TV-Tipps fürs Wochenende

Dafür lohnt sich das Einschalten

09.02.2018, 19:07 Uhr | vmd

Folkmusiker Llewyn Davis (Oscar Isaac) fragt sich, was er mit dem Rest seines Lebens noch anfangen soll – vielleicht hat die Katze eine Antwort.

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Die Narren scheinen das Wochenende fest im Griff zu haben. Fernsehsitzung des Karnevals: "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht". Doch nicht jeder ist ein Freund des zeitlich auferlegten Schunkelns und Konfetti-Werfens.

Viele TV-Zuschauer sind an Karneval und seinen Gaudi-Sitzungen ungefähr so interessiert wie an einer Darmspiegelung. Auf der Suche nach gutem Fernsehen – die Top 5 fürs TV-Wochenende:

  • Tipp 1

"Inside Llewyn Davis" – Tragikomödie aus dem Hause der Coen-Brüder über das völlig verkorkste Leben eines Folkmusikers Anfang der 1960 Jahre im New Yorker Greenwich Village. "Star Wars"-Star Oscar Isaac als "Llewyn Davis" ist die perfekte Besetzung – man leidet, singt, lacht und weint mit ihm. Flankiert wird Isaac von Kollegen wie Carey Mulligan und Justin Timberlake, der auch am Soundtrack mitwirkte. Als kleine aber äußerst amüsante Nebenrolle rennt der ebenfalls aus "Star Wars" bekannte Adam Driver als "Al Cody" singend durchs Bild.

Die Coen-Brüder erschufen mit ihrer einfühlsamen Filmballade am "Vorabend der Pop-Revolution" einen kleinen Hollywood-Diamanten, der nur so vor "Easter Eggs" für die Folkmusik-Fans strotzt. Absolute Pflichtsichtung mit exzellenten Songs. (Sendetermin: ab dem 09.02. bei Netflix)

Die Musiker Llewyn (Oscar Isaac) und Jim (Justin Timberlake) suchen in "Inside Llewyn Davis" nach dem richtigen Sound.

  • Tipp 2

"Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn" – computeranimiertes Filmabenteuer mit der vom belgischen Zeichner Hergé erschaffenen Comic-Figur "Tintin" – hierzulande besser bekannt als "Tim und Struppi". Auf dem Regiestuhl für dieses facettenreich gestaltete Stück Familienunterhaltung nahm der Meister aller Filmträume Steven Spielberg höchstpersönlich Platz und erfüllte sich damit einen Jugendtraum. Der dreifache Oscargewinner inszenierte mit seinem ersten komplett animierten Film ein Fest für die Sinne und zeigt dabei einmal mehr, dass er auch im Alter von 71 Jahren das Staunen noch nicht verlernt hat.

Auch wenn beim Erscheinen von "Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn" einige Kritiken negativ ausfielen, kann man Spielberg und seinem Mit-Produzenten Peter Jackson, der Kreativkraft hinter der "Der Herr der Ringe"-Filmtrilogie, keinen mangelnden Respekt vor Hergés Arbeit vorwerfen. Dafür sind "Tim", "Struppi", "Kapitän Haddock" und "Schulze und Schultze" einfach zu liebevoll animiert.

Eingefleischten Fans des Originals mag die etwas fadenscheinige Vermischung verschiedener Comics zu einem nicht immer schlüssigen Plot sauer aufstoßen, doch mindert dies sicher nicht die Schauwerte und den Unterhaltungsfaktor. (Sendetermin: SAT.1/10.02./22:45 Uhr) 

Besser als einige Kritiken vermuten lassen: der animierte "Tintin" in Steven Spielbergs "Die Abenteuer von Tim und Struppi".

  • Tipp 3

"Angeklagt" – packendes Gerichtsdrama aus dem Jahre 1988, das dieser Tage einmal mehr an trauriger Brisanz gewinnt. Die junge Sarah (gespielt von der damals 25-jährigen Jodie Foster) will eines Abends in einer Bar noch etwas trinken, doch was ihr dann widerfährt, ist ein nicht enden wollendes Martyrium – Sarah wird Opfer einer Gruppenvergewaltigung.

Mit Hilfe der Staatsanwältin Kathryn Murphy (verkörpert von Kelly McGillis, die im echten Leben Opfer einer Vergewaltigung wurde) versucht Sarah sich zu wehren. Die mutigen Kämpferinnen stoßen auf eine Gesellschaft, in der Frauen, denen sexuelle Gewalt angetan wird, selbst Schuld daran sind. Fosters Schauspiel ist beispiellos und zeigt schonungslos, was das starke Geschlecht dem vermeintlich schwachen antut, wenn es meint, seine Triebe befriedigen zu müssen.

Die Aussagen gewisser Filmproduzenten, Schauspieler und Regisseure, die dieser Tage durch sämtliche Medien hallen, zeigen, dass unsere Gesellschaft auf diesem Gebiet noch viel aufzuarbeiten hat. "Angeklagt" hat schon vor dreißig Jahren den Finger auf diese Wunde gelegt. (Sendetermin: ZDFneo/10.02./23:45 Uhr)

Oscar-Preisträgerin Jodie Foster durchläuft als Sarah in "Angeklagt" ein regelrechtes Martyrium

  • Tipp 4

"Flash Gordon" – irrwitziges Science-Fiction-Abenteuer, das vor unfreiwilliger Komik nur so trieft und gerade deswegen eine amüsant-unterhaltende Nacht verspricht. Sam J. Jones, sicher einer der untalentiertesten Schauspieler des Planeten Erde, spielt den Titelhelden "Flash Gordon", den Retter der Welt, der die Menschheit vor der Versklavung des kosmischen Oberschurken Ming (Max von Sydow) bewahren soll.

Der fast 40 Jahre alte Weltraumstreifen, dem die gleichnamige Comic-Reihe zu Grunde liegt und der im damaligen Fahrwasser von George Lucas' erstem "Star Wars"-Film aus der Taufe gehoben wurde, macht so ziemlich alles falsch, was man nur falsch machen kann. Und doch, die hirnrissige Story, die überzogen agierenden Schauspieler, die angestaubten Tricks und das völlig überladende und extrem schrille Setting geben "Flash Gordon" einen besonderen und einmaligen Charme und haben den Film zurecht zum Kultfilm avancieren lassen. Die Musik von "Queen" erledigt den Rest: "Flash, a-ah, saviour of the universe. Flash, a-ah, he'll save everyone of us." (Sendetermin: NDR/12.02./00:55 Uhr)

Edel-Trash-Kino vom Feinsten: Sam Jones als Kultfigur "Flash Gordon" im gleichnamigen Science-Fiction-Klassiker aus den Achtzigern.

  • Tipp 5

"Million Dollar Baby" – oscarprämiertes Filmdrama um einen alternden Boxtrainer, der in der jungen White-Trash-Göre Maggie Fitzgerald (herausragend Hilary Swank) eine Fighterin mit Herz zu erkennen glaubt. Alt-Meister Clint Eastwood, der sowohl hinter, als auch vor der Kamera alle Zügel fest in der Hand hält, entfesselt eine mitreißende Geschichte, die mit leisen Tönen daherkommt und in einem hoch emotionalen Finale endet, wie man es nur selten gesehen hat.

Boxer-Dramen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, doch nur wenige mit einer solchen Intensität wie Eastwoods "Million Dollar Baby". Im letzten Drittel des Films löst sich die Geschichte vom herkömmlichen Sportfilm-Genre und entwickelt sich zu einer Parabel über die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ein Twist, den nur ein Clint Eastwood so grandios in Szene zu setzen weiß.

Hilary Swank wurde für ihre Leistung verdienterweise mit einem Oscar belohnt, ebenso wie "Dirty Harry", der für "Million Dollar Baby" gleich zwei der begehrten Trophäen einheimste, die für den besten Film und die für die beste Regie. (Sendetermin: ZDFneo/10.02./21:40 Uhr)

Maggie (Hilary Swank) will unbedingt Boxprofi werden, doch Frankie (Clint Eastwood) hält die 31-Jährige für zu alt.

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