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Stefan Raab hört auf: Der Zirkusdirektor verlässt die Manege

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Kommentar  

Der Zirkusdirektor verlässt die Manege

18.06.2015, 15:55 Uhr | t-online.de

Stefan Raab hört auf: Der Zirkusdirektor verlässt die Manege. Der Zirkusdirektor verlässt die Manege: Stefan Raab hat seinen TV-Rücktritt erklärt. (Quelle: dpa)

Der Zirkusdirektor verlässt die Manege: Stefan Raab hat seinen TV-Rücktritt erklärt. (Quelle: dpa)

Ein Kommentar von Denis Mohr

Unter allen Metaphern, die in den kommenden Tagen für den scheidenden Groß-Entertainer Stefan Raab gesucht und gefunden werden, ist die des klassischen Zirkusdirektors vielleicht die zutreffendste.  Denn wie ein Zirkusdirektor weiß Raab, dass hinter all dem Spektakel in der Manege, den dressierten Löwen oder Trapezeinlagen viel harte Arbeit, exakte Planung und eiserne Disziplin stecken.

Dass in Raabs Händen alles zu purem Gold wird, was er anpackt, ist als Allgemeinplatz ebenso zutreffend wie irreführend. Irreführend deshalb, weil es Assoziationen mit dem sagenhaften König Midas weckt, der trotz seines plumpen Wesens von den Göttern die Gabe verliehen bekam, alles in das begehrte Edelmetall zu verwandeln.  Nichts könnte weniger wahr sein. Wenn Raab bei Kritikern und Fans  bisweilen den Eindruck der Plumpheit erzeugt, dann allein deshalb, weil er das so will.

Ein Spötter und Clown?

Der gelernte Metzger aus Köln inszeniert sich am liebsten als schandmäuliger Spötter und herumalbernder Clown, der die Grenzen des guten Geschmacks nicht achten mag. Aber das allein, und nicht mehr, ist es: eine Inszenierung. Wie kaum ein anderer besitzt Raab ein untrügliches Gespür für die Mechanismen des modernen TV-Geschäfts. Als guter Zirkusdirektor weiß er, dass die Menschen zu ihm kommen, um Clownerie und Bohei serviert zu bekommen. Dass hinter den Kulissen ein überaus cleverer, kühl kalkulierender Macher mit außergewöhnlichem Sinn für Marktlücken am Werk ist, darf das Publikum im bunten Reigen der großen Events gerne vergessen.

UMFRAGE
Stefan Raab hört auf. Hat er den richtigen Zeitpunkt getroffen?

Wie gut Raab die Regeln der Branche versteht, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er in der Lage ist, alles in der Dimension der "Show" zu denken. Als er  2012 ankündigte, das breite Angebot seiner "TV total"-Ableger (Promi-Boxen, Wok-WM, Turmspringen,  Stock Car Challenge, Autoball, "Schlag den Raab") um eine Polit-Talkshow mit dem Titel "Absolute Mehrheit" zu ergänzen, wurde er in einem "Spiegel"-Interview nach dem Sinn dieses Vorhabens gefragt. Immerhin gebe es ja schon zahlreiche solcher Plauderstunden im Fernsehen.

Wenn sie Show wollen, dann gib ihnen Show

"Dass die anderen einen bisher oft ins Koma senden, heißt ja nicht, dass das nicht spannender geht", erwiderte Raab und sprach damit das zentrale Mantra einer ganzen Branche aus: Wenn sie Show wollen, dann gib ihnen Show. Auch, und vielleicht sogar vor allem, beim drögen und sperrigen Thema Politik. Dass er mit seiner Entertainisierung eines angestaubten Formates den direkten Vergleich mit dem damaligen Nummer-eins-Talker Günter Jauch suchte, war für Raab Ehrensache. Wer siegen will, muss bereit sein, sich zu messen.

Die Lust am Sichmessen, die Freude am Duell ist ohnehin ein Charakterzug, der Raabs Wirken prägt. Bisweilen schien es, als schaffe er sich mit seinen Show-Ideen lediglich Plattformen für den eigenen Ehrgeiz. In Shows wie "Schlag den Raab" ging er persönlich zu Werke und zeigte authentische Hingabe. Aber auch mit den Formaten selbst suchte er, wenn auch zumeist hinter satirischer Anmutung verborgen, die Konfrontation.

Als beispielsweise RTL mit "Deutschland sucht den Superstar" Traumquoten einfuhr, setzte Raab SSDSGPS ("Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star") dagegen. Während der Name eine offenkundige Blödelei war, mit der Dieter Bohlens Konkurrenzformat verulkt wurde, legte die Sendung an sich Wert auf musikalische Qualität – und erhielt dafür den angesehenen Adolf-Grimme-Preis. Hier zeigt sich vielleicht mehr als bei vielem anderen, was er getan hat, der Zirkusdirektor Raab: Dem ersten Anschein nach ist alles Geste und Getöse. Allerdings nur dem Anschein nach. Stefan Raab hat seinen TV-Rücktritt bekannt gegeben. Der Zirkusdirektor verlässt die Manege. Was bleibt, sind Zuschauer, die darauf warten, dass die Show weiter geht und endlich jemand die nächste Nummer ansagt. Sie werden eine Weile warten müssen.

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