20.01.2012, 09:51 Uhr | dpa, AFP, dapd, dpa, AFP, dapd
Seit Einführung der Riester-Rente haben die Deutschen rund 15 Millionen Verträge abgeschlossen. Doch das Altersvorsorgeprodukt bleibt auch zehn Jahre nach seiner Einführung umstritten. Und 2012 ändert sich einiges bei der Riester-Rente.
Riester-Sparer müssen ab 2012 in jedem Fall einen Sockelbetrag von 60 Euro in ihren Vorsorgevertrag einzahlen, andernfalls entfallen Zulagen und Steuervorteile. Beitragsfreie Verträge für mittelbar Zulagenberechtigte (Ehegattenverträge), auf die lediglich die staatlichen Riester-Zulagen fließen, sind künftig nicht mehr möglich
Wer ab kommendem Jahr eine Riester-Rente abschließt, bekommt erst ab dem 62. Lebensjahr, zwei Jahre später als bisher, die volle Zusatzrente ausgezahlt. Nur wer noch 2011 zum Riester-Produkt greift, profitiert von der bisherigen Regelung.
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Auch die Änderungen beim Garantiezins für Lebensversicherungen sollten Verbraucher beim Abschluss beachten. Ab 1. Januar 2012 sinkt der garantierte Mindestzins für neu abgeschlossene private Lebens- und Rentenversicherungen von 2,25 auf 1,75 Prozent. Die Absenkung betrifft auch klassische Riester- und Rürup-Policen.
Für die Rendite von Riester-Verträgen bleibt vor allem die staatliche Riester-Zulage ein wichtiger Baustein. Doch nach wie vor lassen sich viele Sparer Milliarden entgehen, weil sie die Zulage schlichtweg nicht beantragen. Zudem bekommen viele Versicherte nicht die maximale Förderung, weil sie selbst nicht genug in ihren Vertrag einzahlen. Ein Grund dafür ist vermutlich das mangelnde Wissen vieler Bürger über die Riester-Rente, wie vor kurzem eine Studie der Postbank gezeigt hat.
Schlechte Rendite und hohe Gebühren: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung fordert grundlegende Reformen des Riester-Systems. zum Video
Allerdings tragen auch die komplizierte Regelungen zum geringen Kenntnisstand der Bürger bei. Zudem standen die Riester-Vertrage zuletzt wegen angeblich zu niedriger Renditen in der Kritik. Erst vor wenigen Wochen hatten das Wirtschaftsinstitut DIW und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung eine Untersuchung veröffentlicht, wonach sich die Riester-Rente für die meisten Versicherten nicht lohnt. Den Vorwurf wies die Versicherungswirtschaft zurück.
Doch der Streit hält weiter an. Scharfe Kritik übte nun der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Gerd Billen, an der Altersvorsorgepolitik der Bundesregierung. Billen gab zu bedenken: "Das Riester-Produkt ist erst dann wirklich ökonomisch interessant, wenn ich die Zulagen in Anspruch nehme." Da sei politische Führung gefragt: "Ich kann nicht sagen, die Leute sind zu blöd, ihre Anträge zu stellen. Das Produkt ist zu kompliziert."
Die Folge seien komplizierte Produkte, die vielen Verbrauchern mehr schadeten als nutzten - das rufe unseriöse Anbieter auf den Plan: "Da gibt es einige, die jetzt hohe Renditen versprechen, die den Menschen das Blaue vom Himmel vorlügen, angeblich um ihre Altersvorsorge zu verbessern", gab Billen zu bedenken und fügte hinzu: "Deswegen ist das ein Markt, wo wir eine bessere Regulierung, eine bessere Aufsicht brauchen. Daran mangelt es leider in Deutschland."
Quelle: dpa, AFP, dapd, dpa, AFP, dapd
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