Sie sind hier: Home > Unterhaltung > TV & Kino >

TV-Kritik zum "Tatort": Hochpolitischer Fall aus Köln wollte zu viel

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

So war der "Tatort: Wacht am Rhein"  

"Der Mord als tragischer Unfall"

16.01.2017, 10:29 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

Tatort: Wacht am Rhein. (Screenshot: Bit Projects)
"Tatort: Wacht am Rhein" wird düster

Bei einem Überfall auf eine Zoohandlung wird der Sohn des Ladenbesitzers erschossen. Wenig später entdeckt Bürgerwehr-Mitglied Adil Faras einen jungen Mann, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem unbekannten Täter hat. Kurzerhand nimmt er das Gesetz selbst in die Hand und foltert den Mann in seinem Keller. Doch hat er wirklich den richtigen? Der Tatort „Wacht am Rhein“ bezieht sich auf die Kölner Silvesternacht 2015/2016. Die Bürger sind verunsichert, gründen Bürgerwehren, doch rassistisch will niemand sein. Für die Kommissare Ballauf und Schenk ein schwieriger Fall, denn ihr Hauptverdächtiger ist eben nicht der im Keller gefesselte Baz Barek. Eine Krimi zwischen Lynchjustiz, Angst und der Aufarbeitung der Vorkommnisse am Kölner Hauptbahnhof. Wer Lust auf einen gesellschaftlich relevanten Film hat, sollte unbedingt einschalten. Für alle anderen wird es Sonntagabend ein eher ermüdender Wochenabschluss.

"Tatort: Wacht am Rhein" wird düster


Die Stadt Köln hat viel aufzuarbeiten - und das haben die "Tatort"-Macher alles in ein Drehbuch gepackt: Der "Tatort: Wacht am Rhein" wollte zu viel und dabei auch noch politisch korrekt sein.

Mehr zum Thema

"Der Mord als tragischer Unfall", ist Freddy Schenks Erkenntnis am Ende. Kein Motiv, dafür ein tragisch-unglücklicher Täter in einem aufgeheizten Milieu voller Hass, Fremdenfeindlichkeit und populistischer Parolen. Ein Vater, der seinen eigenen Sohn erschießt. Er hatte das Gerücht gestreut, viel Bargeld im Laden zu haben, das lockte Räuber an. Im Dunkeln traf er den Falschen. Er hatte sich illegal eine Waffe besorgt und einen Mord billigend in Kauf genommen. 

Fall gelöst - neuer Mord

Der Fall ist gelöst, aber zu spät. Noch ein Opfer des Fremdenhasses wird in den letzten Krimi-Minuten zum Mörder. Der im Keller des Bürgerwehr-Mitglieds eingesperrte und gefolterte Student aus Tunesien, Baz Barek (Omar El-Saeidi), ersticht seinen Peiniger, den gut integrierten Marokkaner Adil Faras (Asad Schwarz), der sich in eine Situation verrannt hatte, aus der er nicht mehr herausfand.

UMFRAGE
Welche Schulnote geben Sie dem "Tatort: Wacht am Rhein"?

Der Krimi endet mit vielen Verhaftungen: zwei Mörder, ein Volksverhetzer, ein marokkanischer Dealer, eine Misshandlerin. Alle sind Opfer ihres Hasses geworden.

Viele Typen - stark überzeichnet

Wer war gleich noch die Hauptperson? Dieser "Tatort" präsentierte so viele Typen, wollte eine Mischung eines deutschen Multikulti-Viertels abbilden und hat dabei stellenweise stark überzeichnet; beispielsweise bei der hippen gutherzigen Webdesignerin oder der deutschen Spießerwohnung mit den altmodischen, schrecklich gemusterten Tapeten.

Nur Verlierer - keine Helden

Ausländerfeindlichkeit, Rechtspopulismus und Wutbürger auf der einen Seite, auf der anderen kleinkriminelle Marokkaner, die sich als Syrer ausgeben und Dealer. Daneben geht es um unschuldige Tunesier, die in Deutschland studieren, bestens integrierte Marokkaner, um sexuelle Belästigung, um frustrierte Polizisten und Deutsche, deren kleinbürgerliche Existenz im "Veedel" gescheitert ist. Viele Gesichter rund um diese eine Ecke mit der Zoohandlung im Viertel als Dreh- und Angelpunkt. Am Ende gab es nur tragische Verlierer und keine Helden. Ein düsteres Deutschlandbild, mit viel Hass, Zynismus und Naivität, untermalt von schwermütiger Musik.

Was fehlt

Es fehlt das Lokalkolorit. Was hätte mehr Symbolkraft in diesem Themenumfeld als der Kölner Dom und die Domplatte? Doch dies erscheint im Film nicht.

Vielfalt strapaziert die Aufmerksamkeit

Wenn es Absicht der Tatort-Macher war zu zeigen, dass in einem Stadtviertel viele Charaktere und Lebensgeschichten Platz haben, die nur lose verknüpft sind, dann ist das gelungen. Für die Handlung des Krimis und die Aufmerksamkeit des Zuschauers war das eine große Hürde.

Dominiert hat der selbstgerechte Wutbürger Dieter Gottschalk, gespielt von Sylvester Groth und natürlich die beiden Kommissare. Die ungleichen Partner Ballauf und Schenk diskutieren über die Misere der Polizei - viel Arbeit, wenig Personal, viel Frust, wenig Anerkennung.

Die Typen waren klug besetzt: Die tätowierte Webdesignerin, die das Gute in den Ausländern sieht und helfen will. Der Marokkaner, der seinen guten Ruf von den neuen Einwanderern wie dem kleinkriminellen, dreisten Khalid gefährdet sieht. Und vor allem Sylvester Groth als  übereifriger, selbstherrlicher Anführer der Bürgerwehr, Dieter Gottschalk.

Dialoge spiegeln die Befindlichkeiten

Die Dialoge brachten die skizzierten Stimmungen und Befindlichkeiten auf den Punkt. Die Rechtfertigung des Täters Peter Deisböck beispielsweise: "Wenn man sich in seinen eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlt, dann ist man hilflos. Dann ist man diesen Leuten ausgeliefert und die wissen das. Wenn du dich in deinem eigenen Land nicht mehr sicher fühlst - wo dann? Ich wollte einfach meinen Seelenfrieden."

Oder die Klage des Ladenbesitzers aus Marokko, Adil Faraz, gegenüber dem vermeintlichen Täter, den er im Keller mit Prügel und Elektro-Tasern malträtiert: "Ich war immer stolz auf mein Land, unsere Werte, unsere Gastfreundschaft. Es war gut Marokkaner zu sein. Man hat mich respektiert hier im Viertel. Aber ihr kommt hierher und macht das kaputt."

Zu viel gewollt

Wie gesagt, Köln hat viel aufzuarbeiten und es ist wichtig, gesellschaftliche Debatten - gerade solche bundesweit emotional geführten - aufzugreifen. Aber wie so oft, wenn man zu viel will, leidet das Gesamtbild darunter.

Es war der zweite "Tatort" in Folge, dessen Handlung sich um das Thema Ausländerfeindlichkeit rankt. Die ARD tut sich mit dieser mangelnden Absprache der Sendeanstalten keinen Gefallen.

Die braunen Netz-Trolle haben sich nach dem letzten Tatort "Kein schöner Land" aus Frankfurt schon warmgelaufen. Es wird interessant, wie die Netzgemeinde reagiert, fremdenfeindliche Hasskommenatre dürften zu erwarten sein.

Nächsten Sonntag hat Deutschland Pause. Dann jagen die Wiener Kommissare Eisner und Fellner einem Internet-Aktivisten hinterher um einen angekündigten Doppelmord zu verhindern.

Mehr Eifersucht und Gift

Es wird mal wieder Zeit für einen Mord aus Leidenschaft, Eifersucht, Rache, für ein bisschen Gift und Geldgier.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017