Sie sind hier: Home > Unterhaltung > TV & Kino >

"Tatort"-Kritik: Wenn die Liebe den Verstand ausschaltet

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Der München-"Tatort"  

Wenn die Liebe den Verstand ausschaltet

17.05.2017, 23:36 Uhr | von Verena Maria Dittrich

Architekt Thomas Jacobi lebt polyamourös - mit mehreren Frauen führt er gleichzeitig eine Beziehung. (Screenshot: ARD)
Tatort München: „Liebe, ein seltsames Spiel“

Architekt Thomas Jacobi lebt polyamourös - mit mehreren Frauen führt er gleichzeitig eine Beziehung. Doch ist er auch der Mörder von zwei seiner Herzdamen?

Tatort München: „Liebe, ein seltsames Spiel“ (Quelle: Bitprojects)


Wie viel wissen wir eigentlich von dem Menschen, den wir lieben, mit dem wir das Bett und unser Leben teilen? Kennen wir ihn richtig? Wollen wir ihn überhaupt richtig kennen? Oder lebt es sich leichter mit der Unwissenheit?

Wer liebt, denkt oft nicht klar. Das Herz macht Sprünge und der Verstand liegt brach. Die Natur macht uns zu Untertanen der Evolution. Wir sollen uns schließlich vermehren, das Leben will fortbestehen. Doch die moderne Existenz hat so ihre Tücken. Es geht nicht nur mehr um die Arterhaltung. Es geht um Sinn und vor allem geht es um Gefühle. Wir wollen nicht allein sein, wir wollen gesehen werden.

Thomas Jacobi (Martin Feifel) gibt den Frauen, was sie begehren. Sex, Liebe, Zuneigung. Er ist erfolgreicher Architekt, wortgewandt und extrem beherrscht. Der Archetyp eines verständnisvollen Begleiters. Jacobi ist so voller Lebensdrang und Leidenschaft, dass ihm eine Frau nicht genug ist. Nein, es müssen fünf sein! Sein Liebes-Quintett gerät ins Wanken, als eine der Damen vor ihrem Haus tot von einem Nachbarn in der Garageneinfahrt entdeckt wird. Die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) übernehmen die Ermittlungen und schütteln Jacobis Wertesystem ordentlich durcheinander.

UMFRAGE
Welche Schulnote geben Sie dem "Tatort: Die Liebe, ein seltsames Spiel"?

Jeder lügt und jeder liebt

Der neue Münchner "Tatort": "Die Liebe, ein seltsames Spiel" jongliert mit Klischees. Was würde eine Frau alles tun, um einen starken, sie begehrenden Mann an ihrer Seite zu haben? Ihm ein Alibi geben, auch wenn er vielleicht ein Mörder ist? Ihn mit diversen Nebenbuhlerinnen teilen, nur um nicht einsam zu sein? Regisseur Rainer Kaufmann hat nach eigener Aussage das Geheimnis der Frauen noch nicht gelüftet.

Dennoch traut sich sein Film viel. Frauen sind hier hörige Geschöpfe, die für eine breite Schulter Vieles hergeben: ihre natürlichen Instinkte, ihr unabhängiges Denken. Wenn Architekt Jacobi sein Lügengeflecht über seine Weibchen ausbreitet, schlucken sie nur allzu bereitwillig seine Geschichten: "Ich lasse mich nicht einsperren, von niemandem!" - und lieben ihn dennoch.

Die Ausnahme bildet Julia (Anna Schäfer). Sie ist, wie Jacobi "poly", die Kurzform von

Polyamorie, ein Lebensmodell, bei dem eine Person mehrere Menschen zur selben Zeit liebt.

Für den Architekten Thomas Jacobi (Martin Feifel) ist "eine" Frau nicht genug. Polyamorie ist sein Lebensmotto.  (Quelle: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden)Für den Architekten Thomas Jacobi (Martin Feifel) ist "eine" Frau nicht genug. Polyamorie ist sein Lebensmotto. (Quelle: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden)

Für Jacobi geht diese Liebe Hand in Hand mit der Lüge. Seine Frauen folgen, bewusst oder unbewusst, seinem Vorbild. Doch als das gutbesetzte Liebeskarussell auch den zweiten Fahrgast herausschleudert und Dr. Slowinski (Juliane Köhler) ermordet wird, erhöhen Batic und Leitmayr den Druck.

Die Mörder aus der zweiten Reihe

Die Kommissare, selbst von Hormonwallungen abgelenkt - Batic hat eine Affäre mit einer verheirateten Frau (Viola Wedekind) und Leitmayr muss den Kuppelversuchen seines Assistenten Kalli (Ferdinand Hofer) mit dessen Mutter (Wookie Mayer) widerstehen - ziehen letztlich doch die richtigen Schlüsse. Der frauenverzehrende Architekt ist unschuldig, zumindest an den Morden.

Die Täter stammen aus der zweiten Reihe. Jacobis Kollegin Anna (Genija Rykova) sah ihren Chef bedroht und tötete das zweite Opfer aus fehlgeleiteter Loyalität. Nicht jedoch, ohne dabei ebenfalls den Gestus eines sich unterordnenden Weibchens anzunehmen. Womit die Evolution wieder auf den Plan tritt. Das Alphamännchen Jacobi übt eine magische Kraft auf das schwache Geschlecht aus. Auch wenn er kein Mörder ist, ist er dennoch Täter.

Nur die fünfte Geige: Heike Gonzor (Anastasia Papadopoulou) kann nicht glauben, wie viele Beziehungen ihr Liebster simultan führt. (Quelle: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden)Nur die fünfte Geige: Heike Gonzor (Anastasia Papadopoulou) kann nicht glauben, wie viele Beziehungen ihr Liebster simultan führt. (Quelle: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden)

Das Tier in uns allen

Das Motiv des ersten Mordes ist um Einiges perfider und hat mit dem polyamorösen Umfeld des Architekten nicht das Geringste zu tun. Hier ist er, neben der Ermordeten, wirklich das Opfer.

André Schneider (Winfried Frey), der Nachbar, der vorgab, die Tote entdeckt zu haben, ist der Mörder. Fasern eines Kissens überführen den unscheinbaren Mann. Der Grund seiner Tat ist so abscheulich wie unvorstellbar: Er benötigte für sich, seine Frau und seine Kinder eine größere Wohnung. Noch bevor der Leichnam richtig kalt war, hatte er sich schon als Nachmieter beworben. Wohnraum in München ist schließlich knapp und teuer.

Und so schließt sich der Kreis, denn in einer Welt, in der die Menschlichkeit verkümmert, übernimmt das Tier die Kontrolle. Empathie und aufrechte Gefühle stören da nur. Liebe, Leben, Zusammenhalt - alles egal. Hauptsache das "Ich" überlebt.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
KlingelBabistabonprix.deLidl.deStreet OneCECILMADELEINEdouglas.deBAUR
Unterhaltung von A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Telekom Fotoservice
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017