Pocher, Pflaume, Gottschalk und Jauch
Promi-Spielshows sind der TV-Trend in diesem Herbst01.09.2013, 13:17 Uhr | LS, dpa, t-online.de
Ob Pocher, Pflaume, Gottschalk und Jauch oder Raab - Kampfspielshow mit Promis sind im Herbst 2013 Trend. (Quelle: dpa)
Tritt im Fernsehen eine Art Rückbesinnung ein? Nach dem Abstieg der lange als Quotenbringer gefeierten Castingshows scheinen die Fernsehsender auf einen neuen Zug zu springen: Kampfspielshow mit Promis - in allen möglichen Variationen. Gleich mehrere dieser Formate - altbekannte wie nagelneue - kommen im Herbst 2013 auf die Bildschirme: "Schlag den Raab", "Alle auf den Kleinen", "Klein gegen Groß - Das unglaubliche Duell", "Die Show der unglaublichen Helden", "5 gegen Jauch" oder "Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen Alle" sollen nach Ansicht der Sender die Zuschauer beglücken.
Es wirkt ein bisschen so, als hätten ProSieben, RTL, die ARD oder auch das ZDF eine neue Super-Idee gefunden, um ihr Programm zu füllen und die Leute zum Einschalten zu bewegen. Eine ganze Lawine von Spielshows der Machart "XYZ gegen wen auch immer" steht in den Startlöchern. Große Nummern der Show-Branche treten gegen Kandidaten, Kinder oder gleich gegen das ganze Land an.
Vorläufiger Höhepunkt ist der kommende Samstag (7.September): Dann laufen parallel im Hauptabendprogramm Oliver Pocher (35) und sein Spektakel "Alle auf den Kleinen" bei RTL und Stefan Raab (46) mit der inzwischen 42. Ausgabe von "Schlag den Raab" bei ProSieben. Zeitgleich setzt die ARD die Familienshow "Frag doch mal die Maus" mit Eckart von Hirschhausen (46) dagegen - auch sie ist mit einem prominenten Rateteam bestückt.
Bei Raab geht es diesmal um einen Jackpot in Höhe von zwei Millionen Euro. Der Spaßvogel stellt sich wieder einem Herausforderer, der es wie alle seine Vorgänger in 15 Spielen schaffen muss, den Showmaster zu besiegen. Pocher hat es in dem recht ähnlichen Showformat mit drei Gegnern zu tun, die im Falle eines Sieges 100.000 Euro mit nach Hause nehmen können. "Alle auf den Kleinen" war bislang immer freitags zu sehen und steht jetzt erstmals an einem Samstag im Programm.
Zwei Tage nach dem Pocher/Raab-TV-Duell aus der Ferne startet bei RTL an einem Montag das Duo Günther Jauch (57) und Thomas Gottschalk (63) mit der neuen Show "Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen Alle".
Die ARD lässt am 26. September den wiederbelebten Showklassiker "Dalli Dalli" unter dem Titel "Das ist Spitze!" mit Kai Pflaume (46) vom NDR Fernsehen ins Erste springen. Darin kämpfen wie früher beim ZDF-Star Hans Rosenthal (1925-1987) Promis in Zweier-Teams gegeneinander.
Für den 10. Oktober hat die ARD außerdem "Die Show der unglaublichen Helden" mit Promis im Generationenduell und dem Moderator Matthias Opdenhövel (43) angekündigt. Ein junger Kandidat tritt gegen eine lebende Legende wie zum Beispiel Olympia-Sieger Klaus Wolfermann oder Willi "Ente" Lippens an.
Das Zweite plant derweil nach Informationen des Branchendienstes "DWDL.de" mit dem ZDF-Rückkehrer Johannes B. Kerner (48) im Herbst eine Zeitreise-Show, in der Promi-Teams Fragen zu verschiedenen Epochen beantworten müssen.
Die Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher von der Universität Hamburg erklärt den Trend zur Star-Spielshow wie folgt: "Programmverantwortliche setzen Prominente zur Bewältigung von Quotenkrisen ein." Dazu zählten auch Promis als Gameshow-Kandidaten. "Das ist nicht neu, tritt aber derzeit gehäuft auf, weil sich die Sendeanstalten wechselseitig beobachten und kopieren."
Ein spannender Aspekt bei Spielshows sei immer das Prinzip des offenen Ausgangs, sagt Bleicher. "Schadenfreude stellt sich beim Scheitern natürlich auch ein. Gerade das Versagen von Prominenten kann zur Selbstbestätigung der Zuschauer beitragen."
Bleicher glaubt aber nicht, dass nur noch große Namen im Fernsehen zählen: "Es gibt immer noch viele Reality-Formate mit Laiendarstellern." Und auch Talentshows verschwinden nach Bleichers Einschätzung noch nicht ganz aus dem Fernsehen: "Castingshows haben sich ja mittlerweile stark ausdifferenziert und werden auch weiterhin ein Programmbestandteil bleiben." Dennoch ist sich die Medienwissenschaftlerin sicher: "Das Qualitätsniveau ist nach wie vor nach unten offen. Kindergeburtstage für Erwachsene mit Z-Prominenten werden uns wohl nicht erspart bleiben."
Eine andere Analyse kommt von einem Fernsehmacher: In einem "DWDL.de"-Interview sagte kürzlich Marcus Wolter, der Deutschland-Chef des TV-Produzenten Endemol ("Wer wird Millionär?", "Promi Big Brother"), er halte Spielshows für "hochaktuell". "In einer Zeit, in der immer mehr Menschen immer weniger mit ihren Händen arbeiten, ist eine Game-Show für viele ein gelungener Ausgleich, eine Entkopfung des Alltags auf Zeit."
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01.09.2013, 13:17 Uhr | LS, dpa, t-online.de
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