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Kannibalismus im TV: Holländische Moderatoren aßen Menschenfleisch

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Kannibalismus im TV: Holländische Moderatoren aßen Menschenfleisch

22.12.2011, 11:33 Uhr | dpa, t-online.de

TV-Skandal in den Niederlanden: Mit einer "Kannibalismus"-Show im holländischen Fernsehen sind die Grenzen des guten Geschmacks eindeutig überschritten worden. Zwei Moderatoren probierten in der Mittwochabend vom öffentlich-rechtlichen Sender BNN gesendeten Show Menschenfleisch - und zwar vom jeweils anderen.

Sie haben sich zum Fressen gern - und wurden vor laufenden Kameras zu "Kannibalen": Zwei niederländische Moderatoren sorgten für Aufregung, indem sie bei einer TV-Show Fleisch-Häppchen aus dem Körper des jeweils anderen verspeisten. Während der tiefere Sinn der Aktion im öffentlich-rechtlichen Sender BNN am Mittwochabend weitgehend unklar blieb, drohen nun vielleicht juristische Konsequenzen: Die Entnahme von gesunden Körperteilen ohne hinreichende medizinische Begründung ist auch in Holland verboten.

RTL: "Show war unmoralisch und widerlich"

In den Niederlanden, wo man Ästhetik-Tiefschläge im TV seit Jahren gewohnt ist, hielt sich die Aufregung in Grenzen. In internationalen Medien war die Empörung durchaus spürbar. Der US-Sender ABC sprach von "publicity-geilen TV-Show-Gastgebern". Im RTL-Magazin "Explosiv" hieß es, die Show könne man "als unmoralisch, ja sogar widerlich bezeichnen".

Niederländischer TV-Sprecher versteht Aufregung nicht

BNN-Sprecher Thijs Verheij fand die Aufregung um die populärwissenschaftlich angehauchte Show "Proefkonijnen" (Versuchskaninchen) unverständlich. "Die Sendung versucht halt, verrückte Fragen zu beantworten, diesmal wie Menschenfleisch schmeckt." Geklärt wurde das nicht. Die Moderatoren Valerio Zeno und Dennis Storm probierten zwar voneinander, lieferten aber keine erschöpfenden Beschreibungen dessen, was sich in ihren Geschmacksorganen abspielte.

Schönheitschirurg entfernte Fleisch aus dem Unterleib

Einige Tage vor der Sendung - so zeigten Videoeinspielungen - hatten sich die beiden jungen und attraktiven TV-Typen unter Beratung eines Metzgers entschieden, wo ihnen jeweils Fingerhut-kleine Fleischportionen entnommen werden sollten: Bei örtlicher Betäubung schnitt dann ein Schönheitschirurg bei Storm ein Stück aus dem Hintern und bei Zeno aus dem Unterleib.

Moderator: "Ich hab da kein Problem mit"

Im Studio bat ein Fernsehkoch zu Tisch, während er die Portiönchen in der Pfanne brutzelte und schließlich mit Karotte und Spargelstange servierte. Spannung und Raunen, zu Grimassen verzogene Gesichter, als Storm und Zeno probieren. "Ich hab da kein Problem mit, schmeckt echt nach Fleisch", sagt der eine. "Aber lecker ist es nicht", findet der andere.

Sender sorgte bereits mit Organspende-Show für Aufsehen

Vor fünf Jahren hatte der vor allem an einem jungen Publikum interessierte Sender schon einmal weltweit für Aufsehen gesorgt. Damals inszenierte BNN eine "Organspende-Show". Fünf Kandidaten, die eine neue Niere brauchten, sollten um das Spenderorgan einer jungen unheilbar kranken Frau kämpfen. Das wurde am Ende als Bluff entlarvt. Man habe nur auf den Mangel an Spenderorganen aufmerksam machen wollen. Immerhin ließen sich viele Holländer als Organspender registrieren.

"Chirurg, Koch und Esser haben sich strafbar gemacht"

Dass es nun zu Humanfleischspenden für hungrige TV-Moderatoren kommt, glaubt natürlich niemand. Dafür könnte die Sendung aber die Justiz beschäftigen, was die Programm-Macher wohl einkalkulierten: Am Ende wurde der Amsterdamer Promi-Anwalt Gerard Spong gefragt, ob das eigentlich legal gewesen wäre. Klare Antwort: Keineswegs. "Der Chirurg, der Koch und auch die Esser haben sich strafbar gemacht." Dem Arzt - seine Identität hält BNN geheim - könne sogar eine Strafe von bis zu vier Jahren Gefängnis drohen. Storm und Zeno könnten theoretisch als "Hehler des eigenen Fleisches" belangt werden.

Promi-Anwalt freut sich auf neuen Fall

Aber verteidigen würde Spong sie natürlich gern. Schließlich hat der Promi-Jurist Erfahrung mit bizarren TV-Fällen: 2009 hielt er in der vom Sender Nederland 2 ausgestrahlten Gerichtsshow "Advokat des Teufels" ein Plädoyer für Osama bin Laden. Dessen Schuld sei gar nicht hinreichend bewiesen. Prompt wurde der Chefterrorist vor laufenden Kameras von einer holländischen "Bürger-Jury" von dem Vorwurf "freigesprochen", Drahtzieher der Anschläge auf das World Trade Center in New York gewesen zu sein.

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