"Tatort"-Star ist verärgert

"Wir Frauen müssen immer noch unglaublich kämpfen"

Von Maria Holzhauer

08.03.2018, 16:43 Uhr

Adele Neuhauser: Die österreichische Schauspielerin ist zweifellos eine starke Frau.

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Starke Frauen in der Filmbranche gibt es viele. Zuallererst fallen mir da Emma Watson oder Lena Dunham ein, die sich schon lange für Gleichberechtigung einsetzen. Doch auch in der deutschen Film- und TV-Welt finden sich Paradebeispiele für echte Kämpferinnen –  t-online.de sprach mit Adele Neuhauser.

Vielen Fernsehzuschauern ist Adele Neuhauser als "Tatort"-Kommissarin Bibi Fellner aus Wien bekannt. An der Seite von Harald Krassnitzer mimt sie seit 2010 die toughe Ermittlerin mit Hang zum Alkohol, die meist mit einem Pontiac Firebird um die Ecke kommt. Nicht ihre einzige, neben zahlreichen anderen TV-Auftritten aber wohl ihre hierzulande bekannteste Rolle.

Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer in einer "Tatort"-Szene. Die beiden sind nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde.

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Besonders berührt Adele Neuhausers Schicksal. Als junge Frau war sie schwer depressiv, versuchte insgesamt sechs Mal, sich das Leben zu nehmen. 2016 verlor sie innerhalb kürzester Zeit ihre Eltern und ihren Bruder. Im kommenden Jahr feiert die Schauspielerin ihren 60. Geburtstag, hatte bis dahin schon mit vielen Bürden zu kämpfen. Unterkriegen lässt sie sich davon aber nicht, auch privat ist sie tough. In unserem Telefongespräch wirkt sie locker, ist zu Späßen aufgelegt. Und es wird klar: Die Themen Gleichberechtigung und im Allgemeinen Frauenrechte liegen ihr am Herzen.

Adele Neuhauser erläutert: "Ich würde mich jetzt nicht als Powerfrau bezeichnen, würde nicht diesen Begriff wählen. Ich bin schon eine Kämpferin, eine Marathonläuferin. Ich beiß mich durch und versuche, mir treu zu bleiben auf diesem Weg. Das ist, glaube ich, das Entscheidende, dass man seine Träume nicht verliert." Das hat die gebürtige Griechin nie getan. Schon als kleines Mädchen war es ihr Traum, Schauspielerin zu werden – das hat sich über all die Jahre hinweg nicht geändert. "Das ist und bleibt mein Traumberuf." Auf Anhieb fallen Adele Neuhauser weitere Punkte ein, die zeigen, dass sie eine starke Frau ist: "In schwierigen Situationen zu sehen, dass es schwierig ist und was es schwierig macht, das abzuklopfen und daraus dann positive Energie schöpfen. Das sind so die Punkte, die mich vielleicht zu einer Powerfrau machen."

Es war schon immer Adele Neuhausers Traum, Schauspielerin zu werden.

"Das sehe ich nicht ein"

In ihrem Heimatland Österreich kämpft Adele Neuhauser für Frauenrechte. "Ich habe mich erst beim Frauenvolksbegehren hier in Österreich stark gemacht. Es ist noch immer eine Ungleichheit zwischen Frau und Mann da, das ist einfach nicht tragbar. Ich finde, dass Frauen – egal, in welcher Situation – genauso verdienen müssen wie Männer. Wir Frauen verdienen immer noch weniger, müssen immer noch kämpfen, um auch in führenden Positionen eingesetzt zu werden. Unsere Gesellschaft verändert sich sowieso, es gibt beispielsweise gleichgeschlechtliche Ehen, aber wir haben auch noch immer Frauen, die alleinerziehend sind und noch immer wahnsinnig kämpfen müssen. Das sehe ich nicht ein", erklärt sie. "Es gibt ja in unserer Branche auch immer noch Regisseurinnen, die unglaublich kämpfen müssen. Da frage ich mich: Warum?" Dieser Frage sollten Frauen weiterhin gemeinsam nachgehen, um sie irgendwann ganz aus den Gedanken zu streichen.

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