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Ex-Fernsehspielchefin Heinze: Drehbuch-Affäre war "großer Fehler"

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Ex-Fernsehspielchefin Heinze: Drehbuch-Affäre war "großer Fehler"

13.07.2012, 17:41 Uhr | dpa, dpa

Ex-Fernsehspielchefin Heinze: Drehbuch-Affäre war "großer Fehler". Ex-NDR-Fernsehspielchefin räumte vor Gericht Fehler ein. (Quelle: dpa)

Ex-NDR-Fernsehspielchefin räumte vor Gericht Fehler ein. (Quelle: dpa)

Vor knapp drei Jahren flog der Drehbuch-Skandal beim NDR um die Fernsehspielchefin Doris Heinze auf, die unter anderem für den "Tatort" verantwortlich war. Nun steht die 63-Jährige in Hamburg vor Gericht und hat gestanden, ihre einflussreiche Position ausgenutzt zu haben, um Stoffe von sich und ihrem Mann unter Pseudonym bei dem Sender unterzubringen. Heinze räumte ein: "Ich weiß, dass es ein irre großer Fehler war. (...) Ich hatte permanent ein schlechtes Gewissen." Die juristischen Folgen aber hätte sie sich nie ausmalen können, sagte Heinze.

Sie bedauere ihr Vorgehen, weil ihr viele Leute beim NDR vertraut hätten. Auf Projekte habe sie "zweifellos erheblichen Einfluss" gehabt, sie sei "sehr genau gehört" worden, erklärte Heinze. Als Motiv für ihr Verhalten nannte sie die damalige "Süßstoff-Debatte" in der ARD rund um das Jahr 2000 - eine Debatte über die Qualität der angeblich zu seichten Fernsehfilme. Plötzlich habe es "einen merkwürdigen Hautgout" bekommen, wenn Redakteure - wie früher üblich - selbst Drehbücher schrieben, sagte die Angeklagte. "Worauf die Sender vorher stolz waren, war plötzlich nicht mehr gewünscht."

"Ich fand die Stoffe wirklich gut"

Projekte von ihr und ihrem Mann wären daher schon deshalb nicht gemacht worden, weil es eben Projekte der Fernsehspielchefin und ihres Partners waren. Mit Hilfe der Decknamen "Marie Funder" und "Niklas Becker" habe sie die Stoffe dann aber realisiert: "Ich fand die Stoffe wirklich gut, und ich wollte sie einfach haben." Die Verträge seien zudem so gestaltet worden, dass weder "Marie Funder" noch "Niklas Becker" je Wiederholungshonorare bekommen hätten.

Obwohl sie wusste, dass sie "gegen die Stimmung im NDR verstoßen" habe, habe sie sich nie vorstellen können, wie ihr Verhalten juristisch bewertet wird, betonte die 63-Jährige. Es seien Drehbücher geschrieben und Filme produziert worden - sie habe nicht den Eindruck gehabt, dem Sender zu schaden. Heinze muss sich wegen schwerer Bestechlichkeit, schwerer Untreue und Betrugs vor Gericht verantworten. Auch ihr Mann und eine Filmproduzentin sind angeklagt.

"Ich fühlte mich mit meinem schlechten Gewissen allein"

Die Staatsanwaltschaft wirft Heinze verbotene Absprachen mit der Produzentin vor. Die Filmproduzentin habe zwar gewusst, wer hinter den beiden Pseudonymen steckt, sagte Heinze. Aber: "Wir hatten gar nichts vereinbart, wie das laufen soll. Darüber haben wir nie gesprochen. (...) Ich fühlte mich mit meinem schlechten Gewissen allein und wollte es auch bleiben."

Ihre Arbeit beim NDR habe sie mit "wahnsinnig viel Freude und Engagement" gemacht: "Und es war ja auch eine sehr erfolgreiche Zeit." Knapp 400 Drehbücher habe sie auf den Weg gebracht. Die 63-Jährige - sie trug einen Blazer, die blonden Haare waren zum Pferdeschwanz gebunden - sprach klar und deutlich, sie wirkte beherrscht.

Die Angeklagte kam erst am Nachmittag des zweiten Verhandlungstages zu Wort, den Vormittag hatten Formalien geprägt. Die Verteidigung der Filmproduzentin war mit einem Antrag gescheitert, dass die zuständige Wirtschaftskammer mit drei statt mit bisher zwei Berufsrichtern besetzt werden sollte. Ihren 133 Seiten langen Antrag, den sie stundenlang vortrugen, hatten die Anwälte mit dem Umfang und der Komplexität des Verfahrens begründet.

"Es ist wie ein Berufsverbot"

Das Ehepaar Heinze sprach nach Angaben des Ehemannes nicht viel über den Beruf. "Meine Frau und ich haben uns sehr bemüht, uns nicht ständig über unsere Arbeit auszutauschen", zitierte die Verteidigung der Produzentin aus einem Schreiben des heute 63-jährigen Autors. Das sei "vielleicht ein Fehler" gewesen. Das Schreiben unter Pseudonym - "eine künstlerische Herausforderung" - rechtfertigte der Mann auch mit dem Arbeitgeber seiner Frau. Die öffentlich-rechtlichen Sender hätten Schwierigkeiten damit gehabt, dass er mit Heinze verheiratet sei und gleichzeitig schreibe. Seit der Entlassung seiner Frau beim NDR seien viele Projekte auf Eis gelegt worden: "Es ist wie ein Berufsverbot, und alle warten auf eine Entscheidung."

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