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Schweiz lässt Roman Polanski frei

12.07.2010, 16:27 Uhr | afp, AFP

Schweiz lässt Roman Polanski frei. Roman Polanski (Foto: AP)

Roman Polanski (Foto: AP)

Nach über neun Monaten ist Starregisseur Roman Polanski wieder ein freier Mann. Die Schweizer Regierung lehnte es am Montag ab, den 76-jährigen Filmemacher an die USA auszuliefern, wo er wegen des Missbrauchs eines minderjährigen Mädchens in den 70er Jahren gesucht wird. Die Schweiz hatte Polanski Ende September vergangenen Jahres aufgrund eines US-Haftbefehls festgenommen.

Polanski könne sich frei bewegen, sagte die schweizerische Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf vor Journalisten. Die elektronische Fessel, die er seit Dezember im Hausarrest in seinem Chalet im Schweizer Nobel-Skiort Gstaad tragen muss, sei ihm am Mittag abgenommen worden. Die USA könnten gegen die Entscheidung keinen Einspruch einlegen. Die US-Justiz wirft Polanski vor, 1977 die 13-jährige Samantha Geimer in Los Angeles mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und sexuell missbraucht zu haben. Ministerin Widmer-Schlumpf betonte jetzt, die Schweiz habe diesen Vorwurf nicht geprüft, sondern nur das Auslieferungsgesuch. Ein Fehler darin könne auch nach eingehender Prüfung "nicht mit der notwendigen Bestimmtheit ausgeschlossen werden".

USA weigerten sich, ein Protokoll zur Verfügung zu stellen

Die USA weigerten sich laut der Ministerin, ein Protokoll mit der Aussage des früheren US-Staatsanwalts Roger Gunson zur Verfügung zu stellen, der in den 1970er Jahren die Anklage im Prozess gegen Polanski vertreten hatte. Klären wollten die schweizerischen Behörden damit die Frage, ob Polanski seine Haft in den USA 1977 nicht schon verbüßt hat. Die Anwälte des Regisseurs hatten damals mit der Anklage eine Übereinkunft geschlossen, worauf Polanski anderthalb Monate in Haft kam. Der Regisseur fürchtete aber danach, dass das Verfahren gegen ihn wiederaufgerollt wird und floh deshalb nach Frankreich.

"Sehr glücklich und sehr bewegt"

Die schweizerische Justiz habe eine "sehr gerechte" Entscheidung getroffen, sagte Polanskis französischer Anwalt George Kiejman. Er sei "sehr glücklich und sehr bewegt", dass sein langjähriger Freund wieder frei sei. Dieser habe "einen langen Leidensweg" hinter sich. Er könne nun nach Frankreich zu seiner Familie zurückkehren, das französische Staatsbürger nicht an die USA ausliefert, sagte Kiejman. Er zeigte sich zuversichtlich, dass "das Missverständnis" mit den US-Justizbehörden nach Polanskis Freilassung nun "leichter zu regeln" sei. Er hoffe, dass Polanski eines Tages auch wieder in die USA zurückkehren könne.

Internationales Aufsehen

Die Festnahme Polanskis hatte international für Aufsehen gesorgt. Berühmte Filmkollegen wie Martin Scorsese, David Lynch und Woody Allen hatten in einer Petition seine Freilassung verlangt. In Frankreich stellten sich auch Außenminister Bernard Kouchner und Kulturminister Frédéric Mitterrand hinter den Regisseur, der mit der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet ist.

Opfer forderte Einstellung des Verfahrens

Die heute über 40-jährige Samantha Geimer hat Polanski nach eigenen Worten inzwischen verziehen. Sie hatte die US-Behörden mehrfach aufgefordert, das Verfahren gegen den Oscar-Preisträger einzustellen. Polanski hatte 1977 die Tat gestanden und 42 Tage im Gefängnis verbracht. Vor Verkündung des Strafmaßes 1978 setzte er sich nach Europa ab und kehrte seitdem nie in die USA zurück. Im Mai hatte die Affäre aber neue Nahrung durch Vorwürfe der britischen Schauspielerin Charlotte Lewis bekommen. Auch sie erhob den Vorwurf, von Polanski Anfang der 80er Jahre im Alter von 16 Jahren sexuell missbraucht worden zu sein.

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