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"Der Mauerschütze" gerät zum Liebes-Drama

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"Der Mauerschütze" gerät zum Liebes-Drama

04.08.2011, 10:53 Uhr | SKO, t-online.de

"Der Mauerschütze" gerät zum Liebes-Drama. Benno Fürmann und Annika Kuhl in "Der Mauerschütze" (Foto: NDR/Sandra Hoever/Filmpool)

Benno Fürmann und Annika Kuhl in "Der Mauerschütze" (Foto: NDR/Sandra Hoever/Filmpool)

Was als TV-Film um die Schuldgefühle eines ehemaligen DDR-Mauerschützen angekündigt wurde, entwickelte sich peu á peu zu einem Drama um Liebe, Eifersucht und die Leiden und den Tod eines krebskranken Jungen. Zu viele Handlungsstränge überlagerten das Kernthema um das Trauma des Ex-Grenzsoldaten Stefan Kortmann (Benno Fürmann), weshalb Fragen wie zur Rekrutierung der Soldaten oder zu den späteren Mauerschützenprozessen in dem 90-Minüter zu kompakt abgehandelt wurden. Geschuldet war dies vor allem der scheinbar schablonenartigen Adaption von Filmvorlagen wie dem preisgekrönten TV-Movie "Wolfsburg" (ebenfalls mit Fürmann), in dem der von Gewissensbissen getriebene Täter ebenfalls in Kontakt mit der Hinterbliebenen des Opfers tritt und sich in diese verliebt.

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Töten um Leben retten zu können

Der ARD-Film "Der Mauerschütze", den das Erste anlässlich des 50. Jahrestags des Mauerbaus am 13. August gestern ausstrahlte, zeigte die fiktionale Geschichte des ehemaligen DDR-Grenzsoldaten Stefan Kortmann. Im Gegenzug für sein berufliches Fortkommen (der Zulassung zum Medizinstudium in der DDR) hatte er sich als Zwanzigjähriger dazu bereit erklärt, als Grenzsoldat zu dienen und im Zweifelsfall auf Menschen zu schießen. Seine naive Hoffnung, dass es zu dieser Situation niemals kommt, zerbricht, als er und seine Kameraden an der Mauer ein flüchtendes Pärchen erwischen, den Mann töten und die schwangere Frau mit mehreren Schüssen schwer verletzen. Getrieben von seiner Schuld stürzt sich der spätere Arzt nach der Wende in seine Arbeit, um mit seinem Trauma, dass ihn seit den Todesschüssen verfolgt, irgendwie zurechtzukommen - was ihm aber so nicht gelingt.

Schießbefehl liefert keine Rechtfertigung

Dass sich Kortmann 20 Jahre nach den Todesschüssen dazu entschließt, der Frau des Getöteten (Silke Strehlow, gespielt von Annika Kuhl) seine Schuld zu beichten, ist angesichts bestehender Filmvorlagen zwar nicht neu. Zur Darstellung eines ehemaligen Mauerschützen, der sich aus Mangel an Beweisen niemals vor Gericht verantworten musste, seine Tat - anders als viele seiner Ex-Kameraden - trotz Nötigung per Schießbefehl aber auch nicht vor sich selbst rechtfertigen kann, durchaus praktikabel. Doch was dann folgte, hatte mit den spezifischen Schuldgefühlen eines Mauerschützen kaum mehr zu tun als mit denen jeden x-beliebigen, von Gewissensbissen geplagten Täters.

Film gerät zum Liebes-Drama

Verantwortlich dafür war die Fülle einzelner Handlungsstränge und die teils fantastischen Verwicklungen der einzelnen Charaktere. Erstens: Kortmann, der die mittlerweile als Fischerin an der Ostsee arbeitenden Silke Strehlow aufsucht, sich in sie verliebt und es dabei immer wieder verpasst, ihr seine Schuld zu gestehen. Zweitens: Der krebskranke Teenager Paul (brillant: Max Hegewald), der als Waise in Kortmann einen Ersatzvater sucht, sich ihm anschließt und sich obendrein in die Tochter von Strehlow verliebt, mit der diese bei ihrem Fluchtversuch schwanger war. Drittens: Kortmanns Lebensgefährtin Maria (ebenfalls überzeugend: Sandra Borgmann), die bei alledem die Betrogene abgibt und Kortmann dafür anprangert, dass er mit der unwissenden Strehlow geschlafen hat. Als wäre das alles nicht genug, widmeten die Macher um Produzent und Autor Hermann Kirchmann auch noch dem eifersüchtigen Verehrer und Fischer-Kollegen Strehlows einen, wenn auch nur kurzen Part.

Kurze Rückblenden ungenügend

Wünschenswert wäre gewesen, anstelle in eine Art Liebes-Schmonzette abzugleiten, Fragen wie zur Rekrutierung der meist jungen Grenzsoldaten, deren Strafen im Fall der Verweigerung oder zu den Mauerschützenprozessen mehr Platz einzuräumen. Zwar wurden solche Aspekte in kurzen Rückblenden aufgegriffen. So etwa, als Strehlow als Klägerin im Mauerschützenprozess vergeblich versuchte, den aus den DDR-Akten getilgten Mörder ihres Mannes dingfest zu machen. Unterm Strich waren diese Rückblenden aber eher alibihaft und dienten offenbar dazu, das geneigte Publikum bloß nicht mit zu langatmigen Hintergründen zu malträtieren.

Darsteller besser als der Plot

Zwar spielte Fürmann seine Rolle des von Gewissensbissen geplagten Ex-Mauerschützen glaubhaft. Jedoch mimte sich der 39-Jährige mit der fast immer gleichen Verzweiflungsmine durch den Film. Etwas facettenreichere Gefühlsregungen seinerseits hätten dem Werk sicher gut getan. Beispielhaft dafür war Annika Uhl, die - nachdem Kortmann Strehlow seine Schuld gestanden hat - deren Entsetzen völlig überzeugend zum Ausdruck brachte, aber auch ansonsten sehr lebensnah wirkte.

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