21.12.2012, 09:42 Uhr | sgü, t-online.de
Christina (Sarah Horváth, links) und Hanna (Lotte Flack) werfen "Liquid Ecstasy" ein - mit dramatischen Folgen. (Quelle: RBB/Oliver Feist)
Eine drogenschwangere Partynacht endet mit Vergewaltigung und Tod. Begann die Brandenburger "Polizeiruf"-Folge "Ein anderes Leben" vielversprechend mit dem Bilderrausch einer Club-Szene, flachte sie spannungsmäßig leider schnell ab. Außerdem hatte die Story logische Fehler. Sehenswert aber war die bedächtige und einfühlsame Ermittlerin Olga Lenski (Maria Simon) in ihrem ersten Einsatz nach der Babypause.
Die Rückkehr von Olga Lenski in den Ermittler-Alttag beginnt mit einer Mädchenleiche auf einem Schrottplatz. Es stellt sich heraus, dass die 18-jährige Christina (Sarah Horváth) vor ihrem Tod mit der Partydroge Liquid Ecstasy gefeiert hat - zusammen mit ihrer besten Freundin Hanna (Lotte Flack) und ihren Mitschülern Jan (Jannik Schumann) und Ditsche (Max von der Groeben).
Erschüttert stellen die Ermittler fest, dass die Eltern der Jugendlichen keinen blassen Schimmer davon haben, was ihre Kinder drogentechnisch so treiben. Während die einen besorgt aber hilflos sind, entsetzt Rechtsanwalt Henner Gottsched (Herbert Knaup) mit seiner Arroganz auch Sohn Jannik gegenüber. "Das Verhältnis zu ihm ist desaströs und lieblos", beschreibt es Schauspieler Knaup. Und dann ist da noch Joel Basman (Dennis Kuscinsky), den die Eltern komplett im Stich gelassen haben.
Die jungen Schauspieler machen ihre Sache gut, man kauft ihnen ihre Figuren ab. Die Story jedoch hat starke Lücken: In einer Szene zum Beispiel sucht Dennis Kuscinsky Olga Lenski wie selbstverständlich zu Hause auf. Wie aber soll er an ihre Privat-Adresse gekommen sein? Auch die Szene, in der Lenski in seine Wohnung eindringt, wirkt seltsam: Wieso hat Kuscinsky die Haustür offen gelassen, wo er doch so viel zu verbergen hat? Auch die Sprüh-Aktion an seiner Wohnungstür wirkt aufgesetzt und total unglaubwürdig.
Herbert Knaup spielt den ignoranten, gefühl- und gewissenlosen Täter überzeugend. Auch das zerrüttete Verhältnis zu seinem Sohn kann der Zuschauer nachvollziehen. Aber die unerwartete Wendung am Schluss, die Olga Lenski auf seine Fährte bringt, wirkt total konstruiert und allzu bemüht. Zwei belastende Falschaussagen werden plötzlich entlarvt, ein Handy wie durch Zauberei gefunden, und schon geht die Aufklärung des Falles in einer ganz andere Richtung.
Obwohl diese "Polizeiruf"-Folge kein Krimi-Highlight war, freuen wir uns dennoch auf Lenskis und Krauses nächsten Ermittlereinsatz: Bereits in ihrer ersten "Polizeiruf"-Folge "Die verlorene Tochter" hatte Maria Simon einen verheißungsvollen Einstand als Ermittlerin gefeiert. Auch in ihrem dritten Fall zeigte sie eine großartige Bildschirm-Präsenz. Sie spielte die frischgebackene und allein erziehende Mutter authentisch und angenehm unaufgeregt. Auch ihr Sidekick Horst Krause ist mit Sicherheit allen "Polizeiruf"-Fans ans Herz gewachsen. Er wirkt wie ein Relikt aus alter Zeit, das hoffentlich niemals aus der Mode kommen wird...
Quelle: sgü, t-online.de
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