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David Bowie bleibt ein Popkultur-Phänomen

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Musik  

Das Popkultur-Phänomen David Bowie

07.01.2017, 10:00 Uhr | dpa

David Bowie bleibt ein Popkultur-Phänomen. Wandgemälde von David Bowie in Brixton in London.

Wandgemälde von David Bowie in Brixton in London. Foto: Wolfram Kastl. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - An Weihnachten starb mit gerade mal 53 Jahren der begnadete Popsänger George Michael. Davor betrauerten die Musikfans den großen Singer-Songwriter Leonard Cohen (†82), das Funkrock-Genie Prince (†57), den sympathischen Jazz-Entertainer Roger Cicero (†45) und den Eagles-Frontmann Glenn Frey (†67).

Der größte Schock in einem Jahr voller schmerzlicher Verluste war 2016 jedoch der Tod von David Bowie am 10. Januar - nur zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag. An diesem Sonntag (8. Januar) wäre der Superstar 70 Jahre alt geworden.

"Es tut mir sehr leid und ich bin sehr traurig, sagen zu müssen, dass es wahr ist", mit diesem Satz von Bowies Sohn Duncan Jones über Twitter wurde es am Morgen des 11. Januar zur traurigen Gewissheit: Völlig überraschend war einer der wichtigsten Musiker der Popgeschichte gestorben - an Krebs, wie sich bald herausstellte. Weltweit drückten Verehrer ihre Erschütterung aus. In Bowies Geburtsstadt London, seiner 70er-Jahre-Zuflucht Berlin und der Wahlheimat New York türmten sich binnen weniger Stunden an Gedächtnisorten Blumen, Geschenke und Trauerbriefe.

Sein Rang für die Rockmusik kann kaum hoch genug eingeschätzt werden, viele Experten sehen ihn als Universalgenie der Popkultur. "Bowie ist einer dieser ganz wenigen Künstler mit riesigem Potenzial und zugleich enormem Charisma", sagte der Journalist und Buchautor Tobias Rüther im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Kenner von Bowies Berlin-Phase (1976 bis 1978) beschreibt ihn als Multitalent - "musikalisch und visuell, die Bühnenperformance, die Schauspielerei. Das alles war mehr als nur Rock 'n' Roll." Mit seiner Vielseitigkeit sei Bowie Vorreiter für andere Popmusiker gewesen, die in den unterschiedlichsten künstlerischen Sparten unterwegs sind.

Geboren wurde Bowie am 8. Januar 1947 als David Robert Jones im Londoner Stadtteil Brixton. Nach offizieller Zählung veröffentlichte er rund 25 Alben - vom selbstbetitelten Debüt-Flop im Flower-Power-Jahr 1967 bis zum monumentalen Schlussakkord "Blackstar" von 2016, das im Dezember die meisten Jahresbestenlisten der Musikkritiker anführte. Bowie soll schon zu Lebzeiten etwa 140 Millionen Tonträger verkauft haben, er galt damit als einer der weltweit erfolgreichsten Popstars - und als einer der reichsten.

Der Durchbruch gelang dem damals noch wuschelköpfigen jungen Briten mit den verschiedenfarbigen Augen 1969: Das Folk-nahe Album "Space Oddity" und der anrührende Titelsong über den fiktiven Astronauten Major Tom ließen zumindest die Pop-Nation Großbritannien erstmals aufhorchen. Danach prägte Bowie mit Platten wie "Hunky Dory" und "The Rise And The Fall Of Ziggy Stardust" den Glamrock, der Anfang der 70er Jahre schrill mit Geschlechterklischees spielte.

In diese Dekade fiel auch seine kreativste Phase, mit stilbildenden Platten wie der Soul-Adaption "Young Americans", dem Rock-Klassiker "Station To Station", den in Berlin aufgenommenen kühl-modernen Klanggemälden "Low" und "Heroes". Das teilweise auch auf Deutsch gesungene Lied "Heroes" - inspiriert durch Eindrücke aus der damaligen Mauerstadt - ist Bowies unsterbliche Hymne an Berlin. Dessen Bürger verehren ihn heute mehr denn je. "Er kam in einer sehr grauen Zeit, als diese Stadt im Kalten Krieg quasi eingekeilt war", sagt Rüther. "Und er hat gezeigt, was man aus Berlin machen kann."

In den 80ern wurde Bowie mit dem Funk- und Blues-Album "Let's Dance" vom Kritikerliebling zum Megastar, der weltweit Stadien füllte. Danach versuchte er sich etwas ziellos in wechselnden Genres, ehe ein Herzinfarkt ihn 2003 gesundheitlich aus der Bahn warf. Er zog sich in seine Wahlheimat New York zurück, wo er zusammen mit seiner zweiten Frau Iman Abdulmajid und der im Jahr 2000 geborenen Tochter Alexandra die Anonymität der Millionenmetropole genoss.

Jahrelang war wenig von Bowie zu sehen und zu hören, bis der 66-Jährige 2013 mit der Comeback-Platte "The Next Day" und der melancholischen Berlin-Ballade "Where Are We Now?" an frühere Erfolge anknüpfen konnte. Bowie trat zwar nicht mehr live auf und gab keine Interviews, war aber weiter musikalisch aktiv. So verknüpfte er alte und neue Lieder zu dem kurz vor seinem Tod in New York uraufgeführten Musical "Lazarus". Und er schuf einen letzten Karriere-Höhepunkt mit "Blackstar", einem kühnen Album zwischen Rock, Jazz und Avantgarde.

Als "tiefgreifende Erfahrung" bezeichnete "Blackstar"-Musiker Donny McCaslin im dpa-Interview die Mitwirkung an diesem finalen Meisterwerk. Für den 50-jährigen Jazz-Saxofonisten war Bowie "ein Künstler, der (...) keine Angst davor hatte, Risiken einzugehen. Er hat die Grenzen gesprengt und sein Publikum mitgenommen. Die Qualität seiner Arbeit wird Generationen überdauern."

Dies gilt vor allem für seine Musik, obwohl Bowie auch Erfolge beim Film ("Der Mann, der vom Himmel fiel", "Merry Christmas, Mr Lawrence", "Basquiat") und am Theater ("Der Elefantenmensch") hatte. Als erstem Popkünstler wurde ihm eine Museums-Retrospektive gewidmet. Die Werkschau "David Bowie is..." im Londoner Victoria and Albert Museum (2013) stellte seinen großen Einfluss auch auf Videos, Mode, Kunst und Kultur heraus. Sie wurde danach unter anderem in Berlin, Paris und Melbourne gezeigt und lockte über eine Million Menschen an.

Bowie war auch bei der Vermarktung seiner Kunst ein Vorreiter. So ging er 1997 als erster Rockmusiker mit einem Katalog seiner Songs erfolgreich an die Börse in New York. In den musikalisch für ihn ansonsten eher unbedeutenden 90er Jahren sammelte er enthusiastisch und kenntnisreich Bildende Kunst, die im November beim Londoner Auktionshaus Sotheby's zu Rekordpreisen versteigert wurde.

In den Monaten nach Bowies Tod hat die kommerzielle Auswertung seiner Musik mit Nachlass-Veröffentlichungen und Best-of-Kompilationen bereits Fahrt aufgenommen. Der Berliner Experte Rüther kann sich vorstellen, dass noch unverhoffte Schätze gehoben werden: "Bowie hat es ja bis zum Schluss geschafft, einen zu überraschen."

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