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"Tatort: Die Wahrheit": So gut war der München-"Tatort" am Sonntag

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"Tatort: Die Wahrheit"  

Deprimierend gut und realistisch wie selten - bis zum nicht vorhandenen "Happy End"

24.10.2016, 13:48 Uhr | Jessica Hornig, t-online.de

Tatort: Wahrheit - Ein brutaler Mord auf offener Strasse. (Screenshot: Bit Projects)
Ein brutaler Mord auf offener Strasse

Tatort: Wahrheit Ein brutaler Mord auf offener Strasse.Ein Opfer, dass nur Helfen wollte. Damit haben die Münchener Kommissare Batic und Leitmayr zu kämpfen. Zu kämpfen haben die langjährigen Polizisten aber auch mit ihrer Arbeit. Ermittlungsfrust, Überforderung und Perspektivlosigkeit. Vor allem Batic geht es schlecht. Und das scheint bei so einigen Tatorten in der letzten Zeit das Rezept zu sein. Ein Mord und verbrauchte Kommissare. Der Tatort: „Wahrheit kann auf die Stimmung drücken“ . Trotzdem, die Schauspieler überzeugen. Vor allem die Darsteller der beiden abgearbeiteten Kommissare legen eine Glanzleistung hin. Der aktuelle Tatort ist schon beinahe mehr Drama als Krimi. Der Fall geht an die Nieren. Die Einblicke in den Berufsalltag der Fernsehkommissare sind düster und werden mit eben solchen Bildern eingefangen. Wer diese Stimmung am Sonntag Abend mag, der sollte sich diesen ansonsten durchaus bemerkenswerten Film unbedingt ansehen.

Ein brutaler Mord auf offener Strasse


Spannende Ermittlungsarbeit, schnelle Ergebnisse und nach 90 Minuten ist der Täter hinter Gittern - so läuft es üblicherweise im "Tatort" ab. Doch der Münchener Fall "Die Wahrheit" brach drastisch und schonungslos mit dieser Tradition. Was den 73. Fall von Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) umso außergewöhnlicher machte.

Der nicht nachvollziehbare, völlig sinnlose Mord an Ben Schröder (Markus Brandl), offenbar aus purer Lust am Töten ausgeführt, hatte für Batic, Leitmayr und die Angehörigen des Opfers nichts als Leid zur Folge. Genau das inszenierten Drehbuchautor Erol Yesilkaya und Regisseur Sebastian Marka in einem "Tatort", der erschreckenderweise näher an der Realität gewesen sein dürfte, als dem Zuschauer lieb sein kann. 

Realität hält im "Tatort" Einzug

Erbarmungslos legte dieser Fall offen, dass Polizeiarbeit im Normalfall weder glamourös noch lustig oder gar automatisch erfolgreich ist. So brach er auch konsequenterweise mit dem ungeschriebenen "Tatort"-Gesetz, dass am Ende die heile Welt wiederhergestellt sein soll. Stattdessen musste Batic lügen, um Ayumi Schröder (Luka Omoto) den dringend benötigten Seelenfrieden und die Chance auf einen Neuanfang zu verschaffen. Gleichzeitig blieb dies Leitmayr offensichtlich versagt - in seinem Kopf spukte der Fall auch nach dem Abschluss der Ermittlungen weiter herum.

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"Happy End" - fast unmöglich

Wie hätte es bei diesem schrecklichen Mord an einem einfach nur hilfsbereiten Menschen aber auch ein Happy End geben können? Diese Möglichkeit schloss die gesamte Inszenierung des Krimis - mit melancholischer Musik und trist grauer Bildsprache - fast von vornherein aus. Hier ging es vornehmlich darum, wie zermürbend sich die verzweifelte, qualvolle Suche nach der Wahrheit auf die Beteiligten auswirkte - was der "Tatort" eindringlich und überzeugend darstellte.

Kommissare am Rand der Verzweiflung

Batic, sowieso schon neben der Spur, steigerte sich in seine Wut und Verzweiflung hinein und erlitt sogar eine Panikattacke - angesichts seiner Verfassung rechnete man jederzeit mit Schlimmerem. Gleichzeitig lieferte er mit seiner emotionalen Bindung an die Witwe und deren Sohn Taro (Leo Schöne) den einzigen positiven, empathischen Lichtblick in diesem düsteren Fall.

Leitmayr, zunächst scheinbar der Vernünftige, Strukturierte der beiden, verrannte sich dagegen als Soko-Chef, wurde von seinem Vorgesetzten zusammengestaucht wie selten ein "Tatort"-Kommissar vor ihm und verlor immer mehr den Glauben an den Sinn seiner Arbeit: "Unser Leben ist der Tod. Immer nur Leichen. Vielleicht ist der ganze Beruf ein Fehler", sinnierte er irgendwann frustiert.

Abschied von der Fallanalytikerin geht fast unter

Dass die beiden die Leiterin der Operative Fallanalyse Christine Lerch (Lisa Wagner) erst nach Wochen und Monaten vergeblichen Ermittelns hinzuzogen, erscheint zwar etwas unlogisch, aber wiederum auch nicht unwahrscheinlich. Schade nur, dass ihr Abschied aus München inmitten des Falls fast unterging. Andererseits passte es ins Bild: Lerch und ihre Darstellerin hatten neben dem starken Kommissar-Duo noch nie genug Platz.

Immerhin lieferte die Fallanalytikerin den beiden Ermittlern den dringend benötigten Perspektivwechsel, der tatsächlich zu dem arroganten und überheblichen Verdächtigen Murat Günes (Cem Ali Gültekin) führte - der sich durch sein Verhalten prompt selbst zum nächsten Opfer machte.

Der Täter blieb ein Phantom

Das dramatische, thrillerartig inszenierte Finale, in dem Ayumi Schröder in ihrem Haus überfallen wurde, ließ bei der düsteren Stimmung, die der "Tatort" zuvor aufgebaut hatte, schon das Schlimmste befürchten. Doch hier hatte der Drehbuchautor Mitleid und ließen die Frau leben. Aber nur, um Ermittlern wie Zuschauern gleich den nächsten Schlag zu versetzen: Dieser Täter konnte zwar überführt werden, doch auch er war nicht der Mörder von Ben Schröder. Der blieb selbst nach 90 Minuten ein nicht greifbares Phantom.

Batic und Leitmayr am der Grenze ihrer Belastbarkeit - das ging auch am Zuschauer nicht spurlos vorbei. Im Gegenteil: Man litt über 90 Minuten mit. "Die Wahrheit" blieb letztlich auf der Strecke, dafür wurde eine andere Erkenntnis umso deutlicher: Auch nach über 25 Dienstjahren sind die Münchener noch in der Lage, Großes zu leisten und zu überraschen. Selbst wenn es weh tut.

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