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"Wetten, dass..?"-Unfall: Kandidat liegt schwerverletzt im künstlichen Koma

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"Wetten, dass..?"-Kandidat liegt schwerverletzt im künstlichen Koma

07.12.2010, 14:02 Uhr | dpa/sgü, dpa, t-online.de

"Wetten, dass..?"-Unfall: Kandidat liegt schwerverletzt im künstlichen Koma. "Wetten, dass ...?"-Kandidat Samuel K. erleidet schwere Halswirbelverletzung (Fotos: dpa/dapd)

"Wetten, dass ...?"-Kandidat Samuel Koch (Fotos: dpa/dapd)

Nach einem dramatischen Unfall in der ZDF-Sendung "Wetten, dass..?" befindet sich der verunglückte Kandidat in einem kritischen Zustand. Der 23-jährige Samuel Koch habe bei der ZDF-Show schwere Halswirbelverletzungen erlitten, sagte der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Düsseldorf, Wolfgang Raab, am Sonntag. Auch das Rückenmark sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Student, der aus der Nähe von Lörrach stammt, war am Samstagabend vor laufender Kamera bei einem Wetteinsatz verunglückt. Erstmals in ihrer fast 30-Jährigen Geschichte wurde die Sendung daraufhin abgebrochen.

Raab erklärte, man habe den jungen Mann mittlerweile notoperiert. Inwieweit er wieder gesund werde, könne man derzeit nicht sicher sagen. Es bestehe keine akute Lebensgefahr. Anästhesist Benedikt Pannen erklärte, Koch sei es am Samstagabend den Umständen entsprechend gut gegangen. Erst am Sonntagmorgen seien Lähmungserscheinungen aufgetreten. Daraufhin habe man sich zu der Notoperation entschlossen, die zweieinhalb Stunden gedauert habe.

Gottschalk weist Vorwürfe zurück

Koch war beim Sprung über ein fahrendes Auto schwer verletzt worden. "Wetten, dass ..?"-Moderator Thomas Gottschalk wies in der "Süddeutschen Zeitung" Vorwürfe zurück, es habe sich um eine zu gefährliche Wette gehandelt. "Wir hatten immer schon riskante Wetten, ob mit Motorrädern oder auf Skisprungschanzen. Das ist ein Teil des Programms", sagte er. Ob das nun allerdings so bleiben könne, hänge "davon ab, wie schnell es unserem Kandidaten besser geht".

ZDF-Programmdirektor: "Es ist klar, dass wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen"

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut erklärte, ein Sicherheits-Ingenieur sei bei jeder Sendung dabei. "Auch diesmal gab es in den Proben nach meinen Informationen keine Hinweise, die Wette sei nicht machbar oder zu gefährlich", betonte er. Bellut kündigte eine genaue Untersuchung an. Es sei klar, "dass wir bei 'Wetten, dass..?" nicht einfach zur Tagesordnung übergehen". "Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei dem Wettkandidaten Samuel. Wir hoffen auf seine vollständige Genesung", sagte er.

"Wir wollen nicht auf heiter machen, wenn wir nicht heiter sind"

Der junge Mann war bei der ersten Wette des Abends in seinem vierten Versuch, mit Sprungfedern über ein fahrendes Auto zu springen, gestürzt und regungslos am Boden liegengeblieben. Nach notärztlicher Versorgung in der Halle wurde er in die Universitätsklinik gebracht. Der Sender unterbrach das Programm zunächst. Nach etwa einer halben Stunde erklärte Gottschalk sichtlich mitgenommen: "Wir wollen nicht auf heiter machen, wenn wir nicht wirklich heiter sind." Die Show, in der Justin Bieber und Take That hätten auftreten sollen, wurde abgebrochen.

Bereits bei den Proben war Samuel K. zweimal schwer gestürzt

Bereits bei den Proben hatte es offenbar Probleme mit der Wette gegeben. Am Donnerstag sei er "zweimal schwer gestürzt", hatte Koch der "Badischen Zeitung" (Samstagausgabe) gesagt. Der junge Mann zeigte sich jedoch zuversichtlich: "Der Wettteil klappt noch nicht. Allerdings sind die Voraussetzungen so, dass es in der Sendung funktionieren könnte." Dem ZDF zufolge war Koch am Donnerstag und Freitag bei der Landung nach Sprüngen über zwei Autos ins Straucheln gekommen und auf Rücken und Gesäß gefallen. Danach sei er "unverzüglich und unversehrt aufgestanden und die Proben wurden fortgesetzt".


"Spiegel Online" veröffentlichte interne ZDF-Unterlagen

Laut "Spiegel Online" zeigten interne ZDF-Unterlagen, dass Samuel selbst seine Wette als riskant einschätzte. Demnach hatte er noch vor dem Sprung gesagt: "Es ist ein ekelhaftes Gefühl, Autos, die auf einen zufahren, entgegenlaufen zu müssen."

"Es ist deswegen so furchtbar, weil wir in einer Konkurrenzsituation sind"

Konsequenzen soll der Unfall auf jeden Fall haben. Das hat Gottschalk nach "Spiegel-Online"-Angaben in einem internen Briefing für die gut 200 Mitarbeiter der Show rund zwei Stunden nach dem Abbruch angedeutet. "Es ist ein Unfall passiert", sagte Gottschalk den ZDF-Mitarbeitern. "Es ist deswegen so furchtbar, weil wir in einer Konkurrenzsituation sind." Dann hadert der Moderator dem Bericht zufolge mit sich selbst. "Wir haben ihn auch bei den Proben hinfallen sehen."

ZDF will Konsequenzen aus Unfall ziehen

Schockiert über den Unfall äußerten sich die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und "Wetten, dass ..?"-Erfinder Frank Elstner. Der Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), forderte eine Debatte über Quotendruck. "Natürlich müssen wir über die Themen sprechen: Wann werden die Grenzen des Verantwortbaren überschritten? Wie viel Risiko darf man eingehen?" sagte er der Zeitung "Die Welt".

Lob für das Krisenmanagement des ZDF

Lob gab es von mehreren Seiten für das Krisenmanagement des ZDF. "Es war die richtige Entscheidung von Thomas Gottschalk und den Verantwortlichen beim ZDF, die Sendung nach dem Unglück abzubrechen", sagte Beck. Ähnlich äußerten sich der Medienexperte Jo Groebel und der Leiter des Grimme-Instituts, Uwe Kammann.

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