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Musik - Schweizer Singer-Songwriter: Das raunzige Debüt von Faber

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Musik  

Schweizer Singer-Songwriter: Das raunzige Debüt von Faber

10.07.2017, 06:03 Uhr | dpa

Musik - Schweizer Singer-Songwriter: Das raunzige Debüt von Faber. Julian Pollina ist Faber.

Julian Pollina ist Faber. Foto: Jens Kalaene. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - 24 Jahre alt, Lockenkopf, Leisetreter. Beinah könnte man den Schweizer Singer-Songwriter Faber in einen Topf mit den jungen deutschen Pop-Männern werfen.

Doch wäre man dann schiefgewickelt. "Ich habe mit dieser Musik einfach nichts am Hut", sagt er. Nach zwei kleineren Veröffentlichungen bringt der Zürcher mit "Sei ein Faber im Wind" nun sein Debütalbum heraus.

Es scheint ein Kontrapunkt zu sein, Fähnchen im Wind sind die anderen. Auf dem Plattencover liegt der Sänger ausgestreckt vor einem stocksteifen Schützenverein - inklusive Königin und König. Ein tieferer Sinn? "Ich find's halt megalustig", so seine Antwort. Man könnte aber auch herauslesen: Er ist einer, der nicht ins Bild passt.

Seit Wochen erhält Julian Pollina, wie Faber eigentlich heißt, viele Lorbeeren. Vergleiche werden gezogen zu Nick Cave und Hildegard Knef, Leonard Cohen oder Pete Doherty. Recht haben sie irgendwie alle, denn seinen Songs wohnt genau diese leicht melancholische Härte inne. Er mäandert zwischen Polka, italienischen und französischen Chansons, Folk und Pop. Und was für eine Stimme! Sie klingt nach warmem Rauch und Asphaltflechte.

Auf seinem Album hat Faber einen beinahe zynischen Blick auf die Welt. "Wenn es mir schlecht geht, seh' ich gern, dass es euch schlechter geht", singt er in "Wer nicht schwimmen kann, der taucht" - seiner Deutung eines Strandurlaubs am All-Inclusive-Buffet im Lichte der Flüchtlingspolitik. "Ich schaue euren Schlauchbooten beim Kentern zu / Im Liegestuhl am Swimmingpool am Mittelmeer / Kratz mich am Bart, kratz mich am Bauch / Wer nicht schwimmen kann, der taucht."

Seinen Liedern liegt meist etwas Todtrauriges zugrunde. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur umreißt Faber selbst das Dreigestirn seiner Songs: Liebe, Drama und Politik. "Wenn du dann am Boden bist, weißt du, wo du hingehörst", zitiert er im Gespräch einen Song - und wirft schelmisch hinterher: "Das versprüht doch ordentlich Optimismus." Oder im Schweizer Einschlag, der sich nur zuweilen herausstiehlt: "Das ist doch aufgestellte Musik!"

Gerade mit Blick auf Fabers Wortwahl fühlt sich der eine oder die andere sicherlich vor den Kopf gestoßen. Denn ein Blatt vor den Mund nimmt er wahrlich nicht: "Jeder Jäger träumt von einem Reh, / Jeder Winter träumt vom Schnee, / Jede Theke träumt von einem Bier. / Warum, du Nutte, träumst du nicht von mir?", singt er etwa im Trennungssong "Sei ein Faber im Wind" - und gerät damit mitten hinein in die Debatte um Sexismus im Pop.

Ähnlich wie vor wenigen Wochen beim Kraftklub-Song "Dein Lied" muss auch Faber derzeit häufiger seine Ausdrücke erklären. Die Frage ist ja berechtigt, warum er unbedingt Begriffe nutzen muss, von denen sich Menschen angegriffen fühlen könnten. "Wenn du nur 'du Nutte' liest, ist das natürlich sehr fraglich, was das jetzt soll", sagt er dann. Doch im Kontext des Songs solle es ja gerade auch verletzend sein. Der Umschlag von Enttäuschung in Gemeinheit.

Genau hier zeigt sich ein wahrscheinlich unlösbarer Zwiespalt im Deutsch-Pop: Auf der einen Seite gibt es die Wohlfühl-Musik der Max Giesingers und Tim Bendzkos, die zuletzt Jan Böhmermann mit einem Satire-Song durch den Kakao zog. Ohne Ecken, sensibel, erfolgreich - und ein wenig fad. Auf der anderen Seite steht das prollig-warme Geraune eines Faber, der Buchstaben verschluckt und eben auch Sätze singt, die sonst jede Unterhaltung sofort zum Stillstand bringen würden.

Dass das vermeintlich Subversive stellenweise in pubertierende Plattheiten umschlägt - sei's drum. Witzig ist es schon, wenn er in "Wem du's heute kannst besorgen" erst singt: "Ich glaub ich spinn', wenn ich dich heute Nacht nicht ...", um dann nach dem abgebrochenen Satz lüstern-laut die Luft durch die Zähne zu ziehen. Was anderes ist Fabers Sound allemal. Ein Kontrapunkt eben. Oder wie er es selbst formuliert: "Ich mach ja keine Biergartenmusik."

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