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Musik  

Die erstaunliche Karriere von Chance the Rapper

13.02.2017, 10:16 Uhr | dpa

Musik: Die erstaunliche Karriere von Chance the Rapper. Chance the Rapper bei den Grammy Awards im Staples Center.

Chance the Rapper bei den Grammy Awards im Staples Center. Foto: Matt Sayles. (Quelle: dpa)

Los Angeles (dpa) - In seinem Song "Blessings" singt Chance the Rapper über die guten Dinge, die in seinem Leben passiert sind. Dazu kann er jetzt auch drei Grammy-Awards zählen.

In der Nacht zum Montag gewann der 23-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Chancelor Bennett heißt, unter anderem in der Kategorie bester neuer Künstler - und folgt damit unter anderem auf Mariah Carey, Christina Aguilera, John Legend und die Beatles. "Ich möchte den Preis ganz Chicago widmen. Und ich nehme den Sieg im Namen des Herren entgegen", sagte er bei der Gala in Los Angeles.

Darüber hinaus wurde Bennett in der Kategorie beste Rap-Performance ausgezeichnet, sein Album "Coloring Book" wurde zum besten Rap-Album gekürt. Es war das erste Album auf der Nominierten-Liste der Grammys wie auch in den "Billboard"-Charts, das nur online veröffentlicht wurde. Gerüchten zufolge soll der Erfolg von "Coloring Book" die Grammy-Organisatoren erst dazu veranlasst haben, beim diesjährigen Wettbewerb erstmals Online-Alben zuzulassen.

In vielerlei Hinsicht war Chancelor Bennett ein typischer Teenager aus der Mittelklasse Chicagos: Tagsüber ging er in die Schule, am Abend sang er bei Open-Mic-Veranstaltungen und probte mit seiner Band. Eher untypisch war der Beruf seines Vaters, der als Berater für Barack Obama arbeitete, als der spätere US-Präsident noch Senator in Illinois war.

Bennett hat das Weiße Haus schon drei Mal besucht - unter anderem als Gast bei Obamas letztem Staatsdinner im Oktober. Der Ex-Präsident hat Bennett als einen seiner Lieblingskünstler bezeichnet, und Obamas ältere Tochter Malia wurde im vergangenen Sommer mit Bennetts Bruder bei einem Konzert gesichtet. Umgekehrt brachte Bennett erst kürzlich eine Mode-Kollektion mit dem Namen "#ThanksObama" heraus, wozu auch ein T-Shirt mit Malias Namen gehört.

Für seine Musik zählte allerdings weniger sein Kontakt zum Weißen Haus als Bennetts Mentor Kanye West. Bennett wirkte bei Wests Album "Life of Pablo" mit und schrieb an fünf seiner Songs mit.

West hat Bennett zu Fernsehauftritten mitgenommen und ihm angeblich sogar einen Plattenvertrag angeboten, den das Nachwuchstalent abgelehnt haben soll. Der 39-jährige Rap-Superstar wirkte auch bei "Coloring Book" mit und dankte Bennett auf Twitter für die Ehre. "Mein Bruder Chance!!! Danke, dass ich an diesem Meisterwerk mitarbeiten durfte. Einer meiner liebsten Menschen", schrieb West an seine 27 Millionen Follower.

Seine Verbindung mit West hat Chance in der Rap-Szene bekannt gemacht, aber sein Geschäftsmodell hat in der ganzen Musikbranche Wellen geschlagen. Seine Musiker-Karriere startete 2012 mit dem Mixtape "10 Days", das er während einer Suspendierung vom Schulunterricht aufgenommen hatte. Seitdem hat er eine Menge Geld verdient, ohne jemals einen Vertrag mit einer Plattenfirma gehabt zu haben oder seine Musik verkaufen zu müssen.

"10 Days" sowie seine späteren Alben "Acid Rap" und "Coloring Book" können alle gratis auf seiner Webseite heruntergeladen werden. "Irgendwie finde ich, dass es nicht mehr zeitgemäß ist zu versuchen, in ein Album "zum Verkauf" hineinzupassen", sagte er dem US-Fernsehmoderator Jimmy Fallon. Stattdessen verdient der Rapper sein Geld mit Auftritten und dem Verkauf von Werbeprodukten wie Mützen, Hoodies und Aufklebern auf seiner Webseite. Seine ungewöhnlichen Geschäftsstrategien hätten manch anderen Künstler wohl in den Bankrott getrieben.

Als er entdeckte, dass Wiederverkäufer überhöhte Preise für die Tickets zu seinem ausverkauften "Magnificent Coloring Day"-Musikfestival in Chicago verlangten, kaufte er mehr als 2000 davon wieder zurück, um sie anschließend selbst online zu verkaufen. "Ich habe die Tickets von den Schwarzmarkthändlern zurückgeholt", schrieb Chance the Rapper auf Twitter. Die Veranstaltung war wieder ausverkauft.

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