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Lebensversicherungen: Versicherer tricksen bei Geld-Rückerstattung an Kunden

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Private Altersvorsorge

Lebensversicherer tricksen bei Geld-Rückerstattung an Kunden

03.02.2013, 19:51 Uhr | dapd, t-online.de

Lebensversicherungen: Versicherer tricksen bei Geld-Rückerstattung an Kunden. Lebensversicherer müssen Kunden Geld zurückzahlen, tun das aber nur widerwillig (Quelle: Imago/ blickwinkel)

Lebensversicherer müssen Kunden Geld zurückzahlen, tun das aber nur widerwillig (Quelle: Imago/ blickwinkel)

 

Die Lebensversicherungen müssen Kunden, die ihre Verträge vorzeitig kündigten, viel Geld nachzahlen. Das urteilte im vergangenen Jahr der Bundesgerichtshof. Für die Versicherungsbranche geht es um Milliarden, für jeden einzelnen Kunden um mehrere Hundert Euro. Doch einige Versicherer zeigen sich wenig kundenfreundlich. Offenbar versuchen die Gesellschaften, sich um ihre Rückzahlungspflichten herum zu tricksen.

Versicherer zahlen zu wenig zurück

Wer seine Kapitallebens- oder Rentenversicherung vorzeitig gekündigt und nur einen geringen Rückkaufswert erhalten hat, dem stehen nach mehreren Urteilen Nachzahlungen zu. Doch die Versicherer werden nicht von allein tätig. Die Kunden müssen ihr Geld zurückfordern, damit die Gesellschaften tätig werden. "Es wird viel getrickst, manche Gesellschaften verweigern mit falschen Behauptungen die Erstattung oder zahlen zu wenig", kritisiert Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH). Kunden sollten auf jeden Fall hart bleiben und auf vollständiger Erstattung bestehen.

Unzulässige Gebührenberechnung

Grund für die Erstattung sind Klauseln zum Rückkaufswert und zum Stornoabzug in den Versicherungsverträgen, die von mehreren Gerichten für ungültig erklärt wurden. So hatten die Versicherer in der Vergangenheit die Abschlussgebühren bei Lebens- und Rentenversicherungen gleich zu Beginn der Vertragslaufzeit abgezogen, anstatt sie auf mehrere Jahre zu verteilen. Dadurch verringerte sich der Rückkaufswert bei vorzeitiger Kündigung drastisch. Zudem berechneten die Gesellschaften unzulässigerweise Stornogebühren.

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Für die Branche war es ein Paukenschlag, als die Allianz-Versicherung sich Anfang Januar Jahres geschlagen gab und ein früheres von der VZHH erwirktes Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart (Az: 2 U 138/10) akzeptierte. Nach Schätzung der Verbraucherschützer muss allein die Allianz jetzt rund 900.000 Kunden zu viel gezahlte Beiträge erstatten. Der Konzern hat dafür bereits 117 Millionen Euro eingeplant.

Im Schnitt 500 Euro Erstattung

Zuvor hatte die VZHH vor dem Bundesgerichtshof (BGH) entsprechende Urteile gegen vier Versicherer erstritten: Signal Iduna (Az. IV ZR 200/10), Ergo (Az. IV ZR 198/10), Generali (Az. IV 202/10) und Deutscher Ring (Az. IV 201/10). Zwölf weitere Versicherer wurden von der VZHH abgemahnt, aktuell bereiten die Verbraucherschützer weitere Gerichtsverfahren vor. "Im Schnitt können die Kunden mit Nachzahlungen von 500 Euro rechnen, oft sind es auch deutlich mehr", sagt Castello. Insgesamt müssen die Versicherer nach ihren Schätzungen rund 12 Milliarden Euro zurückzahlen.

Verträge zwischen 1994 und 2007 betroffen

Die aktuellen Urteile zu den unzulässigen Klauseln gelten für Kapitallebens- und Rentenversicherungsverträge, die zwischen 2001 und Ende 2007 abgeschlossen wurden. Seit 2008 haben die Versicherer ihre Verträge den neuen gesetzlichen Bestimmungen angepasst. Geld zurück erhalten aber auch Kunden, die ihren Vertrag ab Mitte 1994 geschlossen haben und jetzt kündigen, denn die nachteiligen Klauseln hatte der BGH bereits 2005 für ungültig erklärt.

Rückzahlung eventuell auch nach Verjährung

"Grundsätzlich sollte jeder Kunde sein Geld zurückfordern, auch wenn sein Versicherer noch kein Urteil kassiert hat, denn die Verträge waren in der Vergangenheit weitgehend identisch", betont Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Allerdings muss immer die dreijährige Verjährungsfrist beachtet werden. Wer seinen Vertrag 2010 gekündigt hat, kann noch bis Ende 2013 Geld zurückfordern.

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Unterbrochen wird die Verjährung nur, wenn vorher geklagt oder der Ombudsmann der Versicherungen eingeschaltet wurde. Wer 2009 oder früher gekündigt hat, kann dennoch versuchen, unter Hinweis auf ein BGH-Urteil von 2005 (Az. IV ZR 162/03, IV ZR 177/03, IV ZR 245/03, IV ZR 321/05) Geld zurück zu erhalten. Dazu stellt der BdV einen Musterbrief bereit. Kunden hätten durchaus Chancen, denn einige Versicherer würden sich aus Kulanz nicht auf die Verjährung berufen, sagt Rudnik.

Automatische Anpassung bei beitragsfrei gestellten Verträgen

Wer seinen laufenden Vertrag beitragsfrei gestellt hat, braucht nichts zu unternehmen, hier wird die Versicherungssumme automatisch angepasst. Besonders lohnenswert ist die Rückforderung für Kunden, die ihre Versicherung relativ frühzeitig beendet haben. Wer beispielsweise pro Monat 100 Euro Prämie zahlte und seinen Vertrag nach 18 Monaten kündigte, kann laut Verbraucherzentrale rund die Hälfte der Einzahlungen zurückfordern.

Nur jeder Zehnte fordert Erstattung

Allerdings werden die Versicherer von sich aus nicht aktiv. Kunden müssen sie selbst anschreiben ihr Geld zurückfordern. Dazu bieten der BdV und die VZHH entsprechende Musterbriefe zum Download an. Allerdings könnte es für die Versicherungskonzerne letztlich deutlich günstiger werden als erwarte: "Nach unseren Erfahrungen macht leider nur jeder zehnte Kunde seine Ansprüche geltend", sagt Castello.

 
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