Jahr später auf Platz eins der Charts ein.

Wie autobiografisch ist nun "Mein Amerika"? "Die Songs sind wie Polaroids. Aufnahmen von Momenten", erklärt er. Sie handeln oft vom Zwischenmenschlichen, wie etwa in der ersten Single-Auskopplung "Erkläre mir die Liebe". Immer wieder geht es ums Bleiben und ums Gehen. Ums Abschiednehmen und ums Wiedersehen.

Eine nostalgische Erinnerung an die Jugend ist "Zum ersten Mal Nintendo". Das dazugehörige Video ist eine Hommage an Poisels Heimatort Markgröningen bei Ludwigsburg. Wie wichtig ist Heimat für ihn? "Es ist wichtig für mich, um mich auszuruhen." Aber natürlich gebe es noch etwas zwischen geboren werden und sterben. "Wenn man eine Lebensreise macht und am Schluss wieder zurückkommt, dann schließt sich auch ein Kreis."

Warum hat es nun solange gedauert, bis zum neuen Album? Wäre es nach Poisel selbst gegangen, hätte es womöglich noch länger gedauert. Er habe schon einen gewissen Druck verspürt, auch mit dem Termin, erklärt der 33-Jährige. "Ich hätte auch noch fünf weitere Jahre weitertüfteln können." Neu war, dass er diesmal nicht im Alleingang gewirkt hat, sondern mit der Band. "Dazu gehört auch, dass man sich auseinandersetzt und diskutiert."

Manchmal denke er schon wieder an die nächste Platte - "und daran, wie ich es machen würde, wenn ich wieder ganz alleine bin", sagt er. "Ich würde niemanden fragen, wie er irgendwas findet. Ich würde es einfach fertigmachen und servieren."

Tourdaten im März: 27.03. Lingen - Emslandarena, 28.03. Hannover- Tui Arena, 29.03. Hamburg - Barclaycard Arena, 31.03. München - Olympiahalle. Im April wird die Tournee fotrgesetzt.

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