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Jeder fünfte Lebensversicherer in Gefahr

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Jeder fünfte Lebensversicherer in Gefahr

08.11.2012, 16:13 Uhr | t-online.de - sia, dpa-AFX, dapd

Lebensversicherer bieten Ersatzprodukte an (Screenshot: Reuters)

Einige Anbieter könnten den Garantiezins nicht mehr in voller Höhe auszahlen und böten ihren Kunden zudem neue Policen mit schlechteren Konditionen an.

 

Die deutschen Lebensversicherer drohen wegen dauerhafter Minizinsen in Schieflage zu geraten, jede fünfte Assekuranz könnte massive Probleme bekommen. Das berichtet das "Handelsblatt" und beruft sich dabei auf ein Papier des Bundesfinanzministeriums. Demnach wollen Ministerium und Bankenaufsicht eine Pleitewelle unter den Anbietern unbedingt verhindern - notfalls auch zu Lasten der Versicherten.

"Run" aus den Lebensversicherungen droht

Nach dem Bericht werden die schwachen Unternehmen der Branche es nicht schaffen, die notwendigen Rücklagen und das geforderte Eigenkapital zu bilden. Und selbst bei steigenden Zinsen drohe ihnen Ungemach, weil Kunden zunehmend ihre Versicherungen kündigen und in Anlagen mit höherer Rendite investieren würden.

Es bestehe "die Gefahr eines Runs" aus den Policen, zitierte die Zeitung aus dem Protokoll der Regierung. Hintergrund sei die Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Sie führe dazu, dass die Renditen, die die Versicherer durch ihre Kapitalanlagen einnähmen, schneller sinken würden als der den Kunden versprochene durchschnittliche Garantiezins.

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Anbieter unter Druck

Laut der "Financial Times Deutschland" (FTD) belasten die Versicherer Garantieverzinsungen von zum Teil vier Prozent in alten Verträgen, Neukunden werde hingegen zurzeit eine Garantieverzinsung von lediglich 1,75 Prozent gewährt. Der Haken liegt in der Verpflichtung der Anbieter, die Beiträge ihrer Kunden in besonders sichere Anlagen zu investieren.

Noch 2011 hätten die Versicherer daher 80 Prozent des Geldes - 1,3 Billionen Euro - in Rentenpapiere wie Staatsanleihen, Hypotheken, Darlehen, Pfandbriefe oder Unternehmensanleihen gesteckt, heißt es im Bericht des "Handelsblatts". Jetzt werden die Magerzinsen, die diese Produkte erzielen, zum Problem.

Debatte um Krisenhilfe

Die Folge: Die Unternehmen müssen ihren Kunden mehr auszahlen, als sie einnehmen. Spätestens ab 2018 sinke bei einer "signifikanten Anzahl der Unternehmen die Risikotragfähigkeit", fasst das Finanzministerium die katastrophale Lage dem "Handelsblatt" zufolge zusammen.

Gemeinsam mit der Finanzaufsicht BaFin diskutiere das Ministerium daher, den Versicherern durch Absenkung oder zeitweise Aussetzung des Garantiezinses Luft zu verschaffen. Eine gute Lösung für die Unternehmen, die ins Schlingern geraten sind, eine schlechte für die Versicherten, die niedrigere Zinsen als vereinbart bekämen. Nach den Angaben sollen schon einige Versicherer erwägen, bei der BaFin eine zeitweise Aussetzung ihrer Zinsversprechen zu beantragen.

Im Bundestag soll bereits am Donnerstagabend soll ein Gesetz zur Stabilisierung der Versicherer verabschiedet werden. Die Unternehmen bekommen darin die Möglichkeit eingeräumt, ihr Vermögen teilweise anders als bisher zu bewerten, sodass sie weniger Geld an ihre Kunden ausschütten müssen.

Verbraucherschützer kritisieren Staatshilfe

Verbraucherschützer hingegen lehnen staatliche Hilfe für die Versicherer ab. "Es ist nicht Aufgabe der Politik, mit gezielten Subventionen Versicherern unter die Arme zu greifen, damit diese auch in Zeiten niedriger Zinsen im Altersvorsorgebetrieb weiter hohe Gewinne erwirtschaften", erklärte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg der Zeitung.

Die Versicherer haben inzwischen Berichte über ihre drohende Schieflage zurückgewiesen. "Die Meldung, dass immer mehr Lebensversicherer den Garantiezins nicht mehr in voller Höhe zahlen können, ist falsch", erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die deutsche Lebensversicherung sei sicher. Die anhaltenden Niedrigzinsen seien zwar eine große Herausforderung. Für Alarmismus bestehe aber kein Grund.

Ranking der stärksten Versicherer

Für Versicherte sei es wichtig wie nie, einen kapitalstarken Anbieter zu wählen, sagt indes Christoph Dittrich, Geschäftsführer des Hamburger Analysehauses Softfair der "WirtschaftsWoche". Softfair hat gemeinsam mit dem Wiener Finanzwissenschaftler Jörg Finsinger für das Magazin ermittelt, welche Lebensversicherer ihren Kunden niedrige Kosten, hohe Renditen und ein ausreichendes Kapitalpolster bieten.

Für das Ranking wurden 72 Anbieter unter die Lupe genommen, besonders gut haben dabei die LVM, Huk-Coburg und Debeka abgeschnitten. So ist Testsieger LVM zum Beispiel 145 Prozent leistungsfähiger als der Durchschnitt aller Konkurrenten. Besonders schlechte Ergebnisse erzielten hingegen Direkte Leben, Delta Lloyd und VPV da.

 
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