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Westernhagen: "Ich muss auf meinem Weg bleiben"

06.04.2017, 14:16 Uhr | dpa

Musik - Westernhagen: "Ich muss auf meinem Weg bleiben". Marius Müller-Westernhagen geht es um Wahrhaftigkeit.

Marius Müller-Westernhagen geht es um Wahrhaftigkeit. Foto: Britta Pedersen. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Ehrung für eine beispiellose Musikerkarriere: Bei der Echo-Gala wird Rockmusiker Marius Müller-Westernhagen an diesem Donnerstag in Berlin für sein Lebenswerk geehrt.

Ab einem gewissen Alter müsse man mit solchen Preisen rechnen, sagt der 67-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Fühlen Sie sich nicht ein bisschen komisch, schon jetzt für Ihr Lebenswerk geehrt zu werden?

Antwort: Ab einem gewissen Alter kommt man dafür nun mal in Frage. Es bedeutet aber auf keinen Fall, dass damit für mich etwas zum Abschluss gelangt.

Frage: Sie könnten sich jetzt entspannt zurücklehnen. Was treibt Sie an?

Antwort: Antreiben ist das richtige Wort. Künstler müssen getrieben auf der Suche nach etwas sein, was sie als perfekt ansehen. Und sie müssen die Realität reflektieren. Wir sind die Hofnarren, die der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Wir haben auch eine pädagogische Aufgabe, wir können Leute aufklären und zum Nachdenken bringen. Das hat sehr viel zu tun mit Liebe und Empathie für die Menschen, die bereit sind, mir zuzuhören.

Frage: Wenn Sie von der Bühne aus in das Publikum schauen - wen sehen Sie da?

Antwort: Das geht durch alle Generationen und sozialen Schichten, und die versucht man untereinander zu solidarisieren. Natürlich kann ich mich diesen Menschen gegenüber nur so ausdrücken, wie es meinem Erfahrungsschatz entspricht. Ich setze mich jetzt nicht hin und schreibe Songs für 14-Jährige. Ich kann nur nach meinen Überzeugungen handeln. Frage: Sie gehen im August wieder auf Tournee. Die nennt sich "MTV Unplugged Tour" und hat das Motto "Zurück auf die Straße"... Antwort: Das geht auf den "Unplugged"-Auftritt letztes Jahr in der Berliner Volksbühne zurück. Wir wollen mit der Show von damals jetzt noch einmal auf Tour gehen. Aber es geht nicht mehr in Fußballstadien. Der größte Platz ist die Berliner Waldbühne, die sehr intim ist. Dort habe ich zuletzt Neil Young gesehen, das klingt sehr gut da.

Frage: Sie haben sich seinerzeit für den späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) engagiert. Würden Sie so etwas noch einmal machen?

Antwort: Ich würde mich nicht wieder so in die Nähe zur Macht begeben, obwohl das eine unglaubliche Erfahrung war: zu sehen, was in der Politik Marketing ist und was wirklich passiert. Aber für eine gute Idee engagiere ich mich jederzeit. Denn die Probleme muss man an der Wurzel anpacken. Ein Beispiel: Den Terrorismus werden wir nicht erfolgreich bekämpfen, wenn wir die Ungerechtigkeit und die Perspektivlosigkeit der Jugend nicht in den Griff bekommen. Da muss es ein großes Umdenken geben.

Frage: Was haben Sie aus Ihrem Leben in Südafrika gelernt?

Antwort: Ich fühle mich dort als Teil des Ganzen, spüre die Verbundenheit mit dem Universum. Die politischen Widerstände sind dort viel klarer zu erkennen. Mit Jacob Zuma hat Südafrika einen Mini-Trump, der wie ein Stammesfürst regiert. Man hat zwar eine schwarze Regierung, aber seit dem Ende der Apartheid ist für die Schwarzen sehr wenig geschehen. Viele fühlen sich noch immer wie Menschen zweiter Klasse, weil ihnen der Zugang zur Bildung verwehrt wird. Das hat mich noch stärker politisiert. Schon nach der Erschütterung durch die Anschläge in New York und Washington 2001 habe ich mir die Frage gestellt: Willst du einfach so weitermachen und ein alternder Popstar werden oder willst Du Künstler bleiben ... und was gehört dann für dich dazu?

Frage: Und alternder Popstar kam für Sie nicht in Frage...

Antwort: Um Gottes willen, das ist unwürdig! Man darf eine Karriere nicht auf Ruhm und Erfolg bauen, die sind vergänglich. Ich muss mich in meiner Arbeit erkennen, dann weiß ich, dass ich wahrhaftig bin, unabhängig davon, ob mich die Leute bejubeln oder verdammen. Das darf mich nicht irritieren. Ich muss auf meinem Weg bleiben.

ZUR PERSON: Marius Müller-Westernhagen, als Sohn eines Schauspielers in Düsseldorf geboren, arbeitete zunächst auch als Schauspieler ("Theo gegen den Rest der Welt"). Ab den 1970er Jahren feierte er als Sänger Erfolge. Die Hymne "Freiheit" geriet zum Soundtrack der Wiedervereinigung, und er zog fortan gigantische Massen in die Stadien. Zwischen 1990 und 1999 stand der Sänger 111 Wochen in den Top Ten der deutschen Album-Charts. 1999 zog er sich von der ganz großen Bühne zurück. Marius Müller-Westernhagen lebt in Berlin und Südafrika.

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