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"Tatort"-Kritik: Frankfurt-Fall war nur mäßig spannend - dafür lustig

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Brix und Janneke im "Wendehammer"  

Hollywood zu Gast in Frankfurt: unterhaltsamer "Tatort" zitierte Filmklassiker

19.12.2016, 07:27 Uhr | Nina Bogert-Duin, t-online.de

„Tatort“: Digitale Verschwörung in der Vorstadthölle. (Screenshot: Bit Projects)
„Tatort“: Digitale Verschwörung in der Vorstadthölle

Der liebe Herr Abendroth wurde ermordet! Da ist sich seine Nachbarin Betti Graf sicher. Und den Mörder kennt sie auch schon: Es war Nils Engels, der ebenfalls in der Siedlung wohnt. Die Kommissare Brix und Janneke haben es mit der Geschichte einer alten Dame zu tun, an der vielleicht doch mehr dran ist… Der Tatort Wendehammer aus Frankfurt ist lustig, ironisch - und überladen. Im Gegensatz zu den Slapstickeinlagen ist die Story wenig gelungen. Zu viele Nebenschauplätze lassen den Zuschauer bald den Überblick verlieren. Doch zum Glück tritt die Geschichte ohnehin in den Hintergrund. Stattdessen dürften Filmnerds ihren Spaß haben, denn die Macher haben zahlreiche Zitate aus Hollywoodklassiker im Krimi versteckt. So kommt es zu einem unterhaltsamen Tatort, der jedoch nicht im Gedächtnis bleiben wird.

„Tatort“: Digitale Verschwörung in der Vorstadthölle


Na, haben Sie alle entdeckt? Der Frankfurter "Tatort: Der Wendehammer" führte am Sonntag nicht nur die Kommissare Brix (Wolfram Koch) und Janneke (Margarita Broich) in eine deprimierende, biedere Nachbarschaft, sondern jonglierte virtuos mit unzähligen Filmzitaten. Von Hitchcocks "Die Vögel" über "Harry Potter" und "Pulp Fiction" war alles dabei. Ein Krimi, der Spaß machte.

Worum ging es? Nachdem die kauzige Krimiautorin Betti (Cornelia Froboess) ihren Nachbarn Herrn Abendroth als vermisst gemeldet hatte, begaben sich die Kommissare Brix und Janneke auf die Suche und wurden in der idyllischen Frankfurter Vorstadt in eine gruselige Vorhölle katapultiert: den Wendehammer eines biederen Wohngebietes. Kreischende Laubbläser, eisern verteidigte Rasenstücke und trutzburgartige Bungalows - bewohnt von einer gruseligen Schar von Nachbarn, die in jedem schrägen französischen Hinterhoffilm Platz gefunden hätten.

Die Trutzburg in der Familiensiedlung

Das schaurigste Anrainer-Exemplar war der neu hinzugezogene Ni

ls Engels. Das von der Oma geerbte Haus in eine regelrechte Überwachungszentrale verwandelt, schien der junge Mann jedem in seiner Umgebung zu misstrauen. Er mochte weder Haustiere noch Kinder - und große Bäume, die zu nahe an der Grenze zu seinem Grundstück stehen, auch nicht. Er scannte Haus und Auffahrt mit Kameras und Monitoren und sicherte alles mit einem Elektrozaun.

Den Polizisten erklärte Computernerd Engels, dass IT-Gangster aus den USA einen von ihm entwickelten, wertvollen Algorithmus klauen wollen und er sich deshalb abschirmen muss und einen sogenannten "Safe-Room" in seinem Keller gebaut hat. Allen Nachbarn ging sein Getue auf die Nerven.

Zu viele Nebenschauplätze

So weit der Plot. Es hätte genügt, die Inszenierung auf diesen Wendehammer samt Bewohner zu beschränken. Doch Regisseur Markus Imboden wollte mehr. Und so legte er noch einen Computervirus obendrauf, der ganz Frankfurt verdunkelte, eine verschollene Schwester im Kloster, ein Familiendrama in der Vergangenheit. Puzzleteile, jedes für sich ein kleines Minidrama, für den Fortgang des "Tatort" aber kaum ausschlaggebend.

Slapstickeinlagen gelungen

Auch an Slapstickeinlagen hat diese Episode nicht gespart. Gott sei Dank haben es die Filmemacher hier verstanden, sich in keinster Weise an der Witzmanier der großen Klamaukvorbilder aus Münster zu orientieren. Den Frankfurtern wird ein ganz eigenes Comedykorsett verpasst - und das funktioniert.

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Ob es nun die entsetzte Mimik von Margarita Broich ist, als die Spurensicherung Im Hause Engels ein tiefgekühltes Schoßhündchen nach dem anderen aus der Kühltruhe angelt, ihr Aufschrei, als sie versehentlich den Augapfel eines Toten durch den Obduktionssaal pfeffert oder Wolfram Kochs verkaterte Ermittlungen mit Sonnenbrille und knochentrockenen Kommentaren: Hier schien ein ganzes Team Spaß am Spaßmachen gehabt zu haben.

Hitchcock, Tarantino und 007

Ein besonderes Schmankerl für die Zuschauer war zudem das großzügige Zitieren anderer Filme. Als Brix' Mitbewohnerin Fanny ihren Geburtstag feiert, wird ausgiebig getanzt und Anna Janneke legt eine exakte Kopie von Uma Thurmans Tanz aus "Pulp Fiction" hin - dieselbe Musik (Chuck Berrys "You Never Can Tell"), dieselben "Augenwischer"-Gesten.

Dann sitzt vor dem Haus von Engels stets eine "Harry Potter"-Eule auf einer Straßenlaterne und bewacht als Spion den Wendehammer, Janneke zieht eine Norman-Bates-Perücke aus der Mülltonne ("Psycho") und am Schluss explodiert ein Flugzeug während des Startvorgangs in schönster 007-Manier. Ein Feuerball am Himmel. Nicht zu vergessen die Box voller Tauben, die Brix im Polizeipräsidium öffnet: Wie in Hitchcocks Klassiker "Die Vögel" wird er von den Tieren umflattert. Der Sinn der Szene erschließt sich allerdings nicht.

Fazit: Weniger wäre noch mehr gewesen

Die Idee, eine kleinbürgerliche Vorstadtwelt voller mysteriöser Bewohner zu schaffen, hat gut funktioniert. Die zusätzlich aufgenommenen Nebenschauplätze waren allerdings überflüssig, die Krimihandlung war ohnehin nur von beiläufiger Natur.

Böse Zungen könnten behaupten, die deutliche Anlehnung an erfolgreiche Hollywoodfilme geschah mangels eigener Ideen - hier machte sie jedoch Spaß und passte in den allgemeinen Ironie-Charakter des Krimis. Das Frankfurter Team - im "Wendehammer" unterlassen Brix und Janneke das ewige Katze-Hund-Gezanke - nahm sich ab und zu selbst auf die Schippe. Und das tat gut im Dschungel der oft so egostarken "Tatort"-Kommissare.

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