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"Wetten, dass..?"-Unfall: ZDF-Show geht nach Wettunfall weiter

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Bellut: "Wetten, dass..?" geht weiter

07.12.2010, 14:04 Uhr | dpa/dh, dapd, dpa, t-online.de

"Wetten, dass..?"-Unfall: ZDF-Show geht nach Wettunfall weiter. Die Show "Wetten, dass..?" geht weiter. (Foto: Reuters)

Die Show "Wetten, dass..?" geht weiter. (Foto: Reuters)

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hat angekündigt, die Show "Wetten, dass..?" auch nach dem schweren Unfall vom Samstag weitergehen zu lassen. Allerdings müsse der Sicherheitsstandard erhöht werden, sagte Bellut am Montag dem Rundfunksender NDR 1 Niedersachsen. Das ZDF werde alles tun, damit ein solches Unglück nicht noch einmal vorkomme. Eine hundertprozentige Sicherheit könne es bei solchen Sendungen aber nie geben, betonte Bellut.

Zuvor wurde schon angekündigt, dass das ZDF aus dem schweren Unfall bei "Wetten, dass..?" Konsequenzen ziehen will. "Klar ist natürlich, dass wir bei "Wetten, dass..?" nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut am Sonntag. "Wir müssen und wir werden bei der Auswahl der Wetten die Lehren aus dem Unfall ziehen." Bellut kündigte eine genaue Untersuchung des Unfalls durch das ZDF an. Während der Live-Übertragung der ZDF-Show am Samstagabend hatte sich ein Wettkandidat schwer verletzt. Der 23-jährige Samuel Koch war mit Federbeinen über fahrende Autos gesprungen und dabei gestürzt. 29 Jahre lang habe es bei "Wetten, dass..?" immer wieder sportive Wetten gegeben, so Bellut weiter. "Und es ist nichts Schwerwiegendes passiert." Bei jeder Sendung sei ein Sicherheits-Ingenieur dabei. Auch diesmal habe es in den Proben keine Hinweise gegeben, dass die Wette nicht machbar oder zu gefährlich sei.

"Der Kandidat war hoch motiviert"

Auch Moderator Thomas Gottschalk äußerte sich gegenüber "bild.de", ob die Wette von Samuel zu gefährlich war. "Wir hatten bereits wesentlich riskantere Aktionen im Programm: Hauswandkletterer, Fallschirmspringer und Extremsportler. Der Kandidat war hoch motiviert, aber auch extrem gut vorbereitet. Wir haben ihm mehrere Sicherheitsvorgaben gemacht, von denen wir ihn teilweise erst überzeugen mussten."

"Er hat die Autos immer sicher übersprungen"

Mit den Gerüchten, dass Kandidat Samuel bereits bei den Proben zwei mal schwer gestürzt sei, räumt Gottschalk auf. "Ich war bei allen offiziellen ZDF-Proben vor der Sendung dabei. Er hat die Autos immer sicher übersprungen und ist einmal nach der Landung kurz gestrauchelt und zu Boden gegangen, war aber sofort wieder auf den Beinen. Er hat da, gerade bei seiner Heimatzeitung, seiner Leistung vielleicht noch etwas Dramatik verleihen wollen. Umso schlimmer ist, dass er dann wirklich gestürzt ist."

"Die Wetten waren nicht riskanter als in vielen Sendungen davor"

Glaubt Thomas Gottschalk, dass die Wetten durch den Quotendruck der Fernsehsender riskanter geworden sind? Das kann ich ausschließen. "Die Wetten waren nicht riskanter als in vielen Sendungen davor, allerdings hatte ich ein besonders attraktives Programm mit hochkarätigen Gästen. Damit wollte ich die Konkurrenz schlagen", so der Moderator gegenüber "bild.de". Weiß er, wie es Samuel gerade geht? "Heute früh habe ich mich mit seinen Eltern und seinen Geschwistern getroffen. Samuel gehört jetzt in die Hand der Ärzte und braucht Ruhe. Ich und das ZDF tun alles, um Samuel und seiner Familie zur Seite zu stehen. Showlaufen gehört sicher nicht dazu.“

"Wie viel Risiko darf man eingehen?"

ZDF-Verwaltungsratschef Kurt Beck dagegen forderte eine Quotendebatte in dem öffentlich-rechtlichen Sender. Das ZDF dürfe gewissen Fragen nicht ausweichen. "Natürlich müssen wir über die Themen sprechen: Wann werden die Grenzen des Verantwortbaren überschritten? Wie viel Risiko darf man eingehen? Und natürlich müssen wir auch über die Themen Nervenkitzel, Waghalsigkeit und Quote reden", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident der Zeitung "Die Welt".

"Bestimmte Risikowetten sollten in Zukunft nicht mehr stattfinden"

Der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Dörner, forderte ein neues Konzept der Sendung. "Bestimmte Risikowetten sollten in Zukunft nicht mehr stattfinden", sagte Dörner der Zeitung "Ruhr Nachrichten" (Montag). Er sprach sich ebenfalls für eine neue Quotendebatte in den Medien aus und sagte: "Ich wäre sehr dafür, dass wir von der Sensationslust ein Stück weit wieder wegkommen."

Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Fernsehmacher

Die Grünen-Medienpolitikerin Tabea Rößner warnte vor einem gefährlichen Buhlen um Fernsehzuschauer. Sie appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Fernsehmacher, "im Kampf um bessere Quoten das Maß nicht zu verlieren". Die Zuschauer müssten sich fragen, ob sie den Druck des Höher, Schneller, Weiter wollten.

"Ein gewisser Druck durch das Schielen auf Zuschauerquoten ist sicher da"

Der Medienexperte Christoph Neuberger warnte davor, nach dem Unfall von einer Tendenz zu immer spektakuläreren Eventshows zu sprechen. "Ein gewisser Druck durch das Schielen auf Zuschauerquoten ist sicher da. Aber pauschal würde ich auf keinen Fall eine Verschlimmerung in dieser Hinsicht bei den öffentlich-rechtlichen Sendern in Konkurrenz zu den privaten behaupten", sagte der Kommunikationswissenschaftler der Universität Münster am Sonntag der dpa.

Kandidat liegt im künstlichen Koma

Kochs Zustand war am Sonntag nach Angaben der Klinik sehr kritisch, aber nicht lebensgefährlich. Er lag im künstlichen Koma. Er hatte laut Klinik eine komplexe Verletzung an der Halswirbelsäule erlitten und zeigte Lähmungserscheinungen.

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