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Ein bisschen Frieden? Der ESC in politischen Wirren

08.05.2017, 13:20 Uhr | dpa

Medien: Ein bisschen Frieden? Der ESC in politischen Wirren. Julia Samoilowa darf nicht beim ESC singen.

Julia Samoilowa darf nicht beim ESC singen. Foto: Ekaterina Lyzlova. (Quelle: dpa)

Kiew/Moskau (dpa) - Auf diesen Tag hat die russische ESC-Kandidatin ihr Leben lang gewartet. Live auf einer großen Bühne soll Julia Samoilowa am 9. Mai auftreten. Vor Tausenden im Publikum wird sie ihre Ballade "Flame is Burning" vortragen. Jedoch: Nicht wie erhofft vor 200 Millionen Zuschauern.

Nicht wie erwartet im Halbfinale des Eurovision Song Contest (ESC). Nicht wie geplant in Kiew. Sie singt stattdessen in Sewastopol, auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim. Das hat eine trotzige Symbolkraft. Der Gastgeber Ukraine hat Russlands Kandidatin die Einreise zum ESC 2017 mit der Begründung verwehrt, dass sie 2015 auf der Krim aufgetreten ist. Die Ukraine sieht sich von Moskaus Entscheidung für Samoilowa provoziert.

Dabei sind die Statuten der Veranstalter eigentlich eindeutig: Alles ist rein unpolitisch, heißt es im Regelwerk der Europäischen Rundfunkunion EBU. "Kein Lied, kein Auftritt darf den ESC oder die EBU in Misskredit bringen", heißt es. Politische Botschaften oder offene Streitereien zwischen Ländern sind verboten. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Der Wettbewerb ist seit längerem eine Front für Animositäten und Konflikte. Die seit drei Jahren verfeindeten Nachbarn Ukraine und Russland tragen ihre Spannungen auch auf der Showbühne aus. Die EBU konnte diese Eskalation nicht verhindern.

Immer wieder war Russland, seit 1994 regelmäßig bei dem Event unter den Top 10 erfolgreich, im ESC wegen politischer Querelen mit anderen Ländern aufgefallen. 2009, wenige Monate nach der Georgien-Krise, hatte die EBU Tiflis untersagt, mit dem provokanten Titel "We Don't Want To Put In" teilzunehmen. War das Lied gegen Kremlchef Wladimir Putin gerichtet gewesen?

2014, im Jahr der Krim-Krise, wurden russische Sängerinnen während ihrer Performance ausgebuht. 2015 wurde die russische Favoritin Polina Gagarina vor Millionenpublikum bei der Punktevergabe mit Pfiffen und Buhrufen überhäuft. 2016 siegte dann die Krimtatarin Jamala mit dem umstrittenen Lied "1944", das die Verbannungsgeschichte ihres Volkes erzählt. Russland, in letzter Minute von der Ukraine auf Platz drei verwiesen, war erbost. Sogar der Kreml und das russische Außenministerium witterten politische Motive hinter der Entscheidung.

Beobachter sind sich sicher, dass Moskau mit der im Rollstuhl sitzenden Sängerin Julia Samoilowa ein abermaliges Buhkonzert verhindern wollte. Doch im Moment der Anmeldung zum diesjährigen Wettbewerb (Motto "Vielfalt feiern") gab es das Veto aus Kiew.

Dass Samoilowa nicht einreisen darf, wertet der Kreml als einen "Schlag gegen das Image des ESC". Russische Menschenrechtler fordern Europa zum Handeln auf. "Ich finde es höchst deprimierend, dass es aus Europa keine Reaktionen gibt", sagt Politikerin Ella Pamfilowa.

Zaghafte Vermittlungsversuche der EBU sind ins Leere gelaufen. Die Länder lehnen eine - erstmals in der ESC-Geschichte angebotene - Live-Zuschaltung aus Moskau ab. Und eine andere Kandidatin will Russland nicht schicken. Dieses Jahr ist das beliebte TV-Event im russischen Staatsfernsehen sogar komplett aus dem Programm gestrichen - obwohl sich Millionen Russen den Wettbewerb anschauen.

Hat die EBU die Brisanz des Konflikts verkannt? EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre betonte gegenüber dem ukrainischen Regierungschef Wladimir Groisman, ein Ausschluss von Russland sei "inakzeptabel", und warnte, Kiew bei kommenden Wettbewerben abstrafen zu wollen. "Wir verurteilen die Entscheidung der ukrainischen Behörden scharf", sagt der ESC-Verantwortliche Frank Dieter Freiling. "Sie untergräbt die Integrität und die nicht-politische Natur des ESC." Die Fronten bleiben verhärtet und die EBU bleibt machtlos.

Dennoch wird Samoilowa nach dem Willen des russischen Staatsfernsehens im nächsten Jahr ihre drei Minuten auf einer ESC-Bühne feiern. Die russischen Organisatoren sagten ihr die Teilnahme zu, vorausgesetzt die Ukraine feiert keinen Heimsieg. Für dieses Jahr bleibt der 28-Jährigen nur der kleine Auftritt am 9. Mai - immerhin am wichtigsten Feiertag des Landes - dem "Tag des Sieges".

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