23.12.2011, 15:51 Uhr | dapd, dapd, t-online.de
Das konnten die Versicherer natürlich nicht auf sich sitzen lassen: Die Riester-Rente sei ungefähr so renditestark wie ein Sparstrumpf, mäkelten Wirtschaftsforscher kürzlich. Jetzt machen die Anbieter eine eigene Rechnung auf, die natürlich zu ganz anderen Ergebnissen kommt. Für die allermeisten Bundesbürger sei sie eine sichere Altersvorsorge, die sich schon nach wenigen Rentenjahren auszahle, erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), warf der Verband politisch motivierte Kritik vor.
Vor zwei Wochen hatten das DIW und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung eine Untersuchung veröffentlicht, wonach sich die Riester-Rente für die meisten Versicherten wegen ihrer geringen Rendite nicht lohnt. Die Zusatz-Rente habe sich zuungunsten der Verbraucher entwickelt und müsse dringend reformiert werden.
Anhand von Beispielen rechnete der GDV nun vor, dass die Riester-Rente sich sehr wohl lohne. Die Kritiker hätten schlicht mit einer zu niedrigen Lebenserwartung kalkuliert und oft nur die Garantieverzinsung der Verträge berücksichtigt, nicht aber die zusätzlichen Überschüsse, die die Versicherungen normalerweise durch geschickte Geldanlage erzielten. Das DIW wiederum wies die Kritik an seinen Berechnungen zurück.
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Die Versicherungsbranche stützt sich laut DIW bei der Kalkulation der Lebenserwartung der Versicherten nicht auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts, weil diese in der Vergangenheit oft zu niedrig angesetzt gewesen seien. Stattdessen geht die Branche davon aus, dass die Menschen im Schnitt älter würden, "weil wir nicht glauben, dass wir dann mit unseren Prämien hinkommen würden", sagte Peter Schwark, Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung. "Wir müssen auch immer damit rechnen, dass jemand, der todkrank ist, keine Riester-Versicherung abschließen wird."
Zum einen könnten Versicherungen seit 2008 einen größeren Teil des Geldes behalten, den sie wegen eines relativ frühen Todes eines Versicherten nicht auszahlen müssen, kritisierten die DIW-Forscher. Zum anderen sei der Anteil des Geldes, der zu Rentenbeginn für den Fall eines besonders langen Lebens des Versicherten zurückgelegt werden müsse, in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen.
Der GDV warf dem DIW vor, die Kritik an der Riester-Rente sei politisch motiviert, ohne näher ins Detail zu gehen. Eine DIW-Sprecherin wies dies zurück. Da es aber keinen konkreten Vorwurf gebe, könne das Institut auch nicht mehr dazu sagen. Die DIW-Expertin für Verbraucherpolitik, Kornelia Hagen, erklärte die unterschiedlichen Berechnungen mit den unterschiedlichen Annahmen über die Lebenserwartung. Bei den Versicherungen sei nicht klar, welche Sterbetabelle verwendet werde. "Das ist aus meiner Sicht skeptisch zu beurteilen", sagte Hagen. Außerdem habe der GDV andere Fälle betrachtet als das DIW.
Der GDV erklärte aber, der Vorwurf, die Versicherungsunternehmen verdienten zu viel am vorzeitigen Ableben der Kunden, sei falsch. Zwar dürften die Gesellschaften seit 2008 höhere Beträge einbehalten, aus Wettbewerbsgründen täten dies die meisten aber nicht. Außerdem seien die Auswirkungen relativ gering.
Aus den Berechnungen der Branche gehe hervor, dass es keine Vorsorgeform gebe, "die sich für die allermeisten Bürger, insbesondere Geringverdiener und Familien, so rechnet und ein so hohes Maß an Sicherheit für eine lebenslange Versorgung bietet wie die Riester-Rente", heißt es in der Bilanz des GDV, die mit "... und sie lohnt sich doch" überschrieben ist.
Quelle: dapd, dapd, t-online.de
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