22.11.2012, 15:04 Uhr | Nibo, t-online.de
Schuldnerberater Peter Zwegat scheint sich an seinem aktuellen Fall ein wenig die Zähne auszubeißen: Ein junges Paar samt Baby aus Daxweiler im Hunsrück rief den TV-Mann in seiner Sendung "Raus aus den Schulden" zur Hilfe, um einen stolzen Schuldenberg von rund 40.000 Euro abzubauen. Der Berliner tat sein Bestes, auch im Hinblick auf Baby Nils, doch am Ende sah man einen zerknirschten Zwegat aus dem beschaulichen Örtchen wieder abreisen, der die Zukunft des Paares mit deutlichen "Bauchschmerzen" sah.
Was war geschehen? Jenni lebt gemeinsam mit Freund Oliver und dem gemeinsamen Baby Nils in einer schnuckeligen Gartenlaube mit großem Grundstück mitten im Hunsrück. Doch die Idylle trügt. Das Dach des winzigen Häuschens ist undicht und schimmelt vor sich hin, es gibt weder Zentralheizung noch Kanalisation, der Garten ist verwahrlost, in einem trockenen Pool liegen Müll und Bauschutt. Allein die direkte Nachbarschaft zu Jennis Eltern, die unverzichtbaren Babysitter, ist ein Lichtblick.
Handwerksarbeiten kommen nicht voran, bzw. können nicht bezahlt werden, da es Jenni noch nicht einmal gelingt, den für den Hauskauf aufgenommenen Kredit abzustottern. Hinzu kommen unzählige leichtsinnige Versandhauskäufe auf Pump plus hohe Telefonschulden.
Freund Oliver ist keine große Hilfe. Obwohl er arbeitet, kann er mit einem monatlichen Einkommen von gut 1000 Euro nicht das Geringste zum Abtragen des Schuldenbergs beitragen. Bei ihm steht eine Geldstrafe wegen Vandalismus aus - er hat ein Denkmal mit Kohle beschmiert -, sowie nicht geleistete Unterhaltszahlungen für einen dreijährigen Sohn aus einer früheren Beziehung. Alles in allem schulden Jenni und Oliver ihren Gläubigern 40.000 Euro, wie Zwegat auf seinem berühmt-berüchtigten Whiteboard gnadenlos ausrechnet. Dabei kommt raus, dass Jenni immerhin ein wenig, Oliver jedoch überhaupt keine Ahnung von seinen "Verbindlichkeiten" hat.
Zu ihrem finanziellen Desaster kommen immer wiederkehrende Beziehungsprobleme hinzu. So hat Oliver Jenni schon einmal wegen einer anderen Frau verlassen, war ausgezogen, kam nach ein paar Wochen jedoch wieder zurück. Doch obwohl er Besserung gelobte, sitzt Jenni auch heute noch oft nächtelang alleine und fragt sich, wo ihr 28-jähriger Lebensgefährte wohl den Abend verbringt. Das Misstrauen sitzt tief bei der 24-Jährigen.
Peter Zwegat redet Oliver ins Gewissen und macht ihm klar, dass sie es nur gemeinsam schaffen würden, ihre Geldsorgen in den Griff zu bekommen. Oliver scheint das zu wissen, spricht aber davon, eben diese "Schwäche" zu haben, gerne auch Zeit mit seinen Freunden verbringen zu wollen.
Obwohl Zwegat ihnen abrät, kauft Oliver sich ein Auto und macht den Vorschlag, in eine größere, entferntere Wohnung zu ziehen. Jenni zögert. Das Auto ist gegen ihren ausdrücklichen Wunsch angeschafft worden, bei der Wohnung ist sie zuversichtlicher. Sie hofft, Oliver dann häufiger bei sich zu haben. Auf Zwegats Nachfrage, wie sie denn die teurere Miete und gegebenenfalls eine Betreuung für Baby Nils bezahlen wollen, da ja dann die Großeltern als Babysitter wegfallen würden, bleibt das Paar eine Antwort schuldig.
Am Schluss ist die teurere Wohnung gemietet worden und Baby Nils lebt in der Woche bei den Großeltern. Ob das wirklich die Lösung für eine rosige Zukunft der jungen Familie ist, wagt nicht nur der Schuldnerberater stark zu bezweifeln und tritt mit "Bauchschmerzen" die Rückreise nach Berlin an.
Quelle: Nibo, t-online.de
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