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Stephan Sulke: Songpoet mit ganz viel Charme

20.06.2017, 08:54 Uhr | dpa

Musik - Stephan Sulke: Songpoet mit ganz viel Charme. Von "Uschi" und "Lotte" bis "Marilyn": Stephan Sulke kehrt zurück.

Von "Uschi" und "Lotte" bis "Marilyn": Stephan Sulke kehrt zurück. Foto: Rainer Jensen. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Mit "Uschi (Mach' kein' Quatsch)" hat er einen der witzigsten Songs in deutscher Sprache geschrieben, mit "Lotte" einen der traurigsten. Aber auch Gesellschaftskritisches wie "Die Moral" nahm Stephan Sulke im Laufe einer 50-jährigen Karriere auf.

"Meine Musik war immer eine Mischung aus Sarkasmus, Melancholie und etwas Blödelei", sagt der Sänger und Pianist im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Das neue Album des 73-Jährigen hat wieder diesen ganz speziellen Sulke-Zauber, der ihn für viele zum besten deutschen Songpoeten macht.

"Liebe ist nichts für Anfänger" enthält jede Menge widerständigen Wortwitz, Wehmut und Warmherzigkeit in zwölf Pop-Vignetten, die über drei Minuten oft mehr zu erzählen haben als ganze "Konzeptalben" weniger begabter Liedermacher. Wer Sulke schon in den 70er und 80er Jahren kannte, als der Schweizer Stammgast im Fernsehen und in den Hitparaden war, dürfte mit diesem Comeback gut leben können. Zumal auch hier in "Marilyn" eine sehnsüchtig-sensibel porträtierte Frauenfigur auftaucht.

Jüngere wiederum können einen "coolen" Songwriter entdecken, der in "Eu-Ro-Pa" den Wohlstandsbürgern des Kontinents einen Spiegel vor die Nase hält: "Schau mal, mein brandneues Telefon/Du, und schau mal, wie toll aufgebaut/In Asien für nix, für 'nen Hungerlohn/Bin ich schuld? Du, ich hab's ja nicht geklaut." Sulke weiß, dass er seinem Publikum damit etwas zumutet, aber: "Diese Heuchelei, diese Verlogenheit widern mich an. 'Eu-Ro-Pa' ist einer der zynischsten Songs, die ich je geschrieben habe. Aber ich musste mir das mal vom Herzen schaffen."

In "Edelmetallalter" macht er sich über die Luxusprobleme von Senioren lustig, mit "Blöde" schildert er die Vorteile eines Simpel-Daseins. Das hat etwas von Randy Newmans "Short People", einem ironischen Popsong über Kleinwüchsige, der vor 40 Jahren wegen vermeintlicher politischer Unkorrektheit für Proteste sorgte. "Wenn einer Anstoß nimmt, dann zeigt er nur, dass er das Thema des Songs ist", sagt - ähnlich rigoros wie einst Newman - nun auch Sulke, dem neben weltumarmender Freundlichkeit eine durchaus nicht unsympathische Arroganz zu Eigen ist.

"Mein einziges Werkzeug ist guter Geschmack", sagt der seit langem in Südfrankreich lebende Künstler, der sich ganz unverblümt als konservativ bezeichnet. Und guten Geschmack beweist Sulke auch diesmal in Balladen, die so gar nichts mit Schlagerkitsch auf Herz-Schmerz-Niveau zu tun haben. Etwa "Ich geb' mein Herz nie mehr" oder "Ich brauch' dich sowieso nicht mehr so": Lieder, die mit einigen Jahrzehnten Abstand an jene ungläubige, tief berührende Trauer über den Verlust von "Lotte" anzuknüpfen scheinen. "Ich werd' dir keine Hymne singen/Und werf' auch keinen Rettungsring", heißt es nun trotzig. 

Sulke singt immer noch mit heller, erstaunlich jungenhafter Charmeurstimme, nur im säuseligen "Geburtstagslied" verfällt er in einen onkelhaften Ton. Die ausgefeilten Band-Arrangements kommen ohne modischen Schnickschnack aus - es sind zeitlose, ja aus der Zeit gefallene Sulke-Songs, die seinen Karrierestart als französischsprachiger Chansonnier Steff ebenso spiegeln wie die Erfolgsphase neben Kollegen wie Reinhard Mey und Udo Jürgens.

Bedauert Stephan Sulke eigentlich, nie so ein Mann für die Massen geworden zu sein? "Bereuen tue ich nie etwas - weil es nichts bringt. Für die ganz große Karriere bin ich einfach zu elitär. Ich war nie bereit, mich in die Tiefen der Vulgarität zu begeben oder mich anzubiedern." Und außerdem habe er etwas gegen "dieses grauenhafte Gute-Laune-Formatradio". Da ist sie wieder, diese verschmitzte Hochnäsigkeit. Mit einem Alterswerk wie "Liebe ist nichts für Anfänger" kann Sulke sich das allerdings auch leisten.

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