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Kulturpolitik - Neues Athener Kulturzentrum: Geschenk mit Nebenwirkungen

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Kulturpolitik  

Neues Athener Kulturzentrum: Geschenk mit Nebenwirkungen

22.02.2017, 14:35 Uhr | dpa

Kulturpolitik - Neues Athener Kulturzentrum: Geschenk mit Nebenwirkungen. Das künftige Kulturzentrum in Athem (Computergrafik).

Das künftige Kulturzentrum in Athem (Computergrafik). Foto: Nikos Karanikolas. (Quelle: dpa)

Athen (dpa) - Es soll "die neue Akropolis" werden, ein weiteres Wahrzeichen für Athen, mindestens aber ein Opernhaus, das international ganz vorne mitspielt: Am Donnerstag (23.2.) wird das Kulturzentrum SNFCC der Stiftung des 1996 verstorbenen Reeders Stavros Niarchos offiziell dem griechischen Staat übergeben.

Der rund 600 Millionen Euro teure Bau des italienischen Star-Architekten Renzo Piano beherbergt künftig die Nationalbibliothek und die Staatsoper. Betrieb und Verwaltung fallen an den Staat - und genau diese Tatsache lässt um die strahlende Zukunft des Geschenks bangen.

Steinreiche Reeder, die sich nach Gutdünken großzügig zeigen, haben in Griechenland Tradition - auch wenn sie mittlerweile gern als oberste Steuerflüchtlinge an den Pranger gestellt werden. Legendär ist der Wettstreit zwischen den Reedern Aristoteles Onassis und Stavros Niarchos: Beide kämpften zu Lebzeiten nicht nur um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren, sondern auch um die Liebe derselben Frau, der Reederstochter Athina Livanos. Und beide rangen stets darum, wer das eindrücklichste Vermächtnis hinterlässt.

So wird selbst posthum gemessen, wer der Größte sein könnte: Onassis punktet in Athen bis heute unter anderem mit einer international renommierten Herzklinik und dem Kulturzentrum "Stegi". Die Stiftung Stavros Niarchos legt nun mit ihrem Kulturzentrum SNFCC (Stavros Niarchos Foundation Cultural Center) nach.

Sehen lassen kann sich das großzügige Geschenk allemal. Wer vom Stadtzentrum aus darauf zukommt, entdeckt kurz vor dem Meer inmitten der Betonwüste überraschend eine Grünfläche, die sich über die Dächer erhebt. Darunter verstecken sich die Räumlichkeiten für die neue Bibliothek und ein Opernhaus, dem jetzt schon eine Akustik der Weltklasse nachgesagt wird.

Vom Meer aus gesehen, zeigt sich der Kulturtempel dann in aller Pracht. "Pharaonisch", kritisieren manche, "mussolinisch" oder schlicht "größenwahnsinnig". Und doch macht der Neubau auch Mut und begeistert die Athener. Schließlich handelt es sich dabei um eine der größten Spenden und Investitionen der letzten Dekaden. Allein schon die Baustelle mit ihren Kränen galt vielen Bewohnern des krisengebeutelten Landes in den vergangenen Jahren als Lichtblick.

Gleichzeitig bereitet das schöne Geschenk Sorgen. Wer in Griechenland auf großzügige Spenden und Investitionen in staatlicher Obhut zurückblickt, weiß, warum. In fast allen Fällen wurden solche Gaben zur enormen Belastung. Beispielsweise die Olympia-Bauten von 2004, die - übrigens auch in unmittelbarer Nähe des neuen Kulturzentrums - zusehends verfallen. Aber auch das klassizistische Gebäude "Zappeion", ein Vermächtnis des griechischen Mäzens Evangelos Zappas, oder das Konzerthaus "Megaron Mousikis", das dem Staat bis heute auf der Tasche liegt.

Dass die Verwaltung schon an vermeintlichen Kleinigkeiten scheitert, zeigt das neue Kulturzentrum ganz aktuell auf. Eigentlich könnte es die brachliegende Gegend in der Nähe des Hafens Faliron beleben; der Abschnitt entlang des Meeres würde in anderen Metropolen der Welt als Toplage gelten, in Athen ist er bisher nur schlecht erschlossen.

Nur: Auch das Kulturzentrum ändert daran vorerst nichts. Es gibt dort weder einen Metro- noch einen Straßenbahnanschluss, nicht einmal ein Shuttle-Service mit dem Bus zum Stadtzentrum wurde vom Staat oder der Stadt organisiert. Wer das SNFCC also künftig besuchen möchte, muss mit dem Auto oder dem Taxi fahren. "Wie soll das Volk davon profitieren, der einfache Senior, dem sie nun schon zum x-ten Mal die Rente zusammengestrichen haben?", heißt es.

Bleibt zu hoffen, dass die neue Institution Kunstschaffende und Besucher aus ganz Europa und aller Welt anlocken und von staatlicher Seite nicht völlig kaputtgewirtschaftet wird. Das Potenzial ist da - allein die Nebenwirkungen können noch nicht abgesehen werden.

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