19.11.2012, 16:42 Uhr | LS, t-online.de
Boris Aljinovic, Dominic Raacke und Ina Weisse im "Tatort: Dinge, die noch zu tun sind". (Quelle: ARD)
Darf man, wenn man selbst bald sterben wird, morden? Wenn die Opfer Drogendealer sind, die selbst Tod und Unheil über meist junge Menschen bringen? Diese - und noch viele andere Fragen - stellte der Berliner "Tatort: Dinge, die noch zu tun sind". Doch verhedderte er sich dabei in einer viel zu konfusen Story, blieb so manche Antwort schuldig und ergriff am Ende Partei für die Selbstjustiz.
Zu viel Schicksal, zu viele Konflikte: Die Handlung war einfach zu dick aufgetragen und zu konstruiert. Der Stoff um eine neue Designerdroge und Morde im Umfeld dieser Szene sowie eine krebskranke Drogenfahnderin (Ina Weisse) mit einem Mutter-Tochter-Konflikt hätte für zwei Filme gereicht. Einen Krimi und ein Drama. Entsprechend orientierungslos irrten die Kommissare Ritter und Stark (Dominic Raacke und Boris Aljinovic) durch den Fall.
Man kann so eine Geschichte natürlich verfilmen: Krebskranke Polizistin, die nur noch wenige Monate zu leben hat, die Probleme mit der Erziehung ihrer pubertierenden und in einen Drogendealer verliebten Tochter hat, und die sich vorgenommen hat, vor ihrem eigenen baldigen Tod noch ein paar führende Köpfe eines Drogenhändlerrings ins Grab zu bringen, weil denen mit rechtsstaatlichen Mitteln nicht beizukommen ist. Aber dann bitte als gesellschaftskritisches Drama um Moral und Recht. Und nicht als Kriminalfall.

"Tatort"-Regisseur Eoin Moore beklagt, dass es nur für Schweiger & Co. große Budgets gibt und warnt vor den möglichen Folgen.
Da der Film aber im Rahmen der ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod" lief, wurde die fiktive Story einer todgeweihten Polizistin ins "Tatort"-Korsett gepresst.
Und genau daran krankte der "Tatort". Man spürte, wie ihm ein Konzept übergestülpt wurde. Er konnte sich nicht entscheiden, ob er den Fokus auf die Klärung des Falles durch Ritter und Stark legen sollte oder auf die Entwicklung der Figur der Polizistin Melissa Mainhard (Ina Weisse). Hölzerne Dialoge und Sätze wie „Meine Seele ist voller Narben. Aber die Zeit heilt alle Wunden“, machten das Ganze nur noch schlimmer.
Mit seinem überraschenden Ende warf der "Tatort" dann eine weitere Frage auf, die sicher heiß diskutiert werden wird. Darf man eine Mörderin, auch wenn diese selbst nicht mehr lange zu leben hat, laufen lassen? Ist Selbstjustiz in so einem Fall tolerierbar? Denn genau das taten die Kommissare, nachdem sie endlich erkannt hatten, dass ihre Kollegin die Morde verübt hatte. Die Folge: ein weiterer Mord, wie man unmittelbar vor dem Abspann erfuhr. Es scheint eben Dinge zu geben, die noch zu tun sind…
Quelle: LS, t-online.de
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