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Interview mit Alf Ator von Knorkator

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Interview mit Alf Ator von Knorkator

20.09.2011, 11:27 Uhr | Lars Schmidt, t-online.de

Interview mit Alf Ator von Knorkator. Knorkator (Quelle: Promo)

Knorkator (Quelle: Promo)

t-online.de: "2008 das Ende, jetzt nach drei Jahren das Comeback. Brauchtet ihr wieder Geld?"

Alf Ator: "Geld brauchen wir immer. Es gab klare Gründe weswegen es uns eine Zeit lang nicht geben sollte und diese Gründe sind jetzt wieder weg, deswegen sind wir wieder da. Gründe fürs Wegsein: Wenn wir weitergemacht hätten, wäre das nächste Album deutlich schlechter ausgefallen als wir es gerne hätten. Es schien alles gesagt, was wir je sagen wollten. Und eins war auch klar: Wenn wir wieder zurückkommen, dann nur mit einem richtig guten Album. Nur für eine Tour hätten wir kein Comeback gestartet. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, wo wir 13 neue und gute Songs für ein Album zusammen hatten."

t-online.de: "Was hat euch während dieser drei Jahre am meisten gefehlt?"

Alf Ator: "Die Festivals. Aber wenn die Sonne scheint. Popstars kommen mit Sonnenbrille und Oma-Rolli-Koffer aus dem Nightliner. Überall wichtige Leute mit Handys. Gabelstapler fahren rum. Ich liebe das."

t-online.de: "Wie würdest du euer Verhältnis in der Band beschreiben? Geschäftlich, freundschaftlich, familiär?"

Alf Ator: "Es ist ein Arrangement auf der Grundlage von Hass. (lacht) Nee, war immer ein gutes Verhältnis. Auch bei der Trennung. Wir haben uns nie die Köppe eingeschlagen."

t-online.de: "Ihr schreibt 'Obwohl unsere Musik nachweislich zur besten gehört, haben unsere Alben den Nachteil, dass Knorkator draufsteht'. Ist euer Ruf so versaut?"

Alf Ator: "Ja. Wir sind nun mal sehr bekannt. Das heißt, viele kennen den Namen Knorkator. Aber nur die wenigsten verbinden ihn mit guter Musik. Leute die uns anfragen, interessieren sich eher für das absolute Anarcho-Image."

t-online.de: "Die sehen euch noch im Flokati beim Grand Prix rumspringen."

Alf Ator: "Genau. Die würden uns fragen, ob wir in einer TV-Show ein Duett mit Dolly Buster singen würden, während wir uns gegenseitig Würste in den Arsch schieben. Das wollen wir aber nicht. Wir wollen Musik machen. Daran müssen wir noch arbeiten."

t-online.de: "Der Auftritt beim Grand Prix wirkt also immer noch nach?"

Alf Ator: "Ja. Aber wir haben uns ja selber so präsentiert. Wir wollten ja keine biederen Musiker sein. Wir wollten zeigen, dass wir über uns selber und alles lachen können und dabei extremen Spaß haben. Was man aber akzeptieren muss: Die meisten Menschen brauchen Schubladen. Und wenn jemand lustig ist, gibt es die Schublade Comedy. Und automatisch ist man in einer Schublade mit Leuten, die ich verachte. Wenn ich im Fernsehen Comedy höre, schalte ich ab. Umso schwerer ist es natürlich zu akzeptieren, von vielen Leute in genau dieses Schublade gesteckt zu werden. Deswegen muss man dagegen arbeiten. Zum Beispiel in solchen Interviews."

t-online.de: "Stellt ihr mittlerweile eine andere Art des Umgangs der Medien mit euch fest? Oder seid ihr für viele immer noch die Chaotentruppe, die ihre Instrumente zerstört oder Gemüse ins Publikum wirft?

Alf Ator: "Wir haben ja immer nur Anfragen bekommen, wenn es um Scheiße machen ging. Zum Thema Musik wurden wir nie eingeladen. Deshalb haben wir relativ schnell damit aufgehört in solche Shows zu gehen. Und damit erlosch dann auch das Medieninteresse."

t-online.de: "Das neue Album kommt ganz ohne Fäkalhumor aus, überzeugt aber wieder mit viel Wortwitz und Komik. Wie entstehen eure Texte?"

Alf Ator: "Es geht um einen Gedanken. Ich brauche eine Idee, welchen Gedanken ich in die Welt tragen will, von dem ich der Meinung bin, dass er noch nicht gut genug formuliert wurde. Es muss was rationales sein, was greifbares. Wenn man das mit einen Slogan verbinden kann, den man gut mitgrölen kann und dann noch eine passende Melodie da ist, ergibt das eine Art Kernschmelze aus der ein Song entsteht. Dieser Prozess geht manchmal schnell, kann aber auch Jahre dauern. Deshalb gibt es vor einem Album auch keine konkreten Inhaltsvorgaben. Es kommen Texte-Ideen und die müssen abgearbeitet werden. Früher gab's eben viele Ideen über Fäkalhumor und es macht ja auch Spaß darüber zu singen. Aber irgendwann ist es auch wieder gut. Ich würde mich ja bescheuert fühlen einen Song zu machen, der heißen würde „Ich will nur ficken Teil 2“. Das funktioniert beim Film. Aber nicht bei uns. Ich kann nur innerhalb eines Rahmens, der Knorkator heißt, eine Grundidee bedienen. Nämlich: Wir sehen das anders."

t-online.de: "Muss Knorkator immer lustig sein?"

Alf Ator: "Nee, das ist einfach unser Grundinteresse. Wenn ich schreibe „Ich will ficken“, dann, weil ich tief in meinem Herzen der Meinung bin, das mal so zu formulieren. Das musste einfach mal gesagt werden! Man könnte in dieser Zeit sicher auch Lieder gegen Atomkraft oder gegen Banken oder so machen, aber die Themen hängen mir zum Hals raus und deswegen passiert das nicht. Es hört sich zwar immer Scheiße an wenn man sagt, wir machen ehrlich Musik. Aber irgendwie ist das schon der Punkt."

t-online.de: "Ihr seid ja auch nicht mehr die Jüngsten. Wie lange wollt ihr noch in ulkigen Kostümen über die Bühne hopsen und Lieder wie „Ich will nur ficken“ singen?"

Alf Ator: "Weniger. Als wir mit Knorkator anfingen waren wir ja auch schon um die 30 und die Sturm-und-Drangzeit vorbei. Aber als ich 20 war, habe ich viel bravere Musik gemacht, so dass ich mit Knorkator begann, das Gegenteil davon abzuarbeiten. Und noch heute macht es uns einen riesigen Spaß, Songs wie „Ich will nur ficken“ oder „Mich verfolgt meine eigene Scheiße“ voller Inbrunst zu spielen. Das sind wunderschöne Lieder."

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t-online.de: "Warum sollte man zu einem Knorkator-Konzert gehen?"

Alf Ator: "Man sollte zu Knorkator gehen, weil Knorkator die letzte wirkliche Bastion von inhaltsreicher Musik in diesem Land ist. Wenn man sich für Musik interessiert und Lust hat auf etwas zu stehen, was auch noch in hundert Jahren Bestand hat, wenn nicht sogar tiefgreifenden Einfluss auf alles was sonst so passiert, dann sollte man jetzt eine der letzten Möglichkeiten - wer weiß wie lange wir noch auf der Bühne stehen können – nutzen. Außerdem: Wer weiß, wie lange Stumpen noch mit dieser hohen Falsettstimme singen kann. Und gerade wenn es hart auf hart kommt und die Zeiten schwer werden, dann ist es gut, sich im Vorfeld den Geist durch gute Musik so geöffnet zu haben, dass man die Welt so sieht wie sie ist. Alle andere Musik lullt ja nur ein – wie Schmerzmittel. Wir sind eher das Skalpell, das die Krankheit aus dem Körper schneidet."

t-online.de: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Lars Schmidt.

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