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Suche nach Nazi-Raubkunst in Nordrhein-Westfalen ist "ein großes Drama"

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"Ein großes Drama" - Die Suche nach Nazi-Raubkunst

23.11.2012, 18:54 Uhr | dpa

Suche nach Nazi-Raubkunst in Nordrhein-Westfalen ist "ein großes Drama". Das Bild "Die Nacht" von Max Beckmann in der Kunstsammlung Düsseldorf.

Das Bild "Die Nacht" von Max Beckmann in der Kunstsammlung Düsseldorf. (Quelle: dpa)

Düsseldorf (dpa) - Kaum ein Thema ist in Museen sensibler als die Suche nach Nazi-Raubkunst. Häufig sind Ansprüche der Erben zumeist jüdischer Sammler nicht mehr eindeutig zu klären.

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Dann stellt sich die Frage: Sollen die Kunstwerke dennoch als ein Akt moralischer Wiedergutmachung zurückgegeben werden? Diesen Weg wählte das Kunstmuseum Bonn, als es sich mit den Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim über ein zurückgefordertes Bild des rheinischen Expressionisten Paul Adolf Seehaus einigte. Flechtheim, der schillerndste Galerist der Weimarer Republik, war vor den Nazis geflüchtet und starb 1937 verarmt in London.

Nun steht neben anderen Museen in Deutschland auch die renommierte Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im Fokus der Flechtheim-Erben. Zwei Bilder fordern sie aus Düsseldorf zurück: die "Federpflanze" von Paul Klee und ein kubistisches Stillleben "Violon et encrier" von Juan Gris (1913). Zum Streitfall könnte auch ein "Herzstück" der landeseigenen Sammlung werden: Für das apokalyptische Folter-Bild "Die Nacht" von Max Beckmann (1918/19) liegt eine Anfrage der Anwälte vor.

Eine Restitution sei bei den Bildern von Gris und Klee derzeit nicht möglich, sagt Museumsdirektorin Marion Ackermann und verweist auf mehrere rechtliche Unklarheiten. Sie weiß, wie heikel diese Antwort ist, denn schnell könnte ihrem Haus der Vorwurf der Hartleibigkeit gemacht werden. Sieht sich doch gerade die vor rund 50 Jahren gegründete Kunstsammlung der Wiedergutmachung verpflichtet. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte 1960 mit dem Ankauf von 88 Werken Klees, der als Kunstprofessor von den Nazis aus Düsseldorf vertrieben worden war, den Grundstock für das Museum gelegt. Auch Klees "Federpflanze" gehörte dazu.

"Transparenz ist uns wichtig", sagt Ackermann. Der Fall Flechtheim aber gehört zu den kompliziertesten Fällen der Restitution. Die Grenzen zwischen Privatbesitz und Handelsware waren bei ihm häufig fließend. Auch gehörten einige Werke nicht nur Flechtheim allein. So ist bei Beckmanns "Nacht" laut Kunstsammlung unklar, wem das Bild eigentlich gehörte - Flechtheim, einem Galerie-Kompagnon oder einem Industriellen. "Wir sind in der Sackgasse", sagt Projektleiterin Anette Kruszynski. "Wir könnten gar keine Entscheidung fällen, weil wir nicht wissen, zu wessen Gunsten."

Weiterbringen könnte in bestimmten Fällen, so hofft die Kunstsammlung, eine Recherche im Archiv der Galerie Daniel-Henry Kahnweiler (heute Louise Leiris) in Paris, mit dem Flechtheim kooperierte. Doch das Archiv sei seit Jahren geschlossen. "Das ist ein großes Drama", sagt Kruszynski. Eine Öffnung des Archivs "wäre wohl nur auf höchster Regierungsebene zu erreichen", sagt Ackermann. Sie hofft auf Hilfe aus Berlin.

Eine Recherche im Kahnweiler-Archiv könnte vielleicht Fragen zum Gris-Bild beantworten, das Flechtheim 1921 zusammen mit Kahnweiler zurückersteigert hatte und das von 1926 bis 1933 in Katalogen als Besitz Flechtheims gekennzeichnet war. Manchmal aber gibt es auch gar kein Archiv mehr, etwa von der Mayor Galerie in London. Diese hatte das Gris-Bild 1934 verkauft. Wer der Verkäufer war und wie hoch der Preis, weiß man nicht. Auch bei Klees "Federpflanze" ist nach Ansicht des Museums nicht klar, ob es in Flechtheims Privatbesitz war.

Der Flechtheim-Anwalt Markus Stötzel sieht das anders. Bei der Klee-Stiftung in der Schweiz könne abgefragt werden, wem die "Federpflanze" wann gehörte. Für Stötzel ist auch klar, dass es sich bei den Verkäufen der Bilder in London um Notverkäufe Flechtheims als Nazi-Verfolgter gehandelt habe. Stötzel verweist auf die Washingtoner Prinzipien, die "faire und gerechte Lösungen" bei der Rückgabe von verfolgsbedingt entzogenen Kunstgütern vorsehen. "Das beinhaltet im Zweifelsfall auch Kompromissfähigkeit beider Seiten", sagt Stötzel.

Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, könne man die Vermittlungskommission unter dem Vorsitz der Ex-Verfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach anrufen. Das hält auch Ackermann für denkbar. "Dort würde eine eher moralische Entscheidung getroffen", sagt sie. Sie bevorzuge aber eine weitere Recherche. Die Kunstsammlung arbeite weiter "mit Hochdruck an der Wahrheitsfindung." Es werde aber der Moment kommen, wo die Landespolitik und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) eine Entscheidung zu den umstrittenen Bildern treffen müssten.

 
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