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Sex-Pistols-Andenken sollen verbrannt werden

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Protest gegen Punk-Nostalgie  

Sex-Pistols-Andenken sollen verbrannt werden

24.11.2016, 17:32 Uhr | dpa

Sex-Pistols-Andenken sollen verbrannt werden. Die Sex Pistols: Werden Sammelstücke der Punkband im Wert von fünf  Millionen Pfund ein Raub der Flammen? (Quelle: Imago Ifi)

Die Sex Pistols: Werden Sammelstücke der Punkband im Wert von fünf Millionen Pfund ein Raub der Flammen? (Quelle: Imago Ifi)

Gehört der Punk ins Museum, um ihn zu ehren? Nein, findet Joe Corré, der Sohn des 2010 verstorbenen Sex-Pistols-Managers Malcolm McLaren und der Modeschöpferin Vivienne Westwood (75). Stattdessen will er Erinnerungsstücke an die britische Punk-Band verbrennen. "Punk ist tot", erklärt er.

Es soll eine Protestaktion werden, so Joe Corré. Denn dass Museen, Galerien und Bibliotheken in diesem Jahr das 40-jährige Jubiläum der anarchische Punk-Hymne "Anarchy in the UK" der Sex Pistols feiern, sei eine pure Verhöhnung der Punk-Kultur.

Sammlung ist fünf Millionen Pfund wert

Deshalb soll am Samstag (26. November) auf den Tag genau 40 Jahre nach der Veröffentlichung von "Anarchy in the UK", seine Sammlung an Erinnerungsstücken ein Raub der Flammen werden. Laut Corré ist die fünf Millionen Britische Pfund wert (umgerechnet knapp sechs Millionen Euro).

Foto-Serie mit 15 Bildern

Mit der Sammlung könnte man ein komplettes Museum über die Sex Pistols bestücken: Latexkleider, ein Türgriff mit pinkem Logo "Sex 430", Test-Schallplatten der ehemaligen Punkband und noch viel mehr. "Ich habe alles behalten", sagte Joe Corré. "Aber ich werde alles verbrennen."

Punk sei zum "Museums-Ausstellungsstück verkommen"

Er müsse einfach gegen die Jubiläumsfeier protestieren, sagte er dem "Guardian", sonst hätten alle nur erzählt, wie "cool" alles damals gewesen sei, und Menschen, denen die Punk-Ideen weiterhin wichtig seien, hätten sich verraten gefühlt. "Wir leben in einem Zeitalter der Konformität. Diese Klamotten zu verbrennen zeigt, dass wir uns dagegen stellen." Anstatt einer Bewegung für Veränderung sei der Punk "zu einem verdammten Museums-Ausstellungsstück verkommen", klagte er.

Dass sogar die Queen ihren "Segen" für die Konzerte, Ausstellungen, Filme und Diskussionen gegeben hat, sei das "Furchterregendste", was Corré je gehört habe.

Beim Buckingham Palast weiß man derweil nichts von einer offiziellen Unterstützung der Jubiläumsfeierlichkeiten durch die Queen. Im Musikmagazin "NME" schränkte Corré ein: "Ich sage nicht, dass die Queen persönlich was damit zu tun hat, das weiß ich nicht. Wenn ich von der Queen spreche, dann meine ich das Establishment."

Lotto-Gesellschaft sponsert Punk-Ausstellungen

Alles andere wäre eine große Überraschung gewesen, machten die Sex Pistols nicht zuletzt mit Provokationen gegenüber dem britischen Königshaus Furore. In ihrem 1977 veröffentlichten Song "God Save the Queen" unterstellten sie der Queen, sie führe ein "faschistisches Regime" und hinterfragten, ob sie überhaupt menschlich sei.

Gesponsert werden die Events jedenfalls mit 99.000 Pfund (116.000 Euro) aus Einnahmen von Lotterielos-Verkäufen, dem Heritage Lottery Fund, der vor allem Projekte zur Förderung des Kulturerbes unterstützt. Auch der Londoner Bürgermeister sicherte seine Unterstützung zu.

Sammlung verkaufen, statt verbrennen

Corré findet das scheinheilig, wie er "NME" sagte: "Es wird vergessen, dass die Leute in den 1970ern Punkrocker gehasst haben - sie waren der Staatsfeind Nummer eins. Als ich ein kleines Kind war, haben mir erwachsene Männer ins Gesicht gespuckt, weil ich mich wie ein Punkrocker angezogen habe."

Kritiker werfen Corré vor, er handle in pubertärer Zerstörungswut und Sucht nach Aufmerksamkeit. Er solle die Sammlung lieber zugunsten eines guten Zwecks verkaufen, anstatt sie zu verbrennen, riet eine "Guardian"-Autorin. Ganz unzugänglich war Corré der Kritik gegenüber nicht. Berichten zufolge versuchte er, eine Test-Schallplatte auf Ebay zu verkaufen. Weil die Gebote aber nicht wie erhofft eine Million Britische Pfund erreichten, verbrannte sie Corré Anfang der Woche schon einmal als Vorgeschmack auf die Aktion am Samstag.

Sein Vater würde die Verbrennung unterstützen, glaubt Corré. Seine Mutter, Vivienne Westwood, werde dabei sein und sich selbst äußern, kündigte er an.

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