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Campino: Ich spüre Verunsicherung

05.05.2017, 06:02 Uhr | dpa

Musik - Campino: Ich spüre Verunsicherung. Campino - im Hier und Jetzt.

Campino - im Hier und Jetzt. Foto: Arno Burgi. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Als sich Die Toten Hosen 1982 gründeten, wurde im selben Jahr Helmut Kohl neuer Bundeskanzler. 35 Jahre später ist die Band immer noch am Start, die mit "Laune der Natur" gerade das 16. Studioalbum veröffentlicht hat .

Sänger Campino (54) spricht im Interview der Deutschen Presse-Agentur über neue Verunsicherungen, alte Fehler und und über den richtigen Zeitpunkt, von der Bühne zu gehen.

Frage: Im Beiheft des neuen Albums steht, jede Platte ist eine Momentaufnahme aus dem Leben. Wo stehen Die Toten Hosen, wo steht Campino im Frühjahr 2017?

Antwort: Wenn ich die Karten auf den Tisch legen und meine derzeitige Situation mit einem Wort beschreiben soll, würde ich sagen: verunsichert. Ich hoffe, dass sich das bald gibt, aber ich persönlich spüre Verunsicherung. Das ist aber ein Zustand, der zum Leben dazugehört und der in Zyklen immer wieder auftaucht.

Frage: Und warum kommt die Verunsicherung gerade jetzt wieder?

Antwort: Vielleicht hat das bei uns etwas damit zu tun, dass wir noch nicht ins Altenlager gehören, aber auch definitiv nicht mehr zur ganz jungen Garde. Wenn man so will, sind wir in einer Übergangsphase. Man rennt sehr lange durchs Leben und holt sich Aufmerksamkeit und Energie von außen, stopft sich voll mit Erlebnissen und hinterfragt die Welt viel weniger. Aber irgendwann merkt man: Die Kraft und die Erkenntnisse muss man von innen schöpfen.

Frage: Die aktuelle Weltlage trägt ja auch nicht gerade zu einem Sicherheitsgefühl bei...

Antwort: Ja, das ist richtig. Jeder weiß, dass das Europa, wie wir es kennen, als Konstrukt in Gefahr ist. Ich selbst habe mich immer sehr wohl gefühlt als EU-Bürger. Mir macht der Gedanke Spaß, Europäer zu sein. Das hat sicher damit zu tun, dass meine Mutter aus England kommt, dass ich halb Engländer, halb Deutscher bin und mich nirgends zugehörig fühlte. Aber ich konnte mit hundertprozentiger Überzeugung sagen: Europäer, das bin ich.

Frage: Was hat die Brexit-Entscheidung mit Ihnen gemacht?

Antwort: Das hat mir unglaublich wehgetan und mich wirklich enttäuscht. Gott sei Dank hat man wenigstens in Liverpool für "Remain" (den Verbleib) gestimmt.

Frage: Wie sehen sich Die Toten Hosen selbst derzeit? Würden sie sich nach wie vor als politische Band bezeichnen?

Antwort: Ich glaube, dass die Leute nach all den Jahren wissen, wer wir sind und wofür wir stehen, da braucht es jetzt nicht das zwölfte Anti-Nazi-Lied von den Toten Hosen. In dieser schnelllebigen Zeit ein politisches Lied zu schreiben, ist wahnsinnig schwierig, weil sich die Ereignisse überstürzen. Das kann schnell unaktuell und platt werden - und dass Donald Trump ein Idiot ist, da sind wir doch eh alle einer Meinung.

Frage: Die Toten Hosen haben sich 1982 gegründet, im selben Jahr wurde Helmut Kohl zum Kanzler gewählt. War damals der politische Protest - zumindest national - einfacher?

Antwort: Natürlich. Der Gegner war eindeutig klar, das war die Regierung. Es stand für uns außer Frage, wer gut und böse ist. Heute hat sich diese Feindwahrnehmung völlig verschoben. Die Bundesregierung gilt als stabile Säule, die Europa zusammenhält.

Frage: Irgendetwas, was Sie bereuen aus den vergangenen 35 Jahren?

Antwort: Reichlich. Aber es bringt nichts, sich heute darüber den Kopf zu zerbrechen. Im Nachhinein bist du immer schlauer. Fehler prägen deutlich mehr als Erfolgsmomente.

Frage: Von welchen Fehlern sprechen Sie?

Antwort: Verantwortungsloses Verhalten. Nehmen wir das 1000. Konzert [Anm.: 1997 in Düsseldorf starb ein Mädchen im Publikum]. Das war kein Fehler von uns, aber es passierte eine Katastrophe. Dieses Unglück hat mir klargemacht, dass unser damaliges Motto ein totales No-Go war und ist: "Wir sind Die Toten Hosen. Willkommen zum Konzert. Betreten auf eigene Gefahr." Damals fanden wir das lustig. Dieser Spruch ist seit diesem Tag nie wieder gefallen und er ist auch Unsinn. Wir möchten alles tun, damit die Leute, die unsere Konzerte besuchen, auch wieder unversehrt nach Hause kommen.

Natürlich gibt es auch banalere Dinge, die man bereut. Eine Zeit lang habe ich zu viele Interviews gegeben, war zu oft Gast in Fernsehshows. Das ist ein Spiel mit dem Feuer, man wird als Paradiesvogel eingesetzt und dabei verheizt. Du spielst mit etwas, was Du nicht unter Kontrolle hast. Wenn Du das überdosierst, kann das wie ein Bumerang zurückkommen.

Frage: Ein zentrales Thema auf dem Album ist die Endlichkeit. Zuletzt sind gleich zwei sehr enge Wegbegleiter gestorben: Ex-Drummer Wolfgang (Wölli) Rohde und Manager Jochen Hülder. Was haben diese Ereignisse bei Ihnen ausgelöst?

Antwort: Beide Todesfälle haben ihre eigene Geschichte, aber eine ganz wichtige Erkenntnis nehme ich von beiden Geschehnissen mit: Ich weiß, die Jungs würden sagen: tragt das weiter, so lange es geht. Das ist das, was sie uns hinterherrufen.

Frage: Wie lange wird es denn noch weitergehen mit den Toten Hosen?

Antwort: Es bringt nichts, sich diese Frage zu stellen. Das Leben funkt doch wieder dazwischen. Vor fünf Jahren hätte ich nicht eingeschätzt, dass direkt zwei Mann von Bord gehen. Man kann aus solchen Ereignissen nichts lernen - außer das Hier und Jetzt zu zelebrieren und dankbar zu sein, wenn man gesund ist.

Wir schauen einfach, wie weit uns das bringt, und hören auf, wenn uns ein Schicksalsschlag ereilt oder wir spüren, dass wir nicht mehr die Kraft haben, unsere Sachen mit voller Leidenschaft zu bringen. Oder wenn es anfängt, lächerlich zu wirken. Ich hoffe, dass uns unser Umfeld darauf hinweist, wenn es langsam nach einer Persiflage aussieht.

ZUR PERSON: Campino (54) heißt eigentlich Andreas Frege. Der Düsseldorfer war Sänger der Band ZK, aus der 1982 Die Toten Hosen hervorgingen. Die einstigen Punk-Rocker zählen heute zu den kommerziell erfolgreichsten deutschsprachigen Musikern. Campino arbeitet auch als Schauspieler und ist Vater eines Sohnes. Der Fußballfan (FC Liverpool/Fortuna Düsseldorf) ist Ehrenbürger von Buenos Aires, wo die Toten Hosen eine große Fangemeinde haben.

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