Marius Müller-Westernhagen über Musikbranche

"Wie ein Bordell - eine riesige Gruppe von Prostituierten biedert sich an"

27.10.2016, 11:01 Uhr | dpa

Für den Altstar Marius Müller-Westernhagen ist die Musikbranche heute ein riesiges Bordell.

Marius Müller-Westernhagen kennt die Musikbranche seit einem halben Jahrhundert. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Künstler überhaupt - und doch lässt der Musiker kein gutes Haar an der Musikindustrie. Das Alphatier des deutschen Rock vergleicht die Branche mit einem Bordell.

Seinen eigenen Erfolg konnte er kaum mehr ertragen, vom Publikum fühlte er sich gottgleich gemacht, die Musikindustrie erinnert ihn heute an ein Bordell - harsche Kritik von einem, der alles erreicht hat. "Ich habe 1999 aufgehört, weil ich das, was auf mich projiziert wurde, nicht mehr aushalten konnte. Das hatte nichts mehr mit mir zu tun", verät der 67-Jährige. "Da gerätst du in eine Rolle, die du nicht mehr ausfüllen kannst und nicht ausfüllen willst. Ich konnte und wollte das nicht mehr, es hat mich nicht mehr befriedigt, sondern nur noch getrieben."

Wie in der Heilgen Messe

Westernhagen spricht im Interview von überzogenen Erwartungen an ihn: "Das war wie in Heiligen Messen. Die Leute haben mir ihre Kinder hochgehalten. Da wurde es mir unheimlich. Da geschehen Dinge in deinem Namen, die du nicht mehr kontrollieren kannst. Das empfand ich als schädlich für meine Arbeit. Der Hype wurde zu riesig."

Gier macht die Musik kaputt

Für ihn lag die beste Zeit für die Musik in den 60er und 70erJahren, der Ära von Bob Dylan, Led Zeppelin, der Beatles und Jimi Hendrix. Doch die, so ist sich der Altstar sicher, würden heute keinen Vertrag mit einem großen Label mehr bekommen, schlicht deshalb, weil sie nicht in die Rundfunkformate passten. "Die Qualität der Musik ist seither schon sehr runtergefahren worden. Für meine Begriffe aus Gier - weil die Musik zu einer reinen Industrie verkommen ist", so seine harten Worte im Interview. "Es hat nichts mehr wirklich mit Musik zu tun, es ist heute mehr wie in einem Bordell. Eine riesige Gruppe von Prostituierten biedert sich an - sowohl den Medien als auch dem Publikum."

Marius Müller-Westernhagen und seine Lebensgefährtin Lindiwe Suttle.

Konzert und neues Album "Unplugged"

Jetzt erscheint das neue "Unplugged"-Album des gebürtigen Düsseldorfers. Zum Verkaufstart (28. Oktober) gab es an seinem Wohnort Berlin ein Unplugged-Konzert mit besonderen Gästen. Mit auf der Bühne stand erstmals mit ihm seine Tochter Mimi, Udo Lindenberg trommelte und Fatih Akin filmte. Zu hören waren alle großen Hits - unplugged natürlich: "Mit 18" , "Sexy", "Weil ich Dich liebe", "Freiheit", oder "Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz".

Family and Friends auf der Bühne

Mit seiner Lebensgefährtin, der südafrikanischen Sängerin Lindiwe Suttle, präsentierte Westernhagen das neue Lied "Luft um zu atmen". Ein besonderer Höhepunkt war das Duett mit Tochter Mimi (31). Die beiden sangen den Klassiker "Lass uns leben", es war der erste gemeinsame Auftritt überhaupt. "Sie war sehr nervös, aber sie hat es auch lange genug rausgeschoben", sagt ihr Vater.

Panikrocker Lindenberg ist ein alter Freund und WG-Kumpel aus früheren Tagen. Mit ihm und Otto Waalkes zusammen hat Westernhagen nach eigenen Angaben viel zusammen geredet und ins Glas geschaut. Das war seine zweite WG-Erfahrung, die erste war in der Münchner Kommune 1 mit Reiner Langhans und Uschi Obermeier, als die ihre Affäre mit Mick Jagger hatte. Damals war Westernhagen noch in seinem gelernten Beruf als Regieassistent unterwegs.

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