02.09.2013, 08:05 Uhr | rf, wetter.info
Ein typisches Bild: Großstädter suchen wie hier am Hamburger Elbstrand im Sommer 2013 nach einer Abkühlung (Quelle: dpa)
Nicht nur, dass er scheinbar endlos auf sich warten ließ: Als er endlich da war, trumpfte der Sommer 2013 mit beeindruckenden Extremen auf: So geht das in manchen Regionen schlimmste Hochwasser seit Jahrhunderten auf das Konto sintflutartiger Regenfälle im ersten Sommerdrittel. Was dann allerdings folgte, war das genaue Gegenteil. "Am Ende ist daraus der trockenste Sommer seit zehn Jahren geworden", sagt Stefan Laps vom Wetterdienst Meteomedia im Gespräch mit wetter.info. Zudem war es so warm und sonnig wie seit Jahren nicht.
Landesweit fielen in den drei Sommermonaten nur 84 Prozent der sonst üblichen Regenmenge - Referenzwert ist hier das langjährige Mittel zwischen den Jahren 1961 und 1991.
Und das trotz der heftigen Niederschläge im Juni, die vor allem die Südosthälfte Bayerns, Oberschwaben, den Osten Thüringens, ganz Sachsen und den Süden Brandenburgs getroffen haben.
Ein besonders krasses Beispiel ist Aschau/Stein im Chiemgau: Dort prasselten im Juni sagenhafte 444 Liter Regen auf den Quadratmeter. "Über 400 Liter davon ergossen sich in nur 95 Stunden", erklärt Laps. Zum Vergleich: Durchschnittlich sind es dort 271 Liter im ganzen Monat.
Im sächsischen Hartmannsdorf waren es immerhin noch 337 Liter in einem ähnlich kurzen Zeitraum, und in Stützengrün-Hundshübel südlich von Zwickau 228 Liter. Dort wären etwa 80 Liter normal.
Vielerorts gingen im Einzugsgebiet von Donau, Inn und Elbe sowie vielen ihrer Nebenflüsse, seit Mitte Mai teils kräftige Regenfälle voraus. Die Vorgeschichte war entsprechend ungünstig, sodass die extremen Regenfälle Anfang Juni das Fass im wahrsten Sinne des Wortes zum Überlaufen brachten. Nur so sind Pegelstände wie zum Beispiel die in Passau zu erklären: Dort wurde der alte Rekord aus dem Jahre 2002 von 10,72 Meter über zwei Meter überschritten.
Gleichzeitig war es in anderen Gebieten im Juni viel zu trocken: Ilsenburg (Sachsen-Anhalt) mit 7,5 Litern und Bad Harzburg (Niedersachsen) mit 10,7 Litern sind zwei herausragende Beispiele. Ähnlich sah es im Weserbergland, Süd-Niedersachsen und dem Westen von Sachsen-Anhalt aus.
In Summe war der Juni der nasseste seit sechs Jahren - mit 122 Prozent des Regen-Solls. Dieses Desaster schien das Wetter in den beiden Sommermonaten Juli und August wieder gut machen zu wollen.
Das gilt ganz besonders für den Juli: Mit nur 53 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge ist dieser der trockenste seit 2003. Dies gilt besonders für Nordrhein-Westfalen, die Ostsee, Nieder- und Oberbayern mit nur acht bis 20 Prozent des Regen-Solls. "In Manning-Schneiderberg an der Isar waren es klägliche 2,7 Liter", sagt Laps.
In vielen Gebieten wäre die Bilanz wohl noch dürftiger ausgefallen, hätten nicht einige heftige Unwetter die Niederschlags-Statistik aufgeputzt. Apropos Unwetter: Hier dokumentierten die Meteorologen der Unwetterzentrale einige nennenswerte Ereignisse.
So zog am 27. Juli eine extrem langlebige, rotierende Gewitterzelle - eine sogenannte Superzelle - mehrere Hundert Kilometer weit von Gütersloh in Ostwestfalen ins Havelland vor die Tore Berlins. Mit von der Partie war Hagel von bis zu sieben Zentimetern Durchmesser aber auch Sturm und Starkregenschauer.
Superzellen sind die Voraussetzung für die Entstehung von Tornados. Und von den gefürchteten Wirbelstürmen hat es vermutlich mehrere Dutzende in diesem Sommer gegeben. Fast 70 Verdachtsfälle sind der Unwetterzentrale (UWZ) bekannt. Vier konnten die Wetterexperten derweil bestätigten - allesamt Wasserhosen über der Nordsee.
Die meisten Tornados wüteten wahrscheinlich bei der großen Schwergewitterlage am 19. und 20. Juni. An beiden Tagen warnte die UWZ flächendeckend vor Unwettern der höchsten Kategorie. In nur einer Stunde zuckten dann auch etwa 28.000 Blitze am Himmel über Deutschland.
Alleine in der Gegend um Soltau krachte es bis zu 200 mal innerhalb eines Quadratkilometers. Mit dabei waren Orkanböen von bis zu 126 Kilometern in der Stunde.
Ein weiteres Detail, das die Meteorologen in Staunen versetzt hat: Am 6. August schossen in Undingen Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu 14 Zentimetern auf die Erde, sogenannte Riesenhagel. "Da ist kein Dach heil geblieben", so Laps.
Zum Glück hat es offenbar keine Verletzten gegeben. Aber in der Größe werden die Eisklumpen zu tödlichen Geschossen, so der Unwetterexperte. Auch anderenorts fielen im Süden und Osten Deutschlands große Hagelkörner, zum Teil größer als Golfbälle.
Weniger bedrohlich fällt da der Blick auf die Temperaturen aus, wenngleich nicht wenige auch unter der Hitze im Juli und August gelitten haben. Der absolute Spitzenreiter ist in diesem Jahr Lörrach, in der südwestlichsten Ecke Deutschlands: Dort kletterte das Quecksilber auf 39,0 Grad.
Damit ist der Allzeitrekord von 40,3 Grad aus dem Jahr 2003 in Perl-Nenning (Saarland) deutlich verfehlt worden. Trotzdem: "In diesem Jahr hat es in vielen Großstädten genauso viele oder sogar mehr Sommer- und Hitzetage gegeben als im Jahrhundertsommer 2003", hat Laps ausgerechnet.
Ein Beispiel: In Hamburg zeigte das Thermometer im August 14 mal 25 Grad und mehr an. Meteorologen sprechen dann von Sommertagen. Davon waren fünf Hitzetage mit mehr als 30 Grad - genau wie vor zehn Jahren. In Berlin, Dresden, Frankfurt am Main und München sah das ganz ähnlich aus.
"Für alle, die die Sonne und warme Luft lieben, war das ein wirklich verdammt guter Sommer", resümiert Laps. Nach einem kalten und zähen Winter, einem Frühling, der gefühlt gar nicht stattfand und nach der Regenkatastrophe im Juni, hat das Sommerfeuerwerk von Juli und August einiges wieder gut gemacht.
Quelle: rf, wetter.info
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