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"Marco W.": Sein Knast-Martyrium im TV

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"Marco W.": Sein Knast-Martyrium im TV

22.03.2011, 09:35 Uhr | dpa/SKO, dpa

"Marco W.": Sein Knast-Martyrium im TV. Szenenbild: Sat.1-Film "Marco W." (Foto: Allstar)

Szenenbild: Sat.1-Film "Marco W." (Foto: Allstar)

Liegestühle am Strand, Jugendliche spielen Volleyball im warmen Sand. Farben wie in einer Eis-Reklame. "Schon wieder zwei Wochen vorbei. Es war schön", sagt Marcos Mutter Martina (gespielt von Veronica Ferres). Doch die Urlaubsidylle trügt, kurz vor dem Heimflug kommt es zur Katastrophe für die Familie. Der erst 17 Jahre alte Sohn Marco wird festgenommen. Er wird beschuldigt, eine 13-jährige Britin missbraucht zu haben. Was in der Nacht wirklich passiert ist, zeigt der Film "Marco W. - 247 Tage im türkischen Gefängnis" aber nicht. Drehbuchautor Johannes Betz hat Marcos gleichnamiges Buch für die Produzenten von Zeitsprung Entertainment als Thriller der Emotionen umgesetzt. Heute Abend (20.15 Uhr) zeigt Sat.1 den Film im Fernsehen, im Anschluss läuft die Dokumentation "Der Fall Marco W.".

Hilflosigkeit und Angst

Ein Übersetzungsfehler beim Verhör und das Verhängnis nimmt endgültig seinen Lauf: Marco kommt ins Gefängnis. Grauenvolle Zustände, mehr als 30 Inhaftierte in der verdreckten Zelle, Gewalt und Drogen. Die beklemmenden Bilder sind nun dunkel und blau-grün, Farben und Dialoge werden nur sparsam eingesetzt. Ungemein eindringlich spielt Vladimir Burlakov diesen Marco, die Hilflosigkeit des jungen Mannes, seine Angst. Immer wieder neue Enttäuschungen bei immer neuen Haftprüfungsterminen vor einem undurchschaubaren Richter, die verzweifelten Versuche, vor den Eltern Haltung zu bewahren.

"Zuschauer werden begeistert sein"

"Die Zuschauer werden von ihm begeistert sein", sagt Ferres über Burlakov. Und auch der "echte" Marco W. schwärmt: "Er hat sich super in die Rolle hereingefunden. Besonders die Gefühle und Ängste hat er gut gespielt." In seiner ersten großen Hauptrolle spielt Burlakov den jungen Mann vor dem seelischen Zerreißpunkt so nachhaltig, dass der Film allein schon seinetwegen über zwei Stunden nie langweilig wird. Die Augen des 23 Jahre alten Schauspielers, der schon in Dominik Grafs Krimi-Mehrteiler "Im Angesicht des Verbrechens" (2010) beeindruckte, scheinen viele Jahrzehnte Lebenserfahrung widerzuspiegeln.

"Schon sehr berührend"

"Ich glaube, die Emotionalität, die ich in diesem Film erreiche, verdanke ich meiner Mentalität und meiner russischen Seele", sagt der in Moskau geborene Burlakov. "Ich habe Marco auf Malta kennengelernt und ausführlich mit ihm gesprochen", berichtet Burlakov. Er macht eine Pause: "Das ist so emotional, das ist schon sehr berührend", sagt er dann.

"Wir müssen können"

Viele Szenen entstanden in einem alten Gefängnis auf Malta. Die Gewalt in der Zelle wird nur einmal als explosiver Ausbruch gezeigt - die permanente Bedrohung wirkt beim Zuschauer um so nachhaltiger. Der leukämiekranke Vater Ralf (Herbert Knaup) muss für seine Therapie wieder nach Deutschland, und auch die Mutter kann nicht monatelang in der Türkei bleiben. Sie müssen Marco zurücklassen. "Ich kann nicht mehr", sagt Ferres ruhig. "Wir müssen können", antwortet Knaup nur.

"Eine furchtbare Erfahrung"

"Die eigene Ohnmacht und Hilflosigkeit als Vater zu spüren, war eine furchtbare Erfahrung", erinnert sich Marcos Vater Ralf Jahns. Er habe den Ernst der Situation zunächst unterschätzt. "Mit dieser Schuld werde ich bis ans Ende meiner Tage leben müssen." Die Eltern befürchteten auch, Marco könne sich in der Haft das Leben nehmen.

Berufung eingelegt

Marco kann im Dezember 2007 nach Deutschland ausreisen, sein Prozess endet viel später in seiner Abwesenheit mit einer Bewährungsstrafe. Im Mai 2009 stellt die Staatsanwaltschaft Lüneburg die Ermittlungen wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Kindes gegen Marco mangels Beweisen ein. Gegen die Verurteilung in der Türkei hat er Berufung eingelegt. Familie Weiss erhofft sich von dem Film ein Stück Aufarbeitung ihrer Geschichte. "Dies ist mit dem Film durchaus möglich, auch wenn die Realität weitaus strapaziöser, beängstigender und dramatischer für uns war", erklären Marcos Eltern.

"Vergessen werd' ich das nie"

"Der Film wird auf jeden Fall auch eine Rehabilitation sein", sagt Burlakov. Und der echte Marco? "Vergessen, denke ich mal, werd' ich das nie. Verdrängen kann man's. Aber das begleitet mich immer noch", sagt er. "Ich komme wieder Stück für Stück im normalen Leben an. Die Alpträume werden weniger, die Ängste bleiben."

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